Diese Arbeit soll einen Einblick in die Arbeit von Muhammad Yunus und seine Mikrofinanzindustrie geben, welche heute in 58 Entwicklungsländern angewandt wird. In der über 30-jährigen Geschichte der Bank gab es nur drei Jahre, in denen die Bank rote Zahlen schrieb.
Dass dies nicht selbstverständlich ist, hat einmal mehr die Finanzkrise 2008/09 gezeigt. Auch sonst bleibt nichts Gutes in der Branche der Finanzinstitute hängen: Staatshilfen, überdimensionale Boni, Optionen auf Nahrungsmittel, Wetten mit dem Geld des "kleinen Mannes". Ganz anders jedoch tritt die Grameen Bank auf. Ihr Gründer, Muhammad Yunus, glaubt an eine Welt ohne Armut und dafür kämpft er und für diesen Zweck hat er seine Bank ins Leben gerufen. Wie er selbst sagt: "Ich hatte nicht die Absicht, zum Geldverleiher zu werden, sondern wollte lediglich ein akutes Problem in meiner Nachbarschaft lösen." So steht er heute als Nobelpreisträger und Visionär auf den Bühnen der Welt, um seine Botschaft zu verbreiten.
Armut ist heute überall greifbar, auch wenn ihre Ausprägungen unterschiedlich sind und die Definition in jedem Land eine andere ist. Muhammad Yunus sah in seinem Land Bangladesch die wahre, grausame Armut, die Menschen auf den Straßen verhungern ließ. Eine Armut, die sich heute niemand in einem Industrieland vorstellen kann. Doch in der Dritten Welt ist sie leider immer noch gegenwärtig. Viele wollen helfen, doch wie geht das richtig? Mikrokredite, Hilfe zur Selbsthilfe, Spenden oder weiter ausbeuten?
Inhaltsverzeichnis der Studienarbeit
1 Einleitung
2 Der Gründungsvater: Muhammad Yunus
3 Die Grameen Bank
3.1 Kurzporträt
3.2 Vom Feldexperiment zur Gründung der Grameen Bank
3.3 Prinzip und Struktur der Kreditaufnahme/-vergabe
3.4 Die Finanzierung der Grameen Bank
3.5 Mitarbeiter
3.6 Weitere Projekte der Grameen Bank
3.7 Übertragung in andere Länder
4 Social Business
5 Kritik
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Grameen Bank und deren Beitrag zur Bekämpfung von Armut durch das Modell der Mikrokredite, analysiert die strategische Ausrichtung von Muhammad Yunus und reflektiert kritisch die Chancen und Herausforderungen des Social Business-Ansatzes.
- Die Entstehungsgeschichte und das Modell der Grameen Bank.
- Die Rolle von Mikrokrediten bei der Armutsbekämpfung.
- Die Erweiterung durch den Social Business-Gedanken.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der sozialen und wirtschaftlichen Wirksamkeit.
Auszug aus dem Buch
3.3 Prinzip und Struktur der Kreditaufnahme/-vergabe
Wer einen Kredit bei der Grameen Bank aufnimmt, wird zugleich am Mikrofinanzinstitut beteiligt. Die Kreditvergabe erfolgt fast ausschließlich an Frauen, da festgestellt wurde, dass sich die in Elend lebenden Frauen besser und schneller an den „Prozeß der Selbsthilfe“ anpassen können. Die Kredite werden nicht in der Bank aufgenommen, sondern die Mitarbeiter der Bank sind in den Dörfern unterwegs und gehen zu den Kunden.
