Mit der Eroberung des Langobardenreiches dehnte Karl der Große seine Herrschaft über einen weiten Teil Italiens aus und trat das Erbe des letzten großen germanischen Reiches der Völkerwanderungszeit an. Damit wurde letztlich auch die Voraussetzung für seine spätere Kaiserkrönung geschaffen und eine neue Entwicklung in der abendländischen Geschichte eingeleitet. Vor allem aber machte diese Okkupation das Frankenreich endgültig zur beherrschenden Macht in Westeuropa. Dieses Werk zeigt, wie und mit welchen Mitteln die Franken ihre Herrschaft im langobardischen Italien während der Regierungszeit Karls durchsetzten und festigten. Die Etablierung der fränkischen Herrschaft südlich der Alpen wird hier unter verschiedenen Aspekten eingehend dargelegt und ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Unterwerfung der Langobarden
2. Die Installation der fränkischen Herrschaft in Italien bis 814
2.1. Die Modifizierung der Verwaltungsstruktur
2.2. Die Ablösung der langobardischen Führungsschicht
2.3. Die Rolle der Königsboten
2.4. Die fränkische Siedlungstätigkeit
2.5. Die fränkische Bistumspolitik
2.6. Die fränkische Klosterpolitik
2.7. Die Einrichtung des italienischen Unterkönigtums
Epilog
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, wie Karl der Große nach der Eroberung des Langobardenreiches die fränkische Herrschaft in Italien etablierte und festigte, um das Gebiet in das fränkische Reichssystem zu integrieren.
- Methoden der verwaltungstechnischen Umgestaltung
- Ablösungsprozess der langobardischen Führungsschicht durch fränkische Adlige
- Strategische Bedeutung der Königsboten für die Kontrolle
- Formen der fränkischen Siedlungstätigkeit und militärischen Sicherung
- Einfluss der fränkischen Kirchen- und Klosterpolitik auf die Machtdurchsetzung
Auszug aus dem Buch
1. Die Unterwerfung der Langobarden
773 erneuerte Karl der Große das fränkische Bündnis seines Vaters Pippin mit dem römischen Papsttum gegen die Langobarden und begann mit zwei Heeresverbänden einen Blitzfeldzug nach Italien. Der Langobardenkönig Desiderius wurde rasch in seiner Hauptstadt Pavia eingeschlossen, während sein Sohn Adelchis nach Verona floh, das aber bald zur Übergabe gezwungen wurde. Im Juni 774 fiel auch Pavia nach langer Belagerung in die Hände der Franken. Damit war der Krieg bereits entschieden und das Langobardenreich niedergeworfen. König Desiderius wurde gefangengenommen und in ein Kloster geschickt, Adelchis dagegen gelang es nach Byzanz zu entkommen. Der langobardische Adel, der teilweise ohnehin nicht unbedingt treu hinter dem eigenen König gestanden hatte, machte Karl seine Aufwartung.
Der Frankenherrscher gliederte das Langobardenreich nun jedoch nicht direkt dem Frankenreich ein, sondern verband es praktisch in einer Art Personalunion mit diesem. Er nahm fortan den Titel rex Francorum et Langobardorum an und betonte damit die weiterbestehende nominelle Eigenständigkeit des italienischen Reiches, das nur durch sein Königtum mit dem Frankenreich vereinigt war. Offensichtlich wollte Karl mit dieser für fränkische Verhältnisse völlig neuartigen politischen Konzeption, die die Langobarden gleichsam zu einem zweiten Reichsvolk machte, in erster Linie die traditionelle wie stabile Einheit des regnum Langobardorum zum eigenen Vorteil wahren und auf diese Weise die langobardische Oberschicht leichter an sich binden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Methoden der fränkischen Herrschaftssicherung in Italien unter Karl dem Großen zu analysieren.
1. Die Unterwerfung der Langobarden: Das Kapitel beschreibt den erfolgreichen Feldzug Karls gegen das Langobardenreich und die anschließende Etablierung einer Personalunion.
