In dieser Arbeit soll ein Überblick der Auswirkungen des globalen Klimawandels auf den Weinbau vermittelt werden mit einem räumlichen Fokus auf Europa. Folgende Fragestellungen dienen dabei als Orientierung: Inwiefern beeinflusst der Globale Klimawandel den Weinbau hinsichtlich phänologischer, ökonomischer und ökologischer Aspekte? Welche geographischen Verschiebungen des Weinbaus sind dadurch zu erwarten? Welche Faktoren kommen bei der geographischen Verschiebung neben dem Klimawandel außerdem zum Tragen?
Der Weinbau ist wie kaum ein anderer Bereich der Agrarwirtschaft von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, da Weinreben auf kleinste Temperaturveränderungen äußerst empfindlich reagieren. Hinzu kommt, dass sich die Weinindustrie durch eine große Diversität an verschiedenen Rebsorten auszeichnet, welche allerdings jeweils nur in relativ kleinen klimatischen Nischen produziert werden können.
Schon 1964 bezeichnete Wirth den Weinbau als "Krone der geographischen Betrachtung". Nirgends sonst im Bereich der Agrargeographie seien "naturgeographische Gegebenheiten und menschliches Bemühen in einem so vielfältigen, subtilen Kontakt und in einer so sehr auf feinste Nuancen ansprechenden Wechselwirkung zu finden". In Anbetracht des globalen Klimawandels ist dieses Zitat heute aktueller denn je, weshalb das Ziel der Arbeit grundlegend darin besteht, das Thema "Weinbau und Klimawandel" als relevanten Forschungsgegenstand der Geographie im Bereich der Mensch-Umwelt-Beziehungen herauszustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geographie des Weinbaus
2.1 Klimatische Voraussetzungen
2.2 Weinbaugrenze
3 Auswirkungen des Globalen Klimawandels auf den Weinbau
3.1 Phänologische Auswirkungen
3.2 Ökonomische Auswirkungen
3.3 Ökologische Auswirkungen
4 Adaptionsmaßnahmen
5 Fallbeispiel England
5.1 Adaptionsmöglichkeiten der Weingüter
5.2 Einfluss von Marktmechanismen
5.3 Rolle des Konsumenten
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf den Weinbau mit einem spezifischen Fokus auf Europa und analysiert, inwiefern dieser Wandel geographische Verschiebungen der Anbaugebiete bedingt und welche Rolle sozio-ökonomische Faktoren dabei spielen.
- Analyse der klimatischen Voraussetzungen für den Weinbau.
- Untersuchung phänologischer, ökonomischer und ökologischer Folgen des Klimawandels.
- Bewertung von Adaptionsmaßnahmen im Weinbau.
- Fallstudie zur Entwicklung der englischen Weinindustrie als Beispiel für geographische Verschiebungen.
- Diskussion des Einflusses von Marktmechanismen und Konsumentenverhalten.
Auszug aus dem Buch
Geographie des Weinbaus
Das französische Wort „Terroir“ wird in der Literatur verstanden als Ausdruck, inwiefern Weine aus unterschiedlichen Gegenden, hinsichtlich ihres Aromas und Geschmackes aufgrund der jeweiligen vorherrschenden Bedingungen variieren (UNWIN 2012 : 47). BURNS (2012 : 96) benennt mit dem Einfluss der Rebsorte, den Bodeneigenschaften bzw. Geologie, der Physiographie, dem Bodenwasserhaushalt und dem Klima die fünf qualitätsprägenden Faktoren, welche zusammengenommen das „Terroir“ eines Weines prägen. Obwohl sicherlich keiner dieser Faktoren vernachlässigt werden sollte, ist im Kontext des Klimawandels für diese Arbeit hauptsächlich das Klima von Interesse. Innerhalb dieses Kapitels soll ein kurzer Überblick über die klimatischen Voraussetzungen zur Kultivierung von Wein vermittelt werden, woraufhin die sich daraus ergebenden potentiellen Anbaugebiete aufgezeigt und in einen historischen Kontext gesetzt werden.