Die Kreditvergabe an sich basiert zu einem sehr großen Anteil auf dem Vertrauen, das den Kreditnehmern von der Grameen Bank entgegengebracht wird, denn auch „Kredit“ bedeutet urspr. „Vertrauen“. Ein Kredit wird nur dann gewährt, wenn sich eine Gruppe von fünf Personen zusammenfindet, welche sich regelmäßig zu Diskussionen und Gesprächen trifft. In dieser Runde wird ein Kreditgesuch eines Mitglieds besprochen und bewertet, sowie ob dieses befürwortet wird. Darüber hinaus wird darauf geachtet, ob der jeweilige Kreditnehmer den Kredit bedienen kann; ein wichtiger Gesichtspunkt, da beim Ausfall eines Schuldners die ganze Gruppe bürgt (solidarische Haftung). Obwohl jeder einzelne Kreditnehmer persönlich ein Darlehen aufnimmt (individuelle Haftung), muss gewährleistet sein, dass er einer solchen Gruppe angehört. Bei Grameen achtet man deshalb auf die Bildung einer solchen Gemeinschaft, damit die Zahlung der Tilgung sowie der Zinsen der Kreditnehmer regelmäßig und rechtzeitig geleistet werden. Diese Gruppenzugehörigkeit sorgt für Gruppendruck, sodass die Rückzahlung der Darlehen sehr gut verläuft und das Konzept der Mikrokredite so erfolgreich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Armutsproblematik und die Vision des Nobelpreisträgers Muhammad Yunus, der die Grameen Bank zur Hilfe zur Selbsthilfe gründete.
2 Der Gründungsvater: Muhammad Yunus: Biografische Darstellung des Gründers und seines Antriebs, angesichts der Armut in Bangladesch innovative Lösungen zu entwickeln.
3 Die Grameen Bank: Detaillierte Analyse des Mikrofinanzinstituts, seiner Struktur, Kreditvergabe-Methodik, Finanzierung und der sozialen Auswirkungen durch diverse Folgeprojekte.
4 Social Business: Erläuterung des neuen Kapitalismus-Modells, das soziale Aspekte statt Gewinnmaximierung in den Mittelpunkt stellt, veranschaulicht durch Kooperationen mit globalen Unternehmen.
5 Kritik: Kritische Reflexion der ökonomischen und sozialen Herausforderungen, inklusive der Problematik von Überschuldung und Suizidrisiken bei den Kreditnehmern.
Schlüsselwörter
Grameen Bank, Muhammad Yunus, Mikrokredite, Armutsbekämpfung, Bangladesch, Social Business, Mikrofinanz, solidarische Haftung, Selbsthilfe, Kapitalismus, Entwicklungshilfe, Kreditvergabe, Soziale Rendite, Schuldner, Finanzinstitute.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Studienarbeit befasst sich mit dem Geschäftsmodell und dem sozialen Einfluss der Grameen Bank sowie dem innovativen Konzept des "Social Business", das von Muhammad Yunus geprägt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Mikrofinanzierung, Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern, genossenschaftliche Finanzierungsmodelle und eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit von Kleinstkrediten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der Grameen Bank nachzuvollziehen, deren Funktionsweise zu erläutern und auf Basis theoretischer und praktischer Ansätze die Vor- und Nachteile sowie die Grenzen dieses Modells zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse, die auf Fachquellen, Fallbeispielen und eigenen kritischen Reflexionen der Autorin basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Gründers, die detaillierte Beschreibung der Bankstruktur, die Analyse weiterer Projekte (wie Grameen Phone oder Grameen Shakti) sowie die Erläuterung des Social Business-Konzepts.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Mikrokredite, Grameen Bank, Muhammad Yunus, soziale Verantwortung, Armutsbekämpfung und Mikrofinanzindustrie.
Wie funktioniert das Prinzip der solidarischen Haftung bei Grameen?
Die Bank vergibt Kredite an Gruppen von fünf Personen. Fällt ein Schuldner aus, bürgt die Gruppe füreinander, was sozialen Druck erzeugt und eine hohe Rückzahlungsquote begünstigt.
Warum wird im Social Business-Ansatz auf Gewinnmaximierung verzichtet?
Im Social Business steht der soziale Nutzen im Vordergrund, etwa die Befreiung von Mangelernährung oder die Bereitstellung von sauberem Wasser, wobei Gewinne reinvestiert werden, anstatt sie als Dividenden auszuschütten.
Was ist die zentrale Kritik an den Mikrokrediten?
Die Kritik fokussiert sich auf die Gefahr der Mehrfachverschuldung, die psychische Belastung der Kreditnehmer und das Risiko, dass Kleinstkredite in Krisenzeiten zu einer existenziellen Bedrohung statt zur Rettung führen können.
- Arbeit zitieren
- Michele Siekmann (Autor:in), 2016, Die Entwicklung der "Grameen Bank" zum Mikrofinanzinstitut und der Trend zum Social Business, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/381106