Gertrude Käsebier war eine der ersten Frauen in der Geschichte Amerikas, die der Fotografie professionell in ihrem Atelier nachging und sich innerhalb kürzester Zeit auch einen Namen unter angesehenen Fotografen machte, indem sie bei zahlreichen Ausstellungen ihr künstlerisches Können unter Beweis stellte. Wie auch andere Piktorialisten hatte Käsebier es sich zum Ziel gesetzt, die Fotografie als vollwertiges künstlerisches Ausdrucksmittel zu etablieren und somit Anerkennung und Würdigung in der Öffentlichkeit zu gewinnen. Im Allgemeinen erreichte Sie dies, indem sie mit fotografischen Mitteln eine Bildwirkung erzeugten, welche einem Gemälde ähnelte. Mit welchen Gestaltungsmittel es ihr spezifisch gelang ihre Fotografie an ein Kunstwerk der Malerei anzugleichen, soll in dieser Arbeit nachgegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gestaltungsmittel der Fotografien
2.1 Diffuses, nebelartiges Licht bei der Bildgestaltung
2.2 Verwischte Konturen und fließende Übergänge
2.3 Stilistische Orientierung am Symbolismus der Malerei
2.4 Bezug zu den fotografierten Personen
2.5 Nachbehandlung der Negative
2.6 Verwendung von Edeldruckverfahren
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die künstlerischen Gestaltungsmittel der Fotografin Gertrude Käsebier, um aufzuzeigen, wie sie durch spezifische Techniken und Inszenierungen die Fotografie als vollwertiges, malerisch anmutendes Kunstwerk etablierte.
- Einfluss von Lichtsetzung und Fokus auf die Bildwirkung
- Symbolistische Einflüsse und deren Bedeutung für die Bildinterpretation
- Die Bedeutung der Beziehung zwischen Fotografin und Porträtierten
- Künstlerische Nachbearbeitungstechniken (Negative, Pinsel, Schwamm)
- Einsatz von Edeldruckverfahren zur ästhetischen Veredelung
Auszug aus dem Buch
2.4 Bezug zu den fotografierten Personen
"After my babies came I determined to learn to use the brush. I wanted to hold their lovely little faces in some way that should be also my expression, so I went to an art school; two or three of them, in fact. But art is long and childhood is fleeting, I soon discovered, and the children were losing their baby faces before I learned to paint portraits, so I chose a quicker medium."
Gertrude Käsebier wollte mit dieser Aussage ausdrücken, dass sie die Kunst der Fotografie nur erlernt hat, um die Momente mit ihren Kindern und ihre Emotionen und Gesichter, welche sich durch das rasante Wachstum in der Kindheit schnell veränderten, zu verewigen. Die Malerei war ihr eine zu langsame Art gewesen, jene Augenblicke festzuhalten, weshalb sie das schnellere Medium bevorzugte. Man kann daraus folgern das erst der enge Bezug, welche die Mutter mit ihrem Nachwuchs verband, ihre ersten Aufnahmen hervorbrachten. Noch bis zu ihrem Tod ließ sie ihre Kinder und später auch Enkelkinder gerne für die Kamera posieren, wodurch zahlreiche ausdruckstarke und emotionale Werke geschaffen wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext des Piktorialismus und die Rolle von Gertrude Käsebier als eine der ersten professionellen Fotografinnen, die versuchte, die Fotografie als eigenständige Kunstform gegenüber der Malerei zu etablieren.
2. Gestaltungsmittel der Fotografien: Dieses Hauptkapitel untersucht detailliert die verschiedenen technischen und künstlerischen Mittel, wie Lichtführung, Fokusgestaltung, Symbolik, Modellarbeit, Negativbearbeitung und Drucktechniken, die Käsebier nutzte, um ihre Bilder als Kunstwerke zu positionieren.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und bestätigt, dass Käsebier durch die Kombination von technischem Verständnis, psychologischem Gespür und künstlerischer Nachbearbeitung erfolgreich eine Gemäldewirkung in ihren Fotografien erzielen konnte.
Schlüsselwörter
Gertrude Käsebier, Piktorialismus, Fotografie, Kunstfotografie, Lichtsetzung, Symbolismus, Bildgestaltung, Porträtfotografie, Edeldruckverfahren, Platinotypie, Negativbearbeitung, Mutter-Kind-Beziehung, Kunstgeschichte, Fotografiegeschichte, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit den künstlerischen Gestaltungsmitteln von Gertrude Käsebier und untersucht, wie sie fotografische Techniken einsetzte, um ihre Werke als eigenständige Kunst im Stil des Piktorialismus zu etablieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören die Lichtsetzung, die gezielte Unschärfe, die Anlehnung an den Symbolismus der Malerei sowie die manuelle Nachbearbeitung von Negativen und die Verwendung von Edeldruckverfahren.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, mit welchen spezifischen Mitteln es Käsebier gelang, ihren Fotografien eine malerische Qualität zu verleihen und somit die öffentliche Anerkennung der Fotografie als Kunstform zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verwendet eine analytische Herangehensweise, bei der konkrete Bildbeispiele und Zitate von Käsebier theoretisch eingeordnet und im Kontext des Piktorialismus sowie ihrer Biografie interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene technische Aspekte wie Lichtqualität, Fokus, symbolische Bedeutungsinhalte, die Psychologie bei der Arbeit mit Modellen sowie die handwerklichen Prozesse in der Dunkelkammer und beim Druck.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Piktorialismus, künstlerische Fotografie, Edeldruckverfahren und die Symbiose von Malerei und Fotografie charakterisieren.
Warum war das Studium der Chemie für Käsebier vorteilhaft?
Ihr Chemie-Studium während eines Deutschlandaufenthalts ermöglichte es ihr, die komplexen Prozesse der Edeldruckverfahren, wie die Platinotypie, fundiert zu beherrschen und technisch nach ihren künstlerischen Vorstellungen zu steuern.
Wie ging Käsebier mit dem Problem der "mechanischen" Fotografie um?
Sie nutzte eine bewusste Nachbearbeitung der Negative mittels Pinsel und Schwamm, um die Schärfe zu reduzieren und eine gemäldeähnliche Wirkung zu erzielen, was sie deutlich von reinen Dokumentarfotografen abhob.
- Arbeit zitieren
- Tatjana Kintscher (Autor:in), 2016, Gertrude Käsebier. Künstlerische Ausgestaltung ihrer Fotografien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/379812