Thema der Hausarbeit ist es zu untersuchen, ob sich das Investmentbanking mit der allgemeinen ethischen Auffassung vereinbaren lässt. Denn die Finanz- und Wirtschaftskrise in den letzten Jahren führte zu einer öffentlichen Diskussion von Investmentbanking und ethischen Normen.
Hierzu wird im ersten Teil der Arbeit die Bedeutung des Investmentbankings in einer Wettbewerbswirtschaft aufgezeigt. Das Investmentbanking dient der Kapitalversorgung der Wirtschaft und ist für die Absicherung der Unternehmen zuständig. Des Weiteren ermöglicht es die Kapitalvermehrung am Finanzmarkt durch Spekulationen. Bei der Erfüllung seiner Aufgaben vernachlässigt das Investmentbanking jedoch häufig die ethischen Aspekte.
Im zweiten Teil der Arbeit wird die Ethik als allgemeinverbindliche Sittenlehre aufgegriffen und anschließend untersucht, wie sie sich in die Tätigkeiten des Investmentbankings integrieren lässt. Gegenstand der Ethik ist moralisches Handeln und Urteilen, die Wirtschaftsethik befasst sich mit moralischen Verpflichtungen in einer Wettbewerbswirtschaft. In einer Schlussbemerkung wird die Haltung der Medien und ihre Auswirkungen auf die Politik zu diesem Thema einer kritischen Bewertung unterworfen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bedeutung des Investmentbankings in einer Wettbewerbswirtschaft
3. Die Ethik als allgemeinverbindliche Sittenlehre
4. Vereinbarkeit von Ethik und Investmentbanking
4.1 Der Shareholder-Value- und Stakeholder-Ansatz
4.2 Mergers & Acquisitions
4.3 Hedgefonds
4.4 Ethisches Investment
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Vereinbarkeit von Investmentbanking mit grundlegenden ethischen Normen vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise. Dabei wird analysiert, wie verantwortungsvolles Handeln in einer wettbewerbsorientierten Finanzwirtschaft definiert werden kann und wo die Grenzen zwischen notwendigen Bankdienstleistungen und spekulativen, ethisch fragwürdigen Geschäften verlaufen.
- Bedeutung des Investmentbankings für die Wettbewerbswirtschaft
- Ethische Theorien und ihre Anwendung im wirtschaftlichen Kontext
- Konfliktfelder zwischen Shareholder-Value- und Stakeholder-Ansatz
- Auswirkungen von Mergers & Acquisitions und Hedgefonds auf die Finanzstabilität
- Potenziale und Grenzen von ethischen Investments
Auszug aus dem Buch
4.3 Hedgefonds
Hedgefonds sind Investmentfonds, die keinen gesetzlichen Anlagerichtlinien unterliegen und wenig reguliert sind. Diese Anlageform ist eine risikoreiche Variante von Fonds, jedoch bieten sie durch ihre spekulative Ausstattung auch eine Chance auf hohe Renditen. Um diese hohe Rendite zu erreichen, bedient sich der Hedgefondsmanager an Instrumenten wie Leerverkäufe und unterschiedliche Derivate. Diese Derivate orientieren sich an den Schwankungen anderer Finanzinstrumente, die sie abbilden und deren Schwankung überproportional nachvollziehen.
Der ursprüngliche Gedanke eines Hedgefonds, die Absicherung von Agrarpreisen oder der eigenen Positionen ist mittlerweile der spekulativen Anlagevariante und Erwartungshaltung einer höheren Rendite der Kapitalgeber gewichen. Der Fondsmanager kauft in einen Fond nicht nur seiner Meinung nach unterbewertete Aktien und andere Finanzprodukte, sondern er verkauft diese auch, obwohl er die Papiere noch nicht besitzt und hofft, diese dann zu einem günstigeren Kurs in der Zukunft einzukaufen, um seine Position glatt stellen zu können. Somit partizipieren Hedgefonds mit ihren Finanzinstrumenten sowohl an steigenden als auch bei fallenden Märkten.
Agrarrohstoffe wie Weizen, Mais, Reis, Sojabohnen, Zucker, Kakao oder Fleisch sind dabei in vielen Hedgefonds briefhaft enthalten. Da im Zuge der Finanzkrise seit 2007 viele Finanzmarktprodukte wertlos wurden, haben die Spekulationen auf Nahrungsmittel zugenommen. „Heute wird geschätzt, dass der Handel allein mit Rohstoffen zwanzigmal höher ausfällt als die physisch vorhandenen Mengen“.
Hierbei steht das moralische Verhalten der beteiligten Akteure zur Disposition. Da durch ein vermehrtes Handeln der Agrargüter der Preis in die Höhe getrieben werden kann, kommt es oft in den Entwicklungsländern zu Nahrungsmittelengpässen. Somit steigt der Preis weiter an, da die Nachfrage nach dem Gut zunimmt. Der Investor hat deshalb einen Gewinn erzielt und kann ein noch größeres Kapitalvolumen am Markt platzieren.
