Das Augenmerk dieser Arbeit soll auf der mündlichen Kommunikation im Kontext "Schule" liegen. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die nonverbale Kommunikation für Kommunikationsprozesse wichtig ist. Sie begleitet und unterstützt das Gesagte und ist deshalb keineswegs von sekundärer Bedeutung. Der beschränkte Umfang dieser Hausarbeit verhindert ein eigenes Kapitel zu nonverbaler Kommunikation im Unterricht. Trotzdem wird diese stellenweise einfließen, da diese beiden Kommunikationsdimensionen untrennbar voneinander sind.
Mündliche Kommunikation spielt bei den Aufgaben und Tätigkeiten von Lehrerinnen und Lehrern im Schulalltag eine herausragende Rolle. In allen Unterrichtsfächern ist Kommunikation das wichtigste Werkzeug von Lehr-Lern-Prozessen. Kein Unterrichtsfach kommt ohne Gespräche aus. Deshalb werden in vielen Veröffentlichungen die hohe Stimmbeanspruchung und die damit einhergehenden Folgen einer Überbelastung der Stimme thematisiert. Auch Stimmtraining für das Handlungsfeld Schule wird in diesem Kontext angesprochen. Ebenfalls werden Kommunikationskompetenzen von Lehrkräften unter die Lupe genommen und geschaut, was eine Lehrkraft mitbringen muss, um den spezifischen Kommunikationsanforderungen im Handlungsfeld Schule gewachsen zu sein.
Der Schwerpunkt soll hier auf den Besonderheiten der schulischen Kommunikation zwischen Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern liegen, da sie „[i]nnerhalb der Vielfalt von Kommunikationsformen, die sich in der Institution Schule vorfinden [...] einen zentralen Platz ein[nimmt]“ (Ehlich, 2012, S. 334). Oft wird dieses Kommunikationsfeld als Scheinkommunikation charakterisiert. Um dieses zu überprüfen, wird als erstes der Begriff der Kommunikation definiert (2.). Auf die allgemeine Definition von Kommunikation aufbauend sollen die Besonderheiten der schulischen Kommunikation dargestellt werden (3.). Dort werden verschiedene Bereiche fokussiert. Zum Schluss werden die Erkenntnisse über die Kommunikation in der Schule zusammengefasst und diskutiert, inwieweit diese als Scheinkommunikation zu betiteln ist (4.).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Kommunikation – Definition
3. Besonderheiten der Kommunikation in der Schule
3.1 Die Schulklasse als eine spezielle Gruppe
3.2 Fragen im Unterricht
3.3 Sprecherwechsel im Unterrichtsgespräch
3.4 Haupt- und Nebenkommunikation im Unterricht
3.5 Lehrersprache
3.6 Interaktion mit der Klasse
3.7 Kommunikative Ordnungen
3.7.1 Lehrerzentrierte kommunikative Ordnung
3.7.2 Schülerzentrierte kommunikative Ordnung
3.7.3 Verfahrensgeregelte kommunikative Ordnung
3.7.4 Kooperative Lernsituationen
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Charakteristika und Besonderheiten der mündlichen Kommunikation im institutionellen Kontext der Schule, insbesondere zwischen Lehrkräften und Kindern. Dabei wird analysiert, inwieweit die schulische Interaktion durch institutionelle Rahmenbedingungen geprägt ist und ob die oftmals kritisierte "Scheinkommunikation" eine zutreffende Beschreibung für Unterrichtsprozesse darstellt.
- Grundlagen der Kommunikation und deren Definition
- Strukturelle Besonderheiten der Interaktion im Klassenverband
- Die Rolle der Lehrersprache und deren Einfluss auf Lernprozesse
- Analyse verschiedener kommunikativer Ordnungen im Unterricht
- Strategien zur Förderung aktiver Teilhabe von Schülerinnen und Schülern
Auszug aus dem Buch
3.3 Sprecherwechsel im Unterrichtsgespräch
Die Interaktion im Unterricht wird von der Lehrkraft gesteuert und kontrolliert. Institutionell hat die Lehrkraft die Plicht, den Hauptdiskurs zu initiieren und aufrecht zu erhalten. Ihr gebührt der Turn und somit auch das Recht, diesen für gewisse Zeit an Lernende abzugeben. Nach dem Beitrag des Lernenden, fällt der Turn wieder automatisch an die Lehrkraft zurück (vgl. Mazeland, 1983, S. 80). Die Unterrichtskommunikation unterscheidet sich dadurch von einem Alltagsgespräch mit Freunden, denn in der Schule ist die Verteilung der Turns von vornherein festgelegt und wird nicht durch Interaktion bestimmt. Im Alltagsgespräch sind auch Überlappungen möglich, wenn an Stellen möglicher Redeübergabe zwei Personen anfangen zu sprechen. Dort gilt folgende Regel: „Wer zuerst anfängt, gewinnt das Recht auf einen Redebeitrag [...]“ (ebd., S. 78). In der Unterrichtskommunikation sind im Gegensatz zum Alltagsgespräch mehr Lücken und Pausen vorhanden, da die Lehrkraft dem entsprechenden Lernenden erlauben kann, seinen Turn zu komplettieren, ohne dass sich ein anderer Lernender „einschalten“ darf. Zu Überlappungen kommt es im Unterrichtsgespräch hingegen selten, da die Lehrkraft die Turns organisiert (vgl. ebd., S. 81).
