Diese Hausarbeit möchte der Frage nachgehen, ob sich tatsächlich viele bildungspolitische Entscheidungen der letzten Jahre unter dem Blickwinkel Schmiederers erklären lassen. Dabei soll die These untersucht werden, dass die heutige Bildungspolitik in unserer demokratischen Wertegemeinschaft (auch weiterhin) dazu dient, die etablierten Machtstrukturen der jeweilig Herrschenden zu verfestigen.
Um diesen Punkten nachzugehen, will diese Hausarbeit beleuchten, ob und wenn ja auf welche Weise Unternehmensverbände und politische Eliten jeweils Einfluss auf die Bereiche der Bildung zu nehmen versuchen, die das Potenzial besitzen, die bestehenden Herrschaftsformen kritisch in Frage zu stellen. Hierbei steht naturgemäß der politische Unterricht, der beispielsweise zwischenzeitlich aus vielen Lehrplänen der Berufsschulen gestrichen wurde, im Fokus. Wurde dieser insgesamt mehr aus den Lehrplänen verdrängt oder gibt es sonstige, eher subtile Methoden, möglichen gesellschaftskritischen Unterricht zu unterminieren?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rolf Schmiederer und seine Kritik der Politischen Bildung
3. 45 Jahre nach Schmiederer - Eine Bestandsaufnahme
3.1. Gymnasialer Bereich
3.2. Grund-, Hauptschule und Kindergarten
3.3. Das Duale System in der Ausbildung
3.4. Weiterbildung
4. Fazit
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht, ob bildungspolitische Entscheidungen der letzten Jahrzehnte dazu dienen, etablierte Machtstrukturen zu verfestigen, indem sie den Einfluss von Unternehmensverbänden und politischen Eliten auf kritische Bildungsbereiche beleuchtet.
- Kritische Analyse der Bildungspolitik unter Rückgriff auf die Thesen von Rolf Schmiederer.
- Einflussnahme von Arbeitgeberverbänden auf schulische Lehrpläne und Bildungskonzepte.
- Stellenwert des politischen Unterrichts im Kontrast zur ökonomischen Verwertbarkeit.
- Bestandsaufnahme in verschiedenen Bildungssektoren (Gymnasium, Berufsschule, Weiterbildung).
Auszug aus dem Buch
3.1. Gymnasialer Bereich
Da natürlich gerade die allgemeinen Schulen im besonderen Interesse der Öffentlichkeit stehen, gibt es hier mannigfaltige Punkte bei denen auch heute, oder auch vielleicht auch gerade heute, ein Kampf um die Deutungshoheit in der Bildung gerungen wird. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass in einem Pressorgan von Einflüssen durch die Wirtschaft auf die Schulen berichtet wird. Der offensichtlichste Fall ist hierbei sicherlich der Versuch bundesweit die gymnasiale Lernzeit von neun auf acht Jahre zu verkürzen. Ganz unverhohlen forderten und fordern die Vertreter der Wirtschaft diesen Schritt um auch gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass in den bis dahin geltenden Lehrplänen zu viel Unnützes gelehrt würde, was der Mensch für sein späteres Leben überhaupt nicht benötige (BDA 2016, o. S.). Wenig überraschend finden sich dann ähnliche Aussagen bei vielen Politikern der regierenden Parteien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thesen von Rolf Schmiederer zur Bildungskritik und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der Machtstrukturen in der modernen Bildungspolitik.
2. Rolf Schmiederer und seine Kritik der Politischen Bildung: Biografische Skizze von Schmiederer und Erläuterung seines Werkes sowie seiner Kernthesen zur Instrumentalisierung von Bildung.
3. 45 Jahre nach Schmiederer - Eine Bestandsaufnahme: Kritische Überprüfung der aktuellen Bildungspolitik hinsichtlich des Einflusses externer Interessengruppen auf die Schullandschaft.
3.1. Gymnasialer Bereich: Untersuchung des Einflusses der Wirtschaft auf Gymnasien, insbesondere im Kontext der G8-Reform und der Forderung nach "Beschäftigungsfähigkeit".
3.2. Grund-, Hauptschule und Kindergarten: Analyse der frühkindlichen Bildung und Hauptschulreformen unter dem Aspekt ökonomischer Interessen.
3.3. Das Duale System in der Ausbildung: Betrachtung der Berufsausbildung und der Marginalisierung politischer Bildungsinhalte durch betriebliche Interessen.
3.4. Weiterbildung: Analyse der Finanzierung und Ausrichtung der Weiterbildungslandschaft unter dem Aspekt staatlicher Rückzugstendenzen.
4. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der untersuchten Einflüsse und kritische Reflexion über die Folgen der Bildungsökonomisierung.
5. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Bildungspolitik, Machtstrukturen, Rolf Schmiederer, Politische Bildung, Arbeitgeberverbände, Ökonomisierung, G8, duales Ausbildungssystem, Berufsschule, Emanzipation, Herrschaftsstruktur, Bildungskrise, Weiterbildung, Humankapital, Bildungsfeindlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit das deutsche Bildungssystem genutzt wird, um etablierte gesellschaftliche Machtstrukturen zu erhalten, statt kritische Emanzipation zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Einflussnahme von Arbeitgeberverbänden auf alle Bildungsebenen, vom Kindergarten über das Gymnasium bis hin zur beruflichen Bildung und Weiterbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob heutige bildungspolitische Entscheidungen dem Ziel folgen, billige Arbeitskräfte zu generieren und kritische gesellschaftliche Debatten im Unterricht zu unterdrücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Rahmen basierend auf Rolf Schmiederers Bildungskritik und kontrastiert diesen mit aktuellen Beispielen und bildungspolitischen Debatten der letzten Jahrzehnte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Einflussnahme der Wirtschaft in verschiedenen Sektoren, darunter die Verkürzung der gymnasialen Schulzeit, Praxisbezug in Hauptschulen, die Gestaltung der Berufsausbildung und die Finanzierung der Weiterbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bildungspolitik, Machtstrukturen, Ökonomisierung, Politische Bildung, Arbeitgeberverbände und Humankapital sind zentrale Begriffe.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Arbeitgeberverbänden?
Die Arbeit sieht in den Arbeitgeberverbänden einen massiven Einflussfaktor, der Bildung zunehmend an der "Nützlichmachung" für den Arbeitsmarkt ausrichtet und gesellschaftskritisches Denken verdrängt.
Was ist das zentrale Fazit zur politischen Bildung?
Das Fazit legt nahe, dass der emanzipatorische Anspruch der Bildung zugunsten einer ökonomischen Verwertbarkeit vernachlässigt wird, was eine Verfestigung der Machtverhältnisse begünstigt.
- Arbeit zitieren
- Frank Krause (Autor:in), 2017, Unser Bildungssystem. Ein Mittel zur Aufrechterhaltung von etablierten Machtstrukturen?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/381434