Diese Arbeit soll das Ziel haben, die Theatertheorie Antonin Artauds des Theaters der Grausamkeit vorzustellen, um die Rolle und Funktion der Schauspieler_innen in diesem Theater bestimmen zu können. Dabei wird so vorgegangen, dass im ersten Teil dieser Arbeit ein Überblick über Artauds Theorien und Konzepte gegeben wird, um in den nächsten Punkten im speziellen die Charakteristika, Ziele und angewandten Techniken des Théâtre de la cruauté herauszuarbeiten. Als Primärquelle werden hierbei seine Aufsätze aus dem Werk "Le théâtre et son double" verwendet. Erst nach dieser Untersuchung ist es möglich, in den abschließenden Kapiteln dieser Arbeit die Rolle der Schauspieler_innen auszumachen und an Artauds Theorien festzumachen. Gefragt wird hierbei nach deren Techniken und besonders der damit einhergehenden Wirkungserzeugung den Zuschauer_innen gegenüber: Wie können Schauspieler_innen Theater der Grausamkeit umsetzen?
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Antonin Artauds Theater der Grausamkeit
II.I Grausamkeit und wie sie wirkt
II.II Techniken des Theaters der Grausamkeit
III Die Schauspieler_innen im Theater der Grausamkeit
III.I Der_die Schauspieler_in als Marionette
III.II Die Beziehung Schauspieler_in – Zuschauer_in
III.III Gefühlsathletik
IV Conclusio
V Quellenangabe
V.I Primärquelle
V.II Sekundärquellen
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Theatertheorie Antonin Artauds und konzentriert sich dabei speziell auf die Rolle und Funktion der Schauspieler_innen innerhalb des „Theaters der Grausamkeit“, um deren Techniken und die beabsichtigte Wirkung auf das Publikum zu analysieren.
- Theoretische Grundlagen des Theaters der Grausamkeit
- Analyse der Wirkung von Grausamkeit als metaphysisches Konzept
- Die Transformation des Schauspielers zur Marionette des Regisseurs
- Aufhebung der Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum
- Das Konzept der Gefühlsathletik und der Einsatz des menschlichen Körpers
Auszug aus dem Buch
III.II Die Beziehung Schauspieler_in – Zuschauer_in
Zwischen Zuschauer und Schauspiel, zwischen Schauspieler und Zuschauer wird wieder eine direkte Verbindung geschaffen werden, denn der im Zentrum der Handlung befindliche Zuschauer wird von ihr umhüllt und durchzogen.23
Dieses Verbinden von Schauspieler_in und Zuschauer_in wird vor allem durch den Bühnenraum des Theaters der Grausamkeit, der so keiner ist, vergünstigt. „Wir schaffen Bühne wie Zuschauerraum ab“24 – ersetzt werden diese durch einen Theaterort ohne Grenzen und Abtrennungen, in dem das Publikum zentriert auf drehbaren Stühlen Platz nehmen, „so daß [sic!] es dem Schauspiel folgen kann, das sich rundherum abspielt.“25 Diese Verteilung des Schauspiels auf den ganzen Raum soll die Zuschauer_innen erfassen und mit einbringen. Artaud teilt hierbei diesen Grundgedanken mit einem Großteil der Avantgarde-Bewegung des 20. Jahrhunderts: „Spieler und Zuschauer, Bühne und Zuschauerraum sind ihrem Ursprung und Wesen nach nicht entgegengesetzt, sondern eine Einheit.“26 Sie werden Teil der Handlungen, die um sie und zwischen ihnen passieren, sind diesen vollkommen ausgesetzt: Sie müssen sie über sich ergehen lassen.27
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Dieses Kapitel legt das Ziel der Arbeit dar, Artauds Theatertheorie vorzustellen und die spezifische Rolle der Schauspieler_innen innerhalb dieses Konzepts zu bestimmen.
