In diesem Aufsatz werden das Konzept handlungsorientierter Lehre und die spezifischen Anforderungen an den Einsatz der Fallmethode dargelegt. Davon ausgehend werden die Planung und die Durchführung der Fall-Methode als Form handlungsorientierter Lehre erörtert. Dabei wird nicht nur ein konkreter und prägnanter Handlungsleitfaden zur Planung und Durchführung, sondern auch zur Evaluation entwickelt.
In der Lehre an Hochschulen (wie etwa Akademien, Fachhochschulen, Universitäten) gewinnen offene handlungsorientierte Formen der Lehre zunehmend an Bedeutung. Ziel der Lehre ist es, den Studierenden anhand von möglichst realistischen und praxisnahen Fallsituationen die wissenschaftlichen Inhalte zu vermitteln. Somit steht nicht mehr die abstrakte Stoff- und Wissensvermittlung durch den Lehrenden in zentralisierter Form (Frontalunterrichtung) im Vordergrund, sondern der Prozess des Wissens-, Methoden- und Kompetenzerwerbs über die reine Wissensaneignung hinaus rücken in den Fokus.
Eine mögliche Form offener handlungsorientierter Lehrer ist die Fall-Methode, bei welcher unabhängig von komplexen Fallstudien durch die Studierenden i.d.R. relativ begrenzte Themen selbstständig erarbeiten und die bewusst offenen Handlungsergebnisse in der Gruppe reflektiert und diskutiert werden. Der Lehr-Lern-Prozess ist dennoch vom Lehrenden zu planen, umzusetzen, zu gestalten und zu evaluieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Konzept der handlungsorientierten Lehre
2.1 Begriffsbestimmung und Zielrichtung handlungsorientierter Lehre
2.2 Rolle des Lehrenden in der handlungsorientierten Lehre
2.3 Spezielle Anforderungen handlungsorientierter Lehre
2.4 Verknüpfung der Handlungsorientierung
2.5 Grenzen handlungsorientierter Lehre
3 Anforderungen der handlungsorientierten Fall-Methode
4 Grundlegende Überlegungen zur Planung und Durchführung eines komplexen Falls im Rahmen handlungsorientierter Lehre
5 Kritische Würdigung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einsatz der Fall-Methode und komplexer Fallsituationen als handlungsorientierte Lehrmethode an Hochschulen, um die Qualität von Lehre und Lernen durch aktive Studierendenpartizipation zu steigern und einen Beitrag zum Erwerb umfassender beruflicher Kompetenzen zu leisten.
- Grundlagen und Zielsetzung handlungsorientierter Lehre
- Rolle und Funktionen des Lehrenden in aktivierenden Lehr-Lern-Prozessen
- Konzeptionelle Anforderungen an die Fall-Methode im Hochschulkontext
- Planung, Durchführung und Reflexion komplexer Fallsituationen
- Evaluation von Erfolgskriterien handlungsorientierter Lehre
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsbestimmung und Zielrichtung handlungsorientierter Lehre
Handeln dient „dem Erwerb intensiver Anschauungen und klarer Begriffe“. Zugleich ist mit eigenem Handeln höhere Motivation verbunden. Diese Schlussfolgerungen liegen darin begründet, dass zwischen Denken und Handeln ein immanenter Zusammenhang besteht: Die mit der aktiven praktischen Handlung verbundene Wahrnehmung führt zum Denken und damit zu Begriffsbildungsprozessen. Ziel muss es daher sein, Prozesse bei den Studierenden in Gang zu setzen, deren Ergebnisse die Wissensaneignung am Lerngegenstand durch eigenes Handeln, die Erkenntnis von Problemlösungen sowie die Bewältigung immer neuer Entscheidungssituationen sind. Somit wird zugleich ein Beitrag zum lebenslangen Lernen und dauerhaften Wissensaufbau geleistet. Um umfassende Handlungskompetenzen bei den Studierenden aufzubauen, müssen „die unterschiedlichen Lernsituationen den ganzheitlichen Charakter von Anforderung- und Problemsituationen aus der Praxis des ökonomischen Feldes widerspiegeln“. Diese Erkenntnisse führen zur Forderung nach stärker handlungsorientiertem Lehren und Lernen, welche zum Teil mit dem Begriff „praktisches Lernen“ gleichgesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Die Einleitung kontrastiert traditionelle, rezeptive Lehrformen mit dem Bedarf an aktivierenden Lernprozessen, um die Studierenden auf berufliche Anforderungen vorzubereiten.