Verschiedenste Wetter- und Klimafaktoren wie Temperatur, Sonneneinstrahlung, Niederschlag, Wind, Extremwetterereignisse etc., üben großen Einfluss auf Weinanbaumöglichkeiten und die Weinqualität aus. Eine Aufarbeitung aller Faktoren ist im Rahmen der vorliegenden Hausarbeit leider nicht möglich, weshalb an dieser Stelle eine Konzentration auf die Temperatur, als den laut GLADSTONES (2007 : 5) und HANNAH ET AL. (2012 : 1) zentralen und relevantesten klimatischen Aspekt, erfolgt. Nur wenig durch andere Faktoren beeinflusst, entscheidet die Temperatur demnach als „treibende Kraft“ über die Phänologie der Weinreben. Die Weinrebe (Vitis vinifera) stellt, nach dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (2007 : 91) gewisse Mindestanforderungen an ihre Umwelt, um gedeihen zu können. So ist ab einer jährlichen Durchschnittstemperatur von über 8 °C und einer Mindestanzahl von 180 frostfreien Tagen während der Vegetationsperiode das Wachstum der Pflanze prinzipiell möglich. Strenger Winterfrost mit Temperaturen von unter -20 – 25 °C wirken hingegen als stark limitierender Faktor.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Sensibilität des Weinbaus gegenüber klimatischen Veränderungen und formuliert das Ziel, das Thema als geographischen Forschungsgegenstand zu etablieren.
2 Geographie des Weinbaus: Das Kapitel definiert klimatische Mindestanforderungen für Weinreben und erörtert historische sowie aktuelle geographische Grenzen des Weinanbaus.
3 Auswirkungen des Globalen Klimawandels auf den Weinbau: Hier werden phänologische, ökonomische und ökologische Konsequenzen der Erwärmung detailliert beleuchtet.
4 Adaptionsmaßnahmen: Dieses Kapitel stellt verschiedene Strategien zur Anpassung an den Klimawandel vor, von der Weinherstellung bis zur Verlagerung der Anbaufläche.
5 Fallbeispiel England: Anhand Englands wird analysiert, wie Klimawandel, Marktmechanismen und Konsumentenverhalten zusammenwirken, um neue Anbaugebiete zu erschließen.
6 Fazit: Die Zusammenfassung unterstreicht die Komplexität der Thematik und betont, dass klimatische Eignung allein nicht ausreicht, um Weinbau erfolgreich zu etablieren.
Schlüsselwörter
Klimawandel, Weinbau, Geographie, Terroir, Phänologie, Erwärmung, Adaptionsmaßnahmen, Weinbaugrenze, England, Anbaufläche, Rebsorten, Marktmechanismen, Konsumenten, Nachhaltigkeit, Agrarwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf den Weinbau, wobei insbesondere die geographische Verschiebung der Anbaugebiete und die notwendigen Anpassungsstrategien der Winzer im Vordergrund stehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder sind klimatische Anforderungen der Weinrebe, phänologische Veränderungen, ökonomische Implikationen der Erwärmung sowie ökologische Auswirkungen durch neue Anbauflächen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, das Thema „Weinbau und Klimawandel“ als einen relevanten Forschungsgegenstand der Geographie im Bereich der Mensch-Umwelt-Beziehungen zu analysieren und zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die ökologische, klimatische und ökonomische Daten sowie Prognosemodelle kombiniert, um die Zusammenhänge am Beispiel Englands zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Weinbaus, die Folgen des Klimawandels, spezifische Adaptionsmöglichkeiten für Weingüter und eine Fallstudie zu England.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Klimawandel, Weinbau, Geographie, Terroir, Anpassungsmaßnahmen und die Weinbaugrenze.
Warum spielt das Fallbeispiel England eine so wichtige Rolle?
England dient als Beispiel für eine Region, in der sich aufgrund des Klimawandels neue Möglichkeiten für den Weinbau eröffnen, wobei hier die Komplexität aus klimatischen Bedingungen, Marktmechanismen und Konsumentenverhalten besonders deutlich wird.
Welchen Einfluss haben Marktmechanismen auf die Verschiebung der Weinbaugrenze?
Der Autor argumentiert, dass klimatische Eignung zwar die Grundlage bildet, eine Verschiebung der Weinbaugrenze jedoch maßgeblich durch ökonomische Rentabilität, internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Akzeptanz der Konsumenten beeinflusst wird.
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- Tim Lochschmidt (Author), 2017, Die Auswirkungen des globalen Klimawandels auf den Weinbau, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/381075