Die Arbeit setzt sich mit Heideggers Technikkonzeption auseinander und analysiert mit kontinuierlichem Blick auf den Text „Die Frage nach der Technik“ die Innovation. Währenddessen halte ich mich an die chronologische Vorgehensweise Heideggers und richte mein Augenmerk zunächst auf die Charakterisierung der Technik als menschliches Tun und danach auf das Wesen der modernen Technik, dass im Kontrast zur Technik der Antike zu sehen ist; insbesondere im Hinblick auf die Erweiterung des Wirkungsradius der Technik und der Umbewertung der Natur.
Letztlich soll herausgestellt werden, worin Heidegger Möglichkeiten sieht, der Gefahr der Technik zu entgehen, die er nicht in der Technik selbst sieht, sondern in einer Entfernung gegenüber der Unverborgenheit und von der Vergessenheit des Seins.
Ausgehend von der allgemein üblichen Bestimmung der Technik als instrumentum versucht Heidegger durch einen Weg des Fragens das Wesen der Technik zu erfassen und schließt daraus, dass das Wesentliche nicht in der instrumentalen Vorstellung liegt, die bislang von Philosophen einheitlich untersucht wurde. Heideggers methodischer Denkweg besteht darin, die Kausalität umzudenken.
Das Novum seiner Technikkonzeption ist, dass er den Technikbegriff, der von Ernst Kapp jüngst als Organprojektion aufgefasst wurde, wodurch Kapp die artifizielle gegennatürliche Dimension der Technik durch eine natürlich-organische ergänzt beziehungsweise ersetzt hat, aufspaltet. Heidegger löst das Wesen der Technik aus der trivialen Technikvorstellung und gleichsam aus dem aktuell vertretenen wissenschaftlichen Diskurs.
Das Wesen der Technik sei es, das die Technik als Ganzes erfasse und im Stande sei, die Schlüsselfrage der philosophischen Moderne, die Frage nach der Technik, neu zu beantworten. Heideggers neue Perspektive ist sicherlich der Verortung der Technik im seinsgeschichtlichen Kontext seines eigenen philosophischen Diskurses geschuldet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1. Charakterisierung der Technik als menschliches Tun
2.1 Unterscheidung zwischen richtig und wahr
2.2 Die vier Weisen des Verschuldens
2.3 Das hervorbringende Entbergen
3. Das Wesen der Wahrheit
3.1 Die moderne Technik als herausforderndes Entbergen
3.2 Das Gestell – Die Wesensbestimmung der Technikbegriffes
3.3 Die Gefahr und das Rettende
4. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Martin Heideggers Technikphilosophie auseinander, um das Wesen der Technik jenseits rein instrumenteller Vorstellungen zu erfassen und ihre seinsgeschichtliche Bedeutung zu beleuchten.
- Charakterisierung der Technik als menschliches Tun und instrumentelle Kausalität.
- Differenzierung zwischen dem Wahrheitsbegriff der Richtigkeit und der Unverborgenheit.
- Analyse der modernen Technik als herausforderndes Entbergen und dessen Konsequenzen.
- Untersuchung des "Gestells" als zentrale Wesensbestimmung der modernen Technik.
- Reflexion über die Gefahren der Technik und die Suche nach einem rettenden Ausweg.
Auszug aus dem Buch
Die vier Weisen des Verschuldens
„Wo Zwecke verfolgt, Mittel verwendet werden, wo das Instrumentale herrscht, da waltet Ursächlichkeit, Kausalität.“ Zusammen mit der Unterscheidung von Richtigem und Wahrem eröffnet Heidegger mit der Thematisierung der 4 Ursachenlehre, die er im Rückgang auf das aristotelische Modell bespricht, ein Begriffsfeld, darin er seine eigene phänomenologische Position hineinlesen wird.
Er analysiert die Beziehung zwischen dem Begriff des Instrumentalen und dem der Kausalität. Das Instrumentale verweist auf das Einsetzen von Mitteln für die Erreichbarkeit eines Zwecks. Die vier aristotelischen Ursachen sind die Gründe des Seienden und des Erkennens. Die causa materialis ist der Stoff woraus ein Ding verfertigt wird, die causa formalis ist die Form in der ein Ding erscheint, die causa efficiens ist die Wirkursache, und die causa finalis verweist auf die Zweckursache. Im Anschluss an Aristoteles erläutert Heidegger diese Struktur am Beispiel einer Silberschale. So ist das Silber die causa materialis, dann ist die Gestalt, in die der Stoff eingeht, die causa formalis, der Opferdienst ist weiterhin die causa finalis, die Zweckursache, und der Silberschmied ist die causa efficiens, die Wirkursache.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, Heideggers Konzept der Technik jenseits rein instrumenteller Definitionen durch eine seinsgeschichtliche Perspektive zu hinterfragen.
1. Charakterisierung der Technik als menschliches Tun: Dieser Abschnitt analysiert das gängige Technikverständnis als instrumentelles Handeln und beginnt die Dekonstruktion dieser Sichtweise durch Aristoteles' Ursachenlehre.
3. Das Wesen der Wahrheit: Hier wird der entscheidende Schritt vollzogen, Technik nicht mehr als bloßes Handwerk, sondern als eine Weise des "Entbergens" von Wahrheit zu begreifen.
4. Schlussfolgerungen: Das Fazit fasst zusammen, dass Technik als "Gestell" das menschliche Weltverhältnis prägt und die Gefahr der Seinsvergessenheit birgt, jedoch auch Möglichkeiten zur Besinnung bietet.
Schlüsselwörter
Martin Heidegger, Technikphilosophie, Die Frage nach der Technik, Gestell, Entbergen, Poiesis, Seinsvergessenheit, Instrumentalität, Kausalität, Unverborgenheit, Phänomenologie, Moderne Technik, Wahrheit, Metaphysik, Ursachenlehre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Martin Heideggers technikphilosophische Reflexionen, insbesondere sein Hauptwerk "Die Frage nach der Technik", um ein tieferes Verständnis für das Wesen der Technik zu gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Instrumentalität der Technik, die Unterscheidung zwischen Richtigkeit und Wahrheit sowie die Begriffe des Gestells und des Entbergens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Heideggers Abkehr von einer rein instrumentellen Technikbetrachtung aufzuzeigen und seine Deutung der Technik als schicksalhaftes "Gestell" innerhalb der Seinsgeschichte herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt eine phänomenologische und hermeneutische Analyse von Heideggers Primärtext, ergänzt durch Bezüge zur antiken Philosophie (Aristoteles) und sekundärphilosophische Interpretationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Technik als menschliches Tun, die Erörterung des aristotelischen Ursachenbegriffs und die tiefgreifende Interpretation der modernen Technik als herausforderndes Entbergen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind: Heidegger, Technik, Gestell, Entbergen, Wahrheit, Seinsvergessenheit, Instrumentalität, Kausalität und Poiesis.
In welchem Verhältnis steht das "Gestell" zur modernen Technik?
Das "Gestell" bezeichnet laut Heidegger das Wesen der modernen Technik, welches die Welt als bloßen Bestand zur Verfügung stellt und so das menschliche Weltverhältnis grundlegend verändert.
Warum sieht Heidegger in der Technik eine Gefahr?
Die Gefahr liegt darin, dass durch die technische Sicherung und Steuerung des Seins die eigentliche Unverborgenheit und der Bezug zum Sein selbst verdeckt werden, was zur Seinsvergessenheit führt.
- Quote paper
- Lukas Treiber (Author), 2017, Die Frage nach der Technik bei Heidegger, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/379229