Man unterscheidet Sprechhandlungen, die die Lehrkraft an einen einzelnen Schüler richtet (gerichtete Sprechhandlungen) und Sprechhandlungen, die an die ganze Klasse gerichtet sind (ungerichtete Sprechhandlungen). Hier sehe ich auch das Potenzial, einzelne Schüler, die sich anderen Aktivitäten gewidmet haben, ohne ständiges Nörgeln wieder in den Unterricht einzubeziehen. Denn die Lernenden sind verpflichtet, verfügbar zu sein, da die Lehrkraft ohne Vorwarnung einen Lernenden aufrufen und ihm den Turn „aufzwingen“ kann (vgl. ebd., S. 99). Meiner Meinung nach sollte der Lernende nicht bloß gestellt werden, sondern durch Hilfen einen erfolgreichen Turn gestalten können und wieder gedanklich zum Unterrichtsstoff geführt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwärtigkeit der Kommunikation und fokussiert das Forschungsinteresse auf die spezifischen mündlichen Interaktionsformen im institutionellen Schulalltag.
2. Was ist Kommunikation – Definition: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung durch eine allgemeine Definition von Kommunikation und erläutert die wesentlichen Elemente eines Kommunikationsmodells im schulischen Kontext.
3. Besonderheiten der Kommunikation in der Schule: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Aspekte der schulischen Interaktion, von der Gruppenstruktur der Klasse bis hin zu spezifischen Phänomenen wie Lehrersprache, Fragetechniken und Nebenkommunikation.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert kritisch das Spannungsfeld zwischen starker Lehrerlenkung und der Notwendigkeit, authentische sowie partizipative Kommunikationsräume für Lernende zu schaffen.
Schlüsselwörter
Kommunikation, Schule, Unterrichtskommunikation, Lehrersprache, Sprecherwechsel, Nebenkommunikation, Lehrer-Schüler-Interaktion, kommunikative Ordnung, Gruppenkommunikation, Schulpflicht, Fragetechniken, Lernprozesse, Partizipation, Institution Schule, Lehrkraft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Merkmalen und Herausforderungen der mündlichen Kommunikation im schulischen Unterricht sowie deren Einfluss auf die Interaktion zwischen Lehrkräften und Schülern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind kommunikative Ordnungen, die Steuerung von Unterrichtsgesprächen, die spezifische Lehrersprache sowie die Abgrenzung von Haupt- und Nebenkommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Komplexität der Kommunikation in der Institution Schule zu durchleuchten und zu analysieren, wie Lehrkräfte durch ihre Kommunikation Lernprozesse steuern und beeinflussen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung und Analyse relevanter Fachliteratur aus der Schulpädagogik und Linguistik, ergänzt durch reflektierte Beobachtungen des Unterrichtsgeschehens.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden unter anderem die Schulklasse als Gruppe, verschiedene Frageformen, Mechanismen des Sprecherwechsels und die Bedeutung von Feedback und Disziplinierung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Unterrichtskommunikation, Lehrersprache, kommunikative Ordnung, Interaktion und Partizipation charakterisieren.
Inwiefern beeinflusst die Schulpflicht die Kommunikation?
Die Schulpflicht schafft institutionelle Rahmenbedingungen, die die Kommunikation als "Zwangskommunikation" prägen, da Teilnehmer nicht freiwillig zusammenkommen und strengen Rollenmustern unterliegen.
Warum wird die "lehrerzentrierte Ordnung" oft kritisiert?
Sie wird kritisiert, da sie wenig Eigeninitiative der Lernenden zulässt, den Rederaum für Schüler stark einschränkt und die Emanzipation sowie das soziale Lernen behindern kann.
Wie kann eine Lehrkraft stillere Schüler aktivieren?
Durch den Einsatz schülerzentrierter kommunikativer Ordnungen, kooperative Lernformen wie Gruppenarbeiten oder durch gezielte, nicht stigmatisierende Ansprache kann die Teilhabe stillerer Schüler gefördert werden.
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- Anna Baer (Author), 2017, Kommunikationsort Schule. Charakteristika und Besonderheiten der schulischen Kommunikation zwischen Lehrkräften und Kindern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/379742