2. Die Installation der fränkischen Herrschaft in Italien bis 814: Dieser Hauptteil analysiert die systematische Umgestaltung der Verwaltung, Besetzung von Führungspositionen, Kontrolle durch Königsboten, Ansiedlungspolitik sowie die Einbindung der Kirche und Klöster in das fränkische System.
2.1. Die Modifizierung der Verwaltungsstruktur: Fokus auf der Umwandlung der langobardischen Herzogtümer in fränkische Grafschaften.
2.2. Die Ablösung der langobardischen Führungsschicht: Darstellung der schrittweisen Ersetzung lokaler Eliten durch fränkische und alemannische Adlige.
2.3. Die Rolle der Königsboten: Untersuchung der Funktion der missi bei der Überwachung der lokalen Machthaber und richterlichen Aufgaben.
2.4. Die fränkische Siedlungstätigkeit: Erörterung der planmäßigen Ansiedlung von Siedlern und Grundherren zur militärischen Sicherung.
2.5. Die fränkische Bistumspolitik: Analyse der Besetzung wichtiger Bistümer mit fränkischen Vertrauten und der Bindung an die Krone.
2.6. Die fränkische Klosterpolitik: Beschreibung der Ausstattung von Klöstern mit Besitz zur Kontrolle strategischer Orte.
2.7. Die Einrichtung des italienischen Unterkönigtums: Untersuchung der Rolle von Pippin als König von Italien zur besseren Wahrnehmung regionaler Belange.
Epilog: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Etablierung nordalpiner Elemente und der politischen Einbindung Italiens als Anhängsel des Frankenreichs.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Langobardenreich, Frankenherrschaft, Grafschaftsverfassung, Königsboten, vassi, Bistumspolitik, Klosterpolitik, Unterkönigtum, Personalunion, Nordalpine Zuwanderung, Verwaltung, Herrschaftssicherung, regnum Langobardorum, Pippin.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strategien und Methoden, mit denen Karl der Große nach der militärischen Unterwerfung des Langobardenreiches die fränkische Herrschaft in Italien festigte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der administrativen Umstrukturierung, der personellen Neuordnung der Führungsschicht, der militärischen Siedlungspolitik sowie der gezielten Einflussnahme auf kirchliche Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, durch welche konkreten politischen und strukturellen Mittel das langobardische Italien in das fränkische Herrschaftssystem integriert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine quellenbasierte Analyse der historischen Vorgänge im Zeitraum von 774 bis 814, gestützt durch die Auswertung zeitgenössischer Kapitularien und historischer Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die konkreten Maßnahmen der Etablierung behandelt, wie die Umwandlung von Herzogtümern in Grafschaften, der Austausch der Elite, die Kontrollfunktion der missi und die Rolle des italienischen Unterkönigtums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Karl der Große, Langobardenreich, Frankenherrschaft, Grafschaftsverfassung, Königsboten, Siedlungspolitik und Unterkönigtum.
Warum war die Einsetzung von Königsboten für Karl so wichtig?
Die Königsboten waren essenziell, um die lokalen Machthaber effektiv zu kontrollieren, da die direkte Aufsicht über die entlegenen Regionen für den Frankenkönig sonst schwer zu gewährleisten war.
Welche Rolle spielten die Klöster für die fränkische Herrschaft?
Die Klöster dienten nicht nur religiösen Zwecken, sondern wurden durch Schenkungen und Immunitätsrechte als strategische Stützpunkte entlang wichtiger Verbindungswege zur Sicherung der fränkischen Oberhoheit genutzt.
Warum wurde das italienische Unterkönigtum für Pippin eingerichtet?
Das Unterkönigtum sollte eine unmittelbarere Wahrnehmung italienischer Belange ermöglichen und die Region stärker an das fränkische Königshaus binden, ohne dabei die historische Sonderstellung des Reiches komplett aufzugeben.
- Quote paper
- Dirk Bittner (Author), 1998, Die Etablierung der Frankenherrschaft im Langobardenreich (774-814), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/37571