2 Konzept der handlungsorientierter Lehre: Dieses Kapitel definiert handlungsorientierte Lehre, beleuchtet die veränderte Rolle des Lehrenden als Mentor und Moderator und diskutiert spezifische Anforderungen sowie Grenzen dieses Lehrkonzepts.
3 Anforderungen der handlungsorientierten Fall-Methode: Hier werden die spezifischen Kriterien für den Einsatz von Fällen erörtert, die über einfache Übungsbeispiele hinausgehen und die Entwicklung von Problemlösungsstrategien fördern.
4 Grundlegende Überlegungen zur Planung und Durchführung eines komplexen Falls im Rahmen handlungsorientierter Lehre: Dieses Kapitel liefert eine Anleitung zur praktischen Umsetzung, inklusive einer dreistufigen Phasenstruktur und Schritten zur Planung von Lehrveranstaltungen.
5 Kritische Würdigung und Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert das Zusammenspiel von handlungsorientierter und lehrendenzentrierter Lehre und betont die Bedeutung von Feedback und Evaluation für die stetige Weiterentwicklung der Lehrmethodik.
Schlüsselwörter
Handlungsorientierte Lehre, Fall-Methode, Fallstudien, Hochschuldidaktik, Kompetenzerwerb, Studierendenaktivierung, Gruppenarbeit, Problemlösungskompetenz, Lehr-Lern-Prozess, Methodenkompetenz, Fallkonstruktion, Evaluation, berufliche Praxis, Selbstständigkeit, ganzheitliches Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert den Einsatz der Fall-Methode zur Förderung handlungsorientierter Lehre an Hochschulen, um Studierende aktiv in Lernprozesse einzubinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption von Handlungsorientierung, der Rolle der Lehrenden, den spezifischen Anforderungen an die Fall-Methode und der systematischen Planung von Lehrveranstaltungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Vermittlung und Förderung von Handlungskompetenzen bei Studierenden durch eine praxisnahe, fallbasierte Lehre, die über reines Faktenwissen hinausgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine didaktisch-theoretische Auseinandersetzung, die den aktuellen Diskurs zur handlungsorientierten Lehre aufarbeitet und durch einen Kriterienkatalog für die Praxis operationalisiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des handlungsorientierten Lernens, die Anforderungen an Fall-Methoden sowie konkrete Planungs- und Durchführungsschritte für komplexe Fallsituationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Handlungsorientierung, Fall-Methode, Kompetenzerwerb, Studierendenaktivierung und hochschuldidaktische Methoden.
Warum ist laut Autor die Gruppenarbeit bei der Fall-Methode so bedeutend?
Die Gruppenarbeit fördert die soziale Interaktion und das diskursive Auseinandersetzen mit verschiedenen Blickwinkeln, was wesentlich für die Entwicklung von Urteilsfähigkeit und Sozialkompetenz ist.
Welche Rolle spielt der Lehrende bei der Fallbearbeitung?
Der Lehrende tritt als Initiator, Mentor und Moderator auf, der den Lernprozess beobachtet, bei Bedarf unterstützt, aber weitgehend zugunsten der eigenverantwortlichen Erarbeitung durch die Studierenden in den Hintergrund tritt.
- Arbeit zitieren
- Andreas Rettig (Autor:in), 2006, Einsatz der Fall-Methode und komplexer Fallsituationen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/380444