Ich möchte in der vorliegenden Arbeit die Frage klären, ob die deutsche Sprache durch die Jugendsprache verfällt. Dafür habe ich mich mit der Geschichte und dem Wandel der Jugendsprache befasst und die Einflüsse auf unsere heutige Sprache näher betrachtet. Um sich mit der Thematik der Jugendsprache beschäftigen zu können, stelle ich zunächst den Forschungsstand zur Jugendsprache dar. Beginnen werde ich mit einigen Definitionen von Jugend und Jugendsprache. Anschließend werde ich die Merkmale von Jugendsprache vorstellen, welche durch die Zeit hinweg in allen Jugendsprachen der letzten Jahrzehnte zu finden waren. Dabei werde ich mich an den Merkmalen der Jugendsprache von Hermann Ehmann in „voll konkret. Das neueste Lexikon der Jugendsprache“ von 2001 orientieren und aktuelle Beispiele aus dem Langenscheidt Jungenwörter Lexikon „100% Jugendsprache“ von 2016 mit einbringen. Danach werde ich die Entwicklung der Jugendsprache darstellen, wobei ich auf die Einteilung in verschiedene historische Epochen der Jugendsprache nach Lapp Bezug nehmen werde. Aufgrund meiner vorangegangenen Darstellungen möchte ich abschließend in meinem Fazit die Frage nach dem Sprachverfall der deutschen Sprache klären.
Jugendsprache ist kein neues Phänomen, auch wenn es häufig von vielen Erwachsenen so dargestellt wird. Jugendliche versuchen sich schon seit Jahrhunderten mit ihrer Sprache von der Erwachsenenwelt abzugrenzen; sei es um Protest auszudrücken oder um vor Gleichaltrigen als „cool“ zu gelten. Seit dem 18. Jahrhundert gibt es Aufzeichnungen über die Varietät der Jugendsprache, welche von jungen Sprechern neben der Standartsprache verwendet wird. Unsere Eltern sprachen sie, unsere Großeltern und selbst deren Großeltern sprachen sie: Jugendsprache. Doch so alt wie die Jugendsprache an sich, ist auch ihre Kritik. Vielen missfällt der Sprachgebrauch Jugendlicher und sie sehen nicht nur einen sprachlichen sondern auch einen gesellschaftlichen Rückschritt mit der Verwendung von Jugendsprache. Es gebe einen langsamen, aber stetigen und unaufhaltsamen Verfall der Standartsprache durch die Sprechweisen der Jugendlichen. Der Niedergang der deutschen Sprache gehe also mit der Jugendsprache einher.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen von Jugendsprache
3. Merkmale von Jugendsprache
4. Jugendsprache im Wandel der Zeit
4.1 Jugendsprache vor 1945
4.2 Jugendsprach nach 1945
5. Fazit- Sprachwandel oder Sprachverfall?
6. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Jugendsprache im historischen Kontext, um die wissenschaftliche Kernfrage zu beantworten, ob die Verwendung jugendsprachlicher Varietäten einen Sprachverfall der deutschen Standardsprache darstellt oder lediglich als natürlicher Sprachwandel zu bewerten ist.
- Historische Einordnung und Entwicklung der Jugendsprache
- Definitionen von Jugend und Jugendsprache in der Soziologie und Linguistik
- Analyse sprachlicher Merkmale und morphologischer Besonderheiten
- Der Einfluss von Medien, Musik und Subkulturen auf den Sprachwandel
- Kritische Auseinandersetzung mit Sprachverfall-Theorien
Auszug aus dem Buch
3) Merkmale von Jugendsprache
Obwohl die Jugend als homogene Gruppe nicht existiert, gibt es doch einige Merkmale, welche sich durch die verschiedenen Gruppensprachvarietäten von Jugendlichen ziehen. So besteht die Jugendsprache aus jugendspezifischen Besonderheiten, die sich in der Grammatik und der Laut- und Wortbildung von der Standartsprache unterscheiden und weist eine ausgeprägte Schnelllebigkeit auf (Ehmann 1996:23) Trotz der schnellen Veränderungen innerhalb der Jugendsprache, gibt es zeitübergreifende Merkmale. Im Folgenden werde ich auf die wichtigsten Merkmale von Jugendsprache eingehen und mich dabei an Hermann Ehmann „voll konkret. Das neueste Lexikon der Jugendsprache“ von 2001 orientieren. Die genannten Beispiele sind zum großen Teil nicht mehr in der aktuellen Jugendsprache vertreten. Aus diesem Grund werde ich zusätzlich zu Ehmanns Beispielen, neue jugendsprachliche Beispiele aus dem Langenscheidt Jugendwörterlexikon „100% Jugendsprache“ von 2016 mit anbringen.