Die Hauptfunktion des Finanzsektors, die Wirtschaft mit Kapital zu versorgen, um damit Wachstum und Beschäftigung zu ermöglichen, tritt in den Hintergrund. Da Hedgefonds die Gewinnmaximierung zum Dogma erheben, verlieren sie ihren Bezug zur realen Wertschöpfung. Manche Strategien von Hedgefondsmanagern lassen eine ethische Einbettung in ökologische, soziale und langfristige Perspektiven vermissen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die infolge der Finanzkrise 2008 aufgekommene öffentliche Kritik am Investmentbanking und stellt die Frage nach dessen ethischer Legitimität.
2. Die Bedeutung des Investmentbankings in einer Wettbewerbswirtschaft: Dieses Kapitel erläutert die ökonomischen Kernfunktionen des Investmentbankings, wie die Kapitalversorgung und Risikomanagement, und beleuchtet die Antriebskräfte spekulativen Handelns.
3. Die Ethik als allgemeinverbindliche Sittenlehre: Hier werden philosophische Grundlagen der Ethik von der Antike bis zu Immanuel Kant dargelegt, um einen theoretischen Rahmen für die Wirtschaftsethik zu schaffen.
4. Vereinbarkeit von Ethik und Investmentbanking: Das Hauptkapitel analysiert konkrete Geschäftsfelder wie M&A, Hedgefonds und ethische Investments hinsichtlich ihrer ethischen Vertretbarkeit und vergleicht den Shareholder-Value- mit dem Stakeholder-Ansatz.
5. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert, dass klassische Investmentbanking-Funktionen ethisch neutral sind, während reine Spekulationen kritisch zu betrachten sind, und fordert eine Einbettung ökonomischen Handelns in soziale und langfristige Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Investmentbanking, Wirtschaftsethik, Finanzkrise, Shareholder-Value, Stakeholder-Ansatz, Mergers & Acquisitions, Hedgefonds, Spekulation, Ethisches Investment, Kapitalmarkt, Moral, Nachhaltigkeit, Bankbetriebslehre, Gewinnmaximierung, Ordnungspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Tätigkeiten des Investmentbankings mit ethischen Grundsätzen vereinbar sind, insbesondere vor dem Hintergrund der durch die Finanzkrise ausgelösten öffentlichen Debatte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Investmentbankings, den theoretischen Grundlagen der Ethik sowie der Analyse spezifischer Geschäftsfelder wie M&A, Hedgefonds und nachhaltigen Anlageformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu hinterfragen, inwieweit modernes Investmentbanking ethischen Vorgaben gerecht wird und wo die Grenze zwischen legitimer Kapitalversorgung und spekulativer Profitgier verläuft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und einer normativ-ethischen Bewertung, bei der wirtschaftswissenschaftliche Konzepte mit ethischen Theorien verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Shareholder-Value- gegen den Stakeholder-Ansatz abgewogen sowie die ethische Problematik von Mergers & Acquisitions, die spekulative Natur von Hedgefonds und die Ansätze ethischen Investments diskutiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Wirtschaftsethik, Investmentbanking, Finanzkrise, Spekulation, Stakeholder-Ansatz und Nachhaltigkeit.
Warum sind Hedgefonds laut der Arbeit ethisch besonders bedenklich?
Der Autor argumentiert, dass Hedgefonds häufig die Gewinnmaximierung zum Dogma erheben, dabei den Bezug zur realen Wertschöpfung verlieren und durch Spekulationen auf Nahrungsmittel negative soziale Auswirkungen in Entwicklungsländern verursachen können.
Was unterscheidet den Shareholder-Value-Ansatz vom Stakeholder-Ansatz?
Der Shareholder-Value-Ansatz konzentriert sich primär auf kurzfristige Gewinnmaximierung für Anteilseigner, während der Stakeholder-Ansatz die Interessen weiterer Gruppen wie Mitarbeiter und Kunden sowie eine langfristige Überlebenssicherung des Unternehmens in den Fokus rückt.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Regulierung des Investmentbankings?
Die Arbeit thematisiert die Rolle der Ordnungspolitik, etwa durch die BaFin oder die Diskussion über ein Trennbankensystem, um ausufernde Risiken und Krisen zu begrenzen.
Wie bewertet der Autor die Zukunft des ethischen Investments?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass nachhaltige Investments finanziell nicht schlechter abschneiden müssen als klassische Anlagen und durch Ethikfilter eine verantwortungsvollere Unternehmensauswahl ermöglichen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2014, Die ethische Problematik des Investmentbankings, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/380683