Mit ihren Werken Amphitruo und Amphitryon haben sich Plautus und Heinrich von Kleist einem Stoff angenommen, der schon viele Generationen von Schriftstellern beschäftigt hat. Erstmals wird der in der Literatur sehr oft rezipierte Stoff im elften Gesang von Homers Odysse erwähnt. Die Rezeptionsgeschichte ist sehr reich und kann bis in die Gegenwart verfolgt werden.
Jeder der Autoren, die sich mit diesem Mythos beschäftigt haben, sind mit unterschiedlicher Herangehensweise mit den Texten und Quellen umgegangen. Die zwei bereits erwähnten Adaptionen von Plautus und Kleist sollen in dieser Arbeit untersucht und verglichen werden. Sie werden anhand der in beiden Stücken auftretenden Doppelgängerkonstellationen sowie deren Entwicklung analysiert. Es soll ein Vergleich der Doppelgänger erstellt werden, der demonstriert, wie die jeweiligen Autoren die Doppelgänger nutzen, um den Amphitryon-Stoff auf ihre Art und Weise zu deuten und zu präsentieren.
Beide Werke werden zunächst unabhängig voneinander analysiert. Zuerst wird Plautus Amphitruo untersucht. Die Gattung des Textes und seine Ausrichtung sind als erstes Teil der Untersuchung. Danach werden die Doppelgängerpaare Sosia – Mercur und Amphitruo – Iuppiter differenziert, bevor am Schluss des Kapitels, die Geburt des Herkules und seines Zwillingsbruders als letztes Doppelgängerpaar, auseinander gelegt wird. Um eine Analogie der Ausrichtungen der Werke anhand der Doppelgängerkonstellationen zu erhalten, ist im nächsten Kapitel Heinrich von Kleists Amphitryon das Thema. An erster Stelle steht auch hier die Analyse des Fokus des Werkes. Anschließend folgt die Aufgliederung der Doppelgängerpaare Sosias – Merkur und Amphitryon – Jupiter. Die Analyse gipfelt in einem finalen Vergleich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Doppelgänger in beiden Werken. So wird zum einen die historische Entwicklung des mythischen Amphitryon-Stoffes gezeigt, auf der anderen Seite aber auch, wie die jeweiligen Autoren die Doppelgänger nutzen, um die Stücke unterschiedlich zu gestalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Plautus Amphitruo
2.1 Die Gattungsfrage
2.2 Komische Doppelgänger – Sosia und Mercur
2.3 Tragische Doppelgänger – Amphitruo und Iuppiter
2.4 Die Geburt von Doppelgängern
3. Heinrich von Kleists Amphitryon
3.1 Fokus des Werkes
3.2 Doppelgänger Sosias und Merkur
3.3 Doppelgänger Amphitryon und Jupiter
4. Vergleich der Doppelgänger
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Doppelgängerkonstellationen in den Werken "Amphitruo" von Plautus und "Amphitryon" von Heinrich von Kleist, um aufzuzeigen, wie die Autoren den antiken Stoff durch die Nutzung dieser Figuren individuell deuten und inszenieren.
- Analyse der Doppelgängerpaare zur Charakterisierung der jeweiligen Werke
- Gattungsbestimmung bei Plautus als Tragikomödie
- Fokus auf Identitätsthematik und Selbstgewissheit bei Kleist
- Vergleich der dramaturgischen Funktion von Göttern und Menschen
- Untersuchung der Bedeutung der Doppelgänger für die Komik und Tragik in beiden Stücken
Auszug aus dem Buch
3.1 Fokus des Werkes
Heinrich von Kleist stellt sich, mit seinem 1807 veröffentlichten Werk, in die Tradition des mythischen Amphityon-Stoffes. Jedoch legt er den Fokus in seinem Stück auf andere Dinge als seine Vorgänger. Bereits der Untertitel „Ein Lustspiel nach Moliere“ lässt darauf schließen, dass Kleist sich an der Fassung seines französischen Kollegen Moliere, orientiert hat. Was aus dieser Vorlage entsteht, unterscheidet sich im Ergebnis aber nicht nur von Moliere, sondern auch in vieler Hinsicht von Plautus, besonders im Hinblick auf die Doppelgängerkonstellation.