Das erste wichtige Merkmal von Jugendsprache sind Bedeutungsverschiebungen und Bedeutungsveränderungen von Lexemen. Diese stellen eine semantische Variation der Standartsprache dar und lassen sich nur teilweise von den standartsprachlichen Bedeutungen ableiten. Als erstes Beispiel hierfür nennt Ehmann das Adjektiv fundamental was sich vom lateinischen Lexem fundus (dt. Bodengrund) ableitet. Dieses wird in der Standartsprache gleichbedeutend mit grundlegend oder wesentlich verwendet und beschreibt die Unabdingbarkeit eines entsprechenden Gegenstandes für die Wirksamkeit oder Existenz eines anderen Gegenstandes. In der Jugendsprache hat sich die Semantik von fundamental verschoben und wird im Sinne von prima oder super verwendet. Als Bespiel für Bedeutungsveränderung bring Ehmann das Substantiv Bonsai, welches standartsprachlich einen kleinen, traditionell japanischen Baum bezeichnet. In der Jugendsprache würde dieses Lexem laut Ehmann als Bezeichnung für einen kleingewachsenen Jungen verwendet werden. Ein aktuelles Beispiel für Bedeutungsveränderung findet man
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, stellt die Forschungsfrage zur Debatte um Sprachverfall oder Sprachwandel und benennt die methodische Vorgehensweise.
2. Definitionen von Jugendsprache: Dieses Kapitel erläutert soziologische und linguistische Begriffsbestimmungen von Jugend und definiert Jugendsprache als Sondersprache bzw. komplexes Register.
3. Merkmale von Jugendsprache: Hier werden die zentralen sprachlichen Charakteristika wie Bedeutungsverschiebungen, Neologismen und Ökonomisierungen anhand historischer und aktueller Beispiele analysiert.
4. Jugendsprache im Wandel der Zeit: Dieses Kapitel gibt einen diachronen Überblick über die Entwicklung von den Anfängen in der Studentensprache bis hin zur modernen Kommunikation im Internetzeitalter.
4.1 Jugendsprache vor 1945: Fokus liegt auf der frühen studentischen Varietät des 16. bis 19. Jahrhunderts und deren Rolle als erste Jugendsprache.
4.2 Jugendsprach nach 1945: Analyse der Phasen nach 1945, geprägt durch amerikanische Einflüsse, Jugendkulturen der 60er bis 80er Jahre und den Einfluss moderner Medien.
5. Fazit- Sprachwandel oder Sprachverfall?: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass es sich bei den beobachteten Erscheinungen um einen kontinuierlichen Sprachwandel handelt.
6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Sprachwandel, Sprachverfall, Soziolinguistik, Studentensprache, Neologismen, Bedeutungsverschiebung, Standardsprache, Jugendkultur, Diachronie, Lexik, Sprachregister, Anglizismen, Kommunikation, Sprachnorm
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Jugendsprache über Jahrhunderte hinweg und prüft, ob die jugendliche Sprechweise einen Sprachverfall oder einen natürlichen Wandel der deutschen Sprache darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt soziologische Definitionen von Jugend, linguistische Merkmale der Jugendsprache, historische Entwicklungsphasen sowie den Einfluss von Medien und gesellschaftlichen Strömungen auf den Wortschatz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die wissenschaftliche Frage zu klären, ob die deutsche Sprache durch den Einfluss der Jugendsprache tatsächlich verfällt oder ob es sich um eine legitime Form des Sprachwandels handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine literatur- und sprachhistorische Analyse durchgeführt, die verschiedene Definitionen und historische Phasen der Jugendsprache auf Basis bestehender linguistischer Forschung zusammenführt und vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffsdefinitionen und sprachlichen Merkmale (wie Wortneuschöpfungen und Bedeutungsänderungen) erläutert, gefolgt von einer historischen Einordnung in Epochen nach Lapp.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Jugendsprache, Sprachwandel, Sprachverfall, Studentensprache, Neologismen und Soziolinguistik.
Was ist die „Studentensprache“ und warum ist sie für die Arbeit wichtig?
Die Studentensprache gilt als historischer Vorläufer der Jugendsprache; sie zeigt, dass bereits vor Jahrhunderten junge Menschen eigene, abgrenzende Sprachstile entwickelten, die teilweise in die Standardsprache eingegangen sind.
Wie bewertet die Autorin die Angst vor dem Sprachverfall?
Die Autorin argumentiert, dass Sprachverfall subjektiv wahrgenommen wird und als „Verfall der Sprache der anderen“ betrachtet werden muss, während die Sprache selbst einem stetigen, natürlichen Wandel unterliegt.
- Arbeit zitieren
- Christina Lindemann (Autor:in), 2016, Die Entwicklung der Jugendsprache. Sprachwandel oder Sprachverfall?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/375839