Peter Ulrich ist ein Schweizer Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsethiker. An der Universität St. Gallen war er Gründer und Leiter des ersten Lehrstuhls für Wirtschaftsethik. Im folgenden Beleg wird Ulrichs wirtschaftsethische Philosophie und insbesondere sein Ansatz der Integrativen Wirtschaftsethik vorgestellt. Zuerst werden die Grundbegriffe und Grundannahmen von Ulrichs Ethikauffassung sowie sein integrativer Ansatz vorgestellt. Darauf folgen die wesentlichen Kritikpunkte am herrschenden Ökonomismus sowie die Grundorientierungen lebensdienlichen Wirtschaftens. Die Orte von Ulrichs integrativer Wirtschaftsethik werden anschließend durch die Wirtschaftsbürgerethik, die Unternehmensethik und die Ordnungsethik beschrieben. Der Beleg schließt mit einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundbegriffe der Ethik und der Ansatz integrativer Wirtschaftsethik
3. Grunddimensionen der Ökonomismuskritik
3.1 Sachzwang des Wettbewerbs
3.2 Moral des Marktes
4. Grundorientierung lebensdienlichen Wirtschaftens
4.1 Wirtschaften und gutes Leben
4.2 Wirtschaften und gerechtes Zusammenleben
5. Orte der Wirtschaftsethik
5.1 Wirtschaftsbürgerethik
5.2 Unternehmensethik
5.3 Ordnungsethik
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit gibt einen strukturierten Überblick über die Philosophie der Integrativen Wirtschaftsethik nach Peter Ulrich. Das primäre Ziel besteht darin, Ulrichs Ansatz einer ethisch eingebetteten Ökonomie darzulegen, der wirtschaftliches Handeln konsequent der Reflexion an moralischen Werten unterwirft, anstatt es als rein sachzwanggesteuertes System zu betrachten.
- Kritik des vorherrschenden Ökonomismus und des Rationalmodells.
- Konzeptualisierung einer lebensdienlichen Ökonomie.
- Definition der drei ethischen Orte: Wirtschaftsbürger, Unternehmen und Ordnungsethik.
- Notwendigkeit einer diskursethischen Begründung legitimen wirtschaftlichen Handelns.
Auszug aus dem Buch
3.1 Sachzwang des Wettbewerbs
Im Zuge dieser Grundbedingung wird mit der Behauptung „Der harte (globale) Wettbewerb zwingt uns…“ argumentiert. Dementsprechend sei ein Akteur am Markt derartigen Sachzwängen unterworfen, die eine Integration der Ethik in die Wirtschaft unmöglich machen. Ulrich stellt hingegen heraus, dass der Markt per se keine Zwänge impliziert, es seien vielmehr die eigenen Gewinn- und Einkommensinteressen, die Erfolgszwang und die ökonomische Selbstbehauptung forcieren. Jeder einzelne Marktteilnehmer übt durch seine eigene Wettbewerbsstrategie Zwang bei anderen Teilnehmern aus, ohne mit diesen persönlich zu interagieren. Dies hat folgende Konsequenzen:
„Belohnt werden vom marktwirtschaftlichen System jene Personen, die (…) strikt und ohne Rücksicht auf lebensdienliche Nebenwirkungen ihren privaten Erfolg zu maximieren bestrebt sind, denn so können sie im harten Wettbewerb jenen vielleicht entscheidenden Leistungs- oder Kostenvorteil gegenüber ihren Konkurrenten (…) erzielen, der sie zum Gewinner und die anderen zu Verlierern macht.“
Normative Aspekte, wie z.B. Umweltverträglichkeit, treten bei diesem Vorgehen in den Hintergrund. Aus wirtschaftsethischer Sicht ist eine Überwindung dieser Sachzwangsituation nur möglich, wenn 1) die persönlichen Präferenzen überdacht werden oder indem 2) äußere Rahmenbedingungen des Wettbewerbs verändert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Person Peter Ulrich und seinen Ansatz der Integrativen Wirtschaftsethik ein und gibt einen Überblick über den Aufbau des Belegs.
2. Grundbegriffe der Ethik und der Ansatz integrativer Wirtschaftsethik: Hier werden die moralischen Grundlagen sowie der diskursethische Ansatz von Ulrich vorgestellt, der eine vorbehaltlose ethische Reflexion der ökonomischen Sachlogik fordert.
3. Grunddimensionen der Ökonomismuskritik: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit dem modernen Ökonomismus auseinander, insbesondere mit der Sachzwangthese und der Gemeinwohlthese.
4. Grundorientierung lebensdienlichen Wirtschaftens: Ulrich definiert hier das Ziel des Wirtschaftens als Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern und als Beitrag zu einem guten und gerechten Zusammenleben.
5. Orte der Wirtschaftsethik: Es werden die drei zentralen Handlungsorte der Ethik analysiert: der Wirtschaftsbürger, das Unternehmen und die staatliche beziehungsweise überstaatliche Ordnung.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Ulrichs Modell eine umfassende Integration von ökonomischer und moralischer Vernunft anstrebt und das Gewinnstreben konsequent der diskursethischen Legitimitätsprüfung unterwirft.
Schlüsselwörter
Integrative Wirtschaftsethik, Peter Ulrich, Ökonomismus, Lebensdienlichkeit, Diskursethik, Wirtschaftsbürger, Unternehmensethik, Ordnungsethik, Gewinnprinzip, Gemeinwohl, Marktmechanismus, Sozialpolitik, Legitimität, Rationalmodell, Sachzwang.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Theorie der Integrativen Wirtschaftsethik des Schweizer Wirtschaftswissenschaftlers Peter Ulrich, die eine kritische Auseinandersetzung mit der herrschenden ökonomischen Lehre darstellt.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind die Kritik am Ökonomismus, die Bestimmung eines lebensdienlichen Wirtschaftens sowie die ethische Verantwortlichkeit auf drei verschiedenen Ebenen (Bürger, Unternehmen, Ordnung).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ökonomisches Handeln aus einer rein sachzwangorientierten Logik gelöst und in eine übergeordnete ethische Vernunft eingebettet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Ulrich nutzt primär eine diskursethische Methode, bei der wirtschaftliche Entscheidungen und Ziele vor dem Hintergrund eines gedachten oder öffentlichen Diskurses aller Betroffenen legitimiert werden müssen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Kritik am Gewinnstreben und Wettbewerbsdruck, die Ausarbeitung der Lebensdienlichkeit des Wirtschaftens sowie die detaillierte Beschreibung der drei ethischen Orte der Wirtschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Integrative Wirtschaftsethik, Lebensdienlichkeit, Diskursethik, Wirtschaftsbürger, Unternehmensethik und Ordnungsethik.
Was unterscheidet Ulrichs Ansatz von der klassischen Unternehmensethik?
Im Gegensatz zu Ansätzen, die Ethik als Korrekturmittel für ökonomische Erfolge verstehen, fordert Ulrich eine grundlagenkritische Reflexion, die das Gewinnprinzip selbst zur Disposition stellt.
Was ist mit der sogenannten "Verantwortungslücke" gemeint?
Sie beschreibt das Opportunismusproblem bei Organisationsbürgern, bei denen eine Trennung zwischen der eingegrenzten organisatorischen Rolle und der unbegrenzten ethischen Verantwortung droht.
Warum lehnt Ulrich das klassische Gewinnprinzip als moralische Leitlinie ab?
Da eine strikte Orientierung am Gewinnstreben laut Ulrich die notwendige situative Reflexion über andere moralische Werte verhindert und keine legitime Zielvorgabe für das Gemeinwohl darstellt.
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- Anonym (Autor:in), 2016, Peter Ulrichs Integrative Wirtschaftsethik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/376957