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Mehr Beißen als Küssen. Liebes- und Genderkonzeptionen in Kleists "Penthesilea"

Titel: Mehr Beißen als Küssen. Liebes- und Genderkonzeptionen in Kleists "Penthesilea"

Hausarbeit , 2015 , 21 Seiten , Note: 1.7

Autor:in: Jens Stuhlemer (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die hier vorliegende Arbeit hat zum Ziel die in Kleists Penthesilea enthaltenen Liebes- und Genderkonzeptionen aufzudecken und aufzuschlüsseln. Da dies in Gänze aufgrund der Kürze der Arbeit sowie der gleichzeitigen Komplexität des Dramas kaum möglich ist, wird sich wesentlichen auf entscheidende Charakterzüge Penthesielas und Achills konzentriert, um diese einerseits in Zusammenhang mit den um 1800 vorherrschenden Gelschlechter- und Liebeskonzeptionen zu setzen. Andererseits um die den teils undurchsichtigen Motivationen der beiden Hauptcharaktere näher zu kommen.

Konzeptionel steht der Analyse der beiden Charaktere eine grobe Erläuterung des Gesellschafts- und Frauenbildes um 1800, sowie einer ausführlicheren Darstellung der Liebeskonzeptionen um 1800 voran, welche in Teilen bereits genutzt werden um klare Textbezüge herzustellen. Hinsichtlich der Penthesilea werden anschließend ihre narzisstisch-hysterischen Wesenzüge und ihre innere Konflikthaftigkeit erkennbar gemacht, wobei der Fokus bei Letzterem auf ihrem Konflikt zwischen Amazonenordnung und freier Liebe liegen soll. Achill, wie sich zeigen wird, teilt Penthesileas narzisstische Eigenschaft, die er als Vertreter der rationalen Männerwelt frei ausleben kann.

Die Arbeit fährt fort mit einer finalen Auswertung der in den beiden Figuren sowie in ihrem Verhältnis zueinander enthalten Geschlechter- und Liebeskonzeption, bevor sie mit einer Diskussion der Ergebnisse und einigen (möglichen) Ergänzungen schließt. Zusammenfassend soll herausgestellt werden, dass es sich bei dem vordergründigen Liebesverhältnis der beiden im Wesentlichen um den Versuch einer Besitzergreifung und Objektivierung des Gegenübers im Sinne der Geschlechtersystematik nach Fichte handelt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Um 1800

2.1 Gesellschaft um 1800

2.2 Das Frauenbild um 1800

2.3 Liebeskonzeptionen um 1800

3. Penthesilea

3.1 Die narzisstisch Hysterikerin

3.2 Penthesileas Konflikt

4. Achill

4.1 Der Konventionelle

4.2 Der Achilles-Komplex

5. Zusammenfassung der Ergebnisse

6. Ergänzung der Diskussion sowie offene Fragen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Liebes- und Genderkonzeptionen in Heinrich von Kleists Drama Penthesilea vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Normen um 1800. Das primäre Ziel ist es, die komplexen und teils widersprüchlichen Motivationen der Protagonisten Penthesilea und Achill zu entschlüsseln und ihr Handeln im Kontext der damaligen Geschlechtersystematik, insbesondere nach Fichte und Kant, zu verorten.

  • Analyse des Gesellschafts- und Frauenbildes um 1800
  • Untersuchung von zeitgenössischen Liebeskonzeptionen und deren Reflexion im Drama
  • Charakterisierung von Penthesilea als narzisstisch-hysterische Figur im Konflikt zwischen Amazonenordnung und individueller Liebe
  • Analyse der Rolle Achills und des sogenannten "Achilles-Komplexes"
  • Deutung der Liebesbeziehung als Versuch wechselseitiger Besitzergreifung und Objektivierung

Auszug aus dem Buch

3.1 Die narzisstisch Hysterikerin

„Penthesilea, diese sowohl grazile und zerbrechlich Frau als auch unermüdliche Kriegerin, vereinigt alle Extreme in sich, wodurch auch das Gegenteil jeder auf sie gemünzten Behauptung wahr wird. In dieser Flüchtigkeit ihres Wesens liegt ihre Wahrheit – in ihrem Kuß geht der Biß, in ihrem Biß geht der Kuß verloren, während beide dennoch in Erfüllung gehen.“40

Die hier von Földenyi dargestellte Gegensätzlichkeit Penthesileas entspricht der Tatsache, dass eine genaue Bestimmung ihres Charakters und all der in ihm enthaltenen Topoi kaum möglich, vielleicht von Kleist aber auch gar nicht so gewollt war. Wenn Gundolf erklärt, dass Penthesilea nicht dem schönen, ideellen nachempfunden oder ein Versuch der Idealisierung ist, sondern Verkörperung einer „unerfüllbarer Sehnsucht nach Schönheit oder Wollust“ darstellt,41 dann ist das hinsichtlich Kleists Widersprechung der „Schönen Seele“ zutreffend. Sie trivialisiert jedoch ihre Sehnsucht und somit ihre Zerrissenheit zu stark, umfasst ihr Charakter doch weit mehr als nur den schlichten Wunsch nach „Schönheit und Wollust“.

Penthesileas Verhalten ähnelt stark dem der „Hysterikerin“ nach Lacan sowie dem einer „Narzistin“.42 Durch „lautes Auftreten und Aufsehen erregende Aktionen“ sucht die Hysterikerin das „Begehren des Anderen“ (Achill), der „aber zugleich dominiert werden muß.“43 Sie ist sich des Begehrens des Anderen ungewiss, als dessen Objekt sie sich sieht und versucht, durch Frustration des Anderen, dessen Begehren unbefriedigt zu lassen.44 Penthesileas halsbrecherische Jagd nach Achill, der sich ihr devot „zu Füssen“45 legen soll, die Ungewissheit Achills Liebe zu ihr, als dieser ihr zuerst nicht nach Themiscyra folgen will, sowie die abschließende totale Frustration Achills durch die Zerreißung seiner selbst kurz vor der erhofften Vereinigung geben das Bild der Hysterikerin in der Tat treffend wieder. Dass sie darüber hinaus stets ihrem Verlangen nach Achill nie nachgibt, ohne Rücksicht auf Verluste und obschon ihre Untergebenen für sich bereits ausreichend Gefangene gemacht haben, spiegelt außerdem sehr wohl ein narzisstisches Verhalten wieder.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit: Diese Einleitung definiert das Ziel, die Gender- und Liebeskonzeptionen in Kleists Werk unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Bedingungen um 1800 zu analysieren.

2. Um 1800: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, indem es das zeitgenössische Gesellschafts- und Frauenbild sowie verschiedene Liebeskonzeptionen der Epoche beleuchtet.

3. Penthesilea: Die Analyse konzentriert sich hier auf die psychologischen Wesenszüge der Protagonistin, insbesondere ihre narzisstisch-hysterische Veranlagung und den Konflikt zwischen Amazonenpflicht und persönlichem Begehren.

4. Achill: Hier wird die Figur Achills als Repräsentant der Männerwelt sowie der sogenannte "Achilles-Komplex" untersucht, um sein zwiespältiges Verhalten gegenüber Penthesilea zu ergründen.

5. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das Fazit fasst zusammen, dass die Beziehung der beiden Protagonisten primär durch narzisstische Objektivierung und den Wunsch nach gegenseitiger Unterwerfung geprägt ist.

6. Ergänzung der Diskussion sowie offene Fragen: Dieses Kapitel identifiziert Aspekte, die über die Arbeit hinausgehen, wie etwa weitere metaphorische Bedeutungsebenen oder Ansätze zur Vertiefung der Charakteranalyse.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Penthesilea, Achill, Genderkonzeptionen, Liebeskonzeptionen, Um 1800, Narzissmus, Hysterie, Amazonen, Geschlechterrollen, Objektivierung, Fichte, Kant, Romantik, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Liebes- und Geschlechterbilder in Heinrich von Kleists Drama Penthesilea und vergleicht diese mit den soziokulturellen Vorstellungen der Epoche um 1800.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Felder sind das zeitgenössische Frauenbild, gesellschaftliche Strukturen des frühen 19. Jahrhunderts, romantische Liebesvorstellungen sowie die psychologische Analyse der Hauptfiguren Penthesilea und Achill.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Arbeit?

Das Ziel ist es, die vermeintliche Liebesbeziehung der beiden Protagonisten als einen Machtkampf zu entlarven, der von Besitzergreifung und der Objektivierung des Gegenübers geprägt ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die durch den Einbezug philosophischer (Fichte, Kant) und psychoanalytischer (Lacan) Konzepte ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Frauenbild um 1800, definiert verschiedene Liebeskonzeptionen, untersucht Penthesileas narzisstisch-hysterische Züge und analysiert den sogenannten "Achilles-Komplex".

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse am besten?

Die Analyse wird durch Begriffe wie narzisstische Objektivierung, Geschlechterrollen, Amazonenmythos, Ideal der "schönen Seele" und das Spannungsfeld zwischen Liebe und Macht definiert.

Inwiefern beeinflusst der "Achilles-Komplex" die Beziehung im Drama?

Laut der Arbeit führt der Achilles-Komplex dazu, dass Achill unfähig ist, Frauen echte Wertschätzung entgegenzubringen, was seine Kompromisslosigkeit und sein narzisstisches Verhalten in der Beziehung zu Penthesilea erklärt.

Wie interpretiert der Autor den "Zwiespalt" in Penthesileas Charakter?

Der Autor deutet diesen Zwiespalt durch eine Licht-Schatten-Metaphorik und sieht darin eine Manifestation ihrer Zerrissenheit zwischen der strengen Amazonenordnung und ihrem individuellen Wunsch nach Liebe.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Mehr Beißen als Küssen. Liebes- und Genderkonzeptionen in Kleists "Penthesilea"
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1.7
Autor
Jens Stuhlemer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V379191
ISBN (eBook)
9783668563209
ISBN (Buch)
9783668563216
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kleist Penthesilea Gender Liebe Liebeskonzeptionen 1800 Genderkonzeptionen Heinrich von Kleist
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jens Stuhlemer (Autor:in), 2015, Mehr Beißen als Küssen. Liebes- und Genderkonzeptionen in Kleists "Penthesilea", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/379191
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Leseprobe aus  21  Seiten
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