II Antonin Artauds Theater der Grausamkeit: Es wird ein Überblick über die Entstehungsgeschichte, die Ziele und die Charakteristika des Theaters der Grausamkeit gegeben, um Artauds Reformbestrebungen zu beleuchten.
II.I Grausamkeit und wie sie wirkt: Dieses Kapitel erläutert, dass Artauds Begriff der „Grausamkeit“ nicht physisch, sondern metaphysisch zu verstehen ist und als Form der Seelentherapie fungieren soll.
II.II Techniken des Theaters der Grausamkeit: Hier werden die ästhetischen Mittel wie die neue Verwendung von Sprache, Gebärden und symbolischen Objekten analysiert, die das Publikum aus der Lethargie reißen sollen.
III Die Schauspieler_innen im Theater der Grausamkeit: Dieses Kapitel bildet den analytischen Kern über die Funktion und den Sonderstatus des schauspielenden Personals innerhalb der neuen Bühnenwirklichkeit.
III.I Der_die Schauspieler_in als Marionette: Die Untersuchung befasst sich mit dem Verlust der schauspielerischen Eigeninitiative zugunsten einer Führung durch den Regisseur als alleinigem Schöpfer.
III.II Die Beziehung Schauspieler_in – Zuschauer_in: Das Kapitel beschreibt die räumliche Neuordnung des Theaters, um eine direkte und unvermittelte Verbindung zwischen Spielern und Zuschauern zu etablieren.
III.III Gefühlsathletik: Hier werden die körperlichen Anforderungen an die Schauspieler erläutert, insbesondere der bewusste Einsatz von Atem und Schrei zur Erzeugung von Gefühlszuständen.
IV Conclusio: Das Fazit fasst zusammen, dass die Schauspieler_innen als depersonalisierte Instrumente agieren, um durch eine instinktive und körperliche Ausdrucksweise eine kulturelle Transformation zu ermöglichen.
V Quellenangabe: Auflistung der verwendeten Primärquelle sowie der relevanten Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Antonin Artaud, Theater der Grausamkeit, Schauspieltheorie, Gefühlsathletik, Avantgarde, Bühnenraum, Metaphysik, Marionette, Körperarbeit, Theater der Grausamkeit, Ausdruckskraft, Regiekonzeption, Theatertheorie, Wahrnehmung, Seelentherapie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Theatertheorie des „Theaters der Grausamkeit“ von Antonin Artaud mit einem besonderen Fokus auf die Rolle, Funktion und Technik der Schauspieler_innen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Transformation des Bühnenraums, die metaphysische Bedeutung von Grausamkeit, die körperliche Ausbildung des Schauspielers und die neue Beziehung zum Publikum.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie Schauspieler_innen das Theater der Grausamkeit umsetzen können und welche Techniken dabei zum Einsatz kommen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse von Artauds Werk „Le théâtre et son double“ sowie der Auswertung theaterwissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung von Artauds Theatertheorie und die detaillierte Untersuchung schauspielerischer Aspekte wie der „Marionetten-Rolle“ und der „Gefühlsathletik“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Artaud, Theater der Grausamkeit, Gefühlsathletik, Schauspieltechnik, Körperarbeit und die Beziehung zwischen Spieler und Zuschauer.
Was bedeutet „Gefühlsathletik“ im Kontext der Arbeit?
Es beschreibt eine spezielle Schauspieltechnik, bei der Gefühle körperlich lokalisiert und durch bewusste Kontrolle von Atem und Schrei erzeugt werden, um eine physisch anstrengende Ausdrucksform zu erreichen.
Warum betrachtet Artaud den Schauspieler als „Marionette“?
Da der Regisseur als einziger Schöpfer fungiert und die schauspielerische Eigeninitiative zugunsten einer vollständigen Unterordnung unter die neue Bühnensprache entfällt, wird der Schauspieler zum Instrument oder zur Marionette.
- Arbeit zitieren
- Susanna Herman (Autor:in), 2017, Die Rolle der Schauspieler/ Schauspielerinnen in Antonin Artauds "Theater der Grausamkeit", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/375613