Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte der Mädchenbildung in Deutschland und der Entwicklung des Berufs Lehrerin.
Im 19. Jahrhundert und bis etwa 1920 waren Lehrerinnen an Volksschulen, an höheren Mädchenschulen und in Privathaushalten angestellt. Es gab für sie noch keine einheitliche Ausbildung. So hatten einige von ihnen Lehrerseminare besucht und andere sich über Privatunterricht oder autodidaktische Studien auf die Lehrerinnenprüfung vorbereitet. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Der Lehrerinnenberuf
2. Geschichte der höheren Mädchenbildung in Deutschland, Schwerpunkt: Beruf Lehrerin
3. Diskurse, Reformbestrebungen und Institutionen
4. Situation der Lehrerinnen heute im Vergleich zu früher
5. Historische Bildungsforschung und Lehrerinnenberuf
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Lehrerinnenberufs in Deutschland im Kontext der höheren Mädchenbildung, beleuchtet die soziokulturellen Rahmenbedingungen, Reformprozesse und institutionellen Strukturen zwischen dem 19. Jahrhundert und der heutigen Zeit.
- Berufliche Situation und gesellschaftliche Rolle der Lehrerin im 19. Jahrhundert und der Kaiserzeit
- Professionalisierungsbestrebungen und der Einfluss des Lehrerinnenzölibats
- Rolle der bürgerlichen Frauenbewegung und des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins (ADLV)
- Wandel der Bildungswege für Frauen und die Bedeutung der höheren Mädchenbildung
- Vergleichende Analyse der Situation von Lehrerinnen heute in Bezug auf Ansehen und berufliche Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
Im Zuge der Kulturreform zu Beginn der Kaiserzeit wurden viele bisherige Privatschulen in öffentliche umgewandelt, und man beschäftigte sich unter anderem mit der Schulaufsicht und Lehrerbesoldung. Das führte zu einem allgemeinen Professionalisierungsanspruch. Viele akademisch gebildete Lehrer wechselten nