In dieser Arbeit sollen Konzepte und Vorstellungen zur Kreativität aus zwei Sichten untersucht werden. Als Grundlagentexte dienen das Buch „Digitale Dividenden – ein pädagogisches Update für mehr Lernfreude und Kreativität in der Schule“ vom Pädagogen Olaf-Axel Burow und der Artikel „Die Erfindung der Kreativität“ des Soziologen Andreas Reckwitz.
Dabei soll analysiert werden in wieweit sich Burows Konzept der „Pädagogik 1.0, 2.0 und 3.0“ auf die wirtschaftlichen Arbeitsformen in den Phasen der vorindustriellen Zeit, der Industrialisierung und unserer Zeit übertragen lassen. Ebenfalls soll betrachtet werden, ob die Entwicklung unseres gesellschaftlichen Verständnisses von Kreativität analoge Phasen erkennen lässt.
Im ersten Schritt werden die Grundzüge des Konzepts Burows erläutert um darzustellen, inwiefern Burow bereits hier Analogien zur Entwicklung von Arbeitsformen in der Wirtschaft entstehen lässt. Welche Bedeutung misst Burow der Kreativität in den beiden Phasen zu? Zudem soll hier anhand eines Artikels von Reckwitz untersucht werden welches gesellschaftliche Verständnis von Kreativität sich den Phasen zuordne lassen könnte. Darauffolgend soll untersucht werden, wie Burow aus seiner „Pädagogik 2.0“ die „Pädagogik 3.0“ als verbessertes und für uns heutzutage anzustrebendes Schulkonzept entwickelt. Was sind seine Vorschläge für eine zeitgemäße Schule? Welche Bedeutung misst er dabei der Kreativität zu? An dieser Stelle wird ebenfalls dargestellt, welche Bedeutung Reckwitz der Kreativität in der aktuellen Gesellschaft zumisst und welche Strategien er zum Umgang mit ihr empfiehlt.
Obwohl Reckwitz als Soziologe auf die Gesellschaft insgesamt eingeht, bietet es sich an beide Vorstellungen miteinander zu vergleichen, da Burow seinen eigenen Rahmen, die Schule ständig überschreitet und Analogien zur Gesellschaft und Wirtschaft herstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Burows Pädagogik 1.0 und 2.0
3. Reckwitz' Kreativitätsdispositiv
4. Vorschläge und Konzepte für die Zukunft
4.1 Burows Pädagogik 3.0
4.2 Reckwitz' Gegenstrategien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Kreativität aus den Perspektiven des Pädagogen Olaf-Axel Burow und des Soziologen Andreas Reckwitz, um zu analysieren, inwiefern Kreativität als erstrebenswertes Ziel oder als gesellschaftliche Gefahr bewertet werden kann.
- Vergleich pädagogischer Konzepte mit soziologischen Theorien
- Analyse der Transformation von Kreativität durch Industrialisierung und Digitalisierung
- Kritische Betrachtung des "Kreativitätsdispositivs" nach Reckwitz
- Untersuchung von Bildungsansätzen für eine moderne Schule
- Bewertung der Ambivalenz von Kreativität in der heutigen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
2. Burows Pädagogik 1.0 und 2.0
Unter Pädagogik 1.0 versteht Burow das „das freie, weitgehend unverschulte Lernen, das gewissermaßen der Logik unserer inneren Natur folgt“ (Burow 2014, 93). Es ist ein stark individuelles Lernen, ein „Lernen aufgrund eigener Entwicklungsbedürfnisse“ (Burow 2014, 24), das aus „Bildungslust“ entstehe (Burow 2014, 24). Kinder lernten durch die Freude am kreativen und selbständigen Entdecken (Burow 2014, 22). Die Möglichkeit sich Herausforderungen selbst zu wählen, motiviere sie besonders (Burow, 2014, 27).
Als Beispiele für diese Art des Lernens gibt Burow zahlreiche Beispiele aus seinem eigenem Leben. So nennt er seine Töchter, von denen die Eine sich überraschender Weise zu einer begeisterten Leserin, die andere sich zu einer Einradfahrerin entwickelt habe – das alles ohne Einwirken der Schule. Er nennt einen jungen Redner, André Stern, der niemals eine Schule besucht habe, sich aber schon über Kontakte seiner Eltern in verschiedenen künstlerischen Bereichen ausprobieren konnte. Deutlich lässt sich erkennen, dass Pädagogik 1.0 Burow favorisiertes Lernkonzept ist.
Doch durch die aktuelle Schule – Burow nennt sie „traditionelle Schule“ (Burow 2014, 97) – würde „ein freies, autodidaktisches Lernen […] durch geregelte und staatlich sanktionierte Abläufe“ (Burow 2014, 93) gehindert. Im Detail seien die Sortierung der Schüler und Schülerinnen in Altersgruppen, die nicht ansprechend gestalteten Klassenräume, der Frontalunterricht, die normierten Leistungsvorgaben, deren Nicht-Bestehen eine Abstufung zur Folge habe, die Einhaltung der Pünktlichkeit und generell die Taktung der Stunden in 45 Minuten charakteristisch für die Pädagogik 2.0 (Burow 2014, 97). Es folgen Gründe, die Burow für das Scheitern des aktuellen Schulsystems verantwortlich sieht. Darunter zählt er das System von extrinsischer Belohnung und Bewertung von Schülerleistungen, das die Eigenmotivation der Schüler und Schülerinnen zerstöre (Burow 2014, 105), die Leistung insgesamt verkleinere und ihnen die „Erfahrung von Glück“ (Burow 2014, S.106) nehme.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die beiden zentralen theoretischen Quellen vor und erläutert die Zielsetzung, Kreativitätskonzepte in ihren jeweiligen gesellschaftlichen Kontexten zu vergleichen.
2. Burows Pädagogik 1.0 und 2.0: Dieses Kapitel kontrastiert das freie, natürliche Lernen (1.0) mit den als defizitär empfundenen, reglementierten Strukturen der heutigen Schule (2.0).
3. Reckwitz' Kreativitätsdispositiv: Hier wird analysiert, wie sich Kreativität durch die Industrialisierung zu einem gesellschaftlich geforderten Imperativ und einem festen Bestandteil der modernen Lebensweise entwickelt hat.
4. Vorschläge und Konzepte für die Zukunft: Das Kapitel diskutiert Lösungsansätze für die von Burow und Reckwitz identifizierten Probleme im Bildungs- und Gesellschaftssektor.
4.1 Burows Pädagogik 3.0: Dieser Abschnitt beschreibt das Potenzial des Internets für ein neues, dezentralisiertes und selbstbestimmtes Lernmodell.
4.2 Reckwitz' Gegenstrategien: Hier werden soziologische Gegenmaßnahmen vorgestellt, um dem Zwang zum Kreativen und der Gefahr der Nicht-Beachtung entgegenzuwirken.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Kreativität ein ambivalentes Phänomen bleibt, das einen verantwortungsbewussten Umgang erfordert.
Schlüsselwörter
Kreativität, Pädagogik, Bildungskonzept, Kreativitätsdispositiv, Schule, Industrialisierung, Internet, Selbstbestimmung, Autodidaktisches Lernen, Ästhetisierung, Gesellschaft, Leistungsdruck, Kreativwirtschaft, Individuum, Gegenstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Perspektiven von Olaf-Axel Burow und Andreas Reckwitz auf das Thema Kreativität und deren Auswirkungen auf Bildung und Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung pädagogischer Lernformen, die soziologische Einordnung von Kreativität als moderner Leistungszwang sowie die Rolle des Internets als Ressource für Bildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob Kreativität ein erstrebenswertes, pädagogisch zu förderndes Ziel oder eine mit Risiken verbundene gesellschaftliche Anforderung darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse, bei der pädagogische und soziologische Grundlagentexte komparativ gegenübergestellt und auf den aktuellen Kontext angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Burows Stufenmodell der Pädagogik (1.0 bis 3.0), das Kreativitätsdispositiv nach Reckwitz sowie konkrete Konzepte zur Verbesserung der aktuellen Bildungs- und Lebenssituation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kreativität, Pädagogik, Bildungsmodell, Gesellschaftswandel, Autonomie und Leistungsdruck charakterisiert.
Warum unterscheidet Burow zwischen Pädagogik 1.0, 2.0 und 3.0?
Die Einteilung dient der historischen Veranschaulichung: 1.0 steht für natürliches Lernen, 2.0 für das heutige schulische System der Standardisierung und 3.0 für die digitale, selbstgesteuerte Zukunft des Lernens.
Was versteht Reckwitz unter einem „Kreativitätsdispositiv“?
Er beschreibt damit eine gesellschaftliche Entwicklung, in der Kreativität nicht mehr nur eine künstlerische Ausnahme ist, sondern zur verpflichtenden Norm für nahezu alle Lebens- und Arbeitsbereiche wurde.
Welche Gefahren sieht Reckwitz in der modernen Kreativitätsforderung?
Er warnt vor einem Übermaß an kreativen Angeboten, was zu Reizüberflutung, Leistungsdiskrepanzen, sozialer Ausgrenzung und psychischen Belastungen führen kann.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Kreativität als anzustrebendes Ziel oder Gefahr? Ein Vergleich der Positionen des Pädagogen Burow und des Soziologen Reckwitz, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/375959