Als erstes fällt auf, das der für Plautus so wichtige Prolog gänzlich fehlt. Hatte dieser bei Plautus die Aufgabe, dem Zuschauer einen Wissensvorsprung zu vermitteln und eine neue Gattung des Dramas, die Tragikomödie, einzuführen, so startet der Zuschauer bei Kleist unvermittelt in das verwirrende Geschehen. Den Punkt, den Kleist in seinem Stück hervorheben will, erkennt man zuerst bei der ersten Begegnung von Sosias und Merkur:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in den mythologischen Stoff ein und skizziert die methodische Vorgehensweise des Vergleichs zwischen Plautus und Kleist anhand der Doppelgängerkonstellationen.
2. Plautus Amphitruo: Dieses Kapitel analysiert Plautus' Werk unter Berücksichtigung der Gattung Tragikomödie und untersucht die verschiedenen Doppelgängerpaare sowie deren Entstehung.
3. Heinrich von Kleists Amphitryon: Hier liegt der Fokus auf der Identitätsthematik und der tragischen Trübung in Kleists Adaption, wobei ebenfalls die Doppelgängerpaare Sosias/Merkur und Amphitryon/Jupiter beleuchtet werden.
4. Vergleich der Doppelgänger: In diesem Kapitel werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Doppelgängerkonstellationen in beiden Werken gegenübergestellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie die unterschiedliche Anlage der Doppelgänger maßgeblich die divergente Deutung und Wirkung der beiden Stücke bestimmt.
Schlüsselwörter
Amphitruo, Amphitryon, Plautus, Kleist, Doppelgänger, Identität, Tragikomödie, Mythos, Sosia, Merkur, Jupiter, Selbstgewissheit, Gattungsfrage, Dramatik, Literaturvergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Verwendung von Doppelgängerkonstellationen in den Stücken "Amphitruo" von Plautus und "Amphitryon" von Heinrich von Kleist.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung des mythischen Amphitryon-Stoffes, die Gattungstheorie, die Rolle der Identität sowie die Wirkung von Doppelgängern auf Komik und Tragik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu demonstrieren, wie die beiden Autoren die Doppelgängerfiguren nutzen, um den Stoff auf ihre jeweilige Art und Weise zu deuten und zu präsentieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine vergleichende Literaturanalyse durchgeführt, wobei die Werke zunächst unabhängig voneinander hinsichtlich Struktur und Doppelgängerpaaren untersucht und anschließend kontrastiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Doppelgänger bei Plautus (Gattung, Sosia/Mercur, Amphitruo/Jupiter) und bei Kleist (Fokus auf Identität, Rollenspiel) sowie einen finalen Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Amphitryon-Stoff, Doppelgänger, Identitätsthematik, Tragikomödie und vergleichende Literaturwissenschaft charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Merkur in den beiden Werken?
Bei Plautus fungiert Merkur als Sprecher des Prologs und etabliert die Gattung der Tragikomödie, während er bei Kleist eine untergeordnete Rolle im Rollenspiel um Identität einnimmt.
Welche besondere Bedeutung hat die Geburt der Zwillinge am Ende bei Plautus?
Bei Plautus dient die Geburt der Zwillinge am Ende dazu, die verwirrende Doppelgängerkonstellation aufzuklären und eine Versöhnung mit dem göttlichen Wirken herbeizuführen.
- Arbeit zitieren
- Karsten Klein (Autor:in), 2017, Die Doppelgänger in Plautus Amphitruo und Heinrich von Kleists Amphitryon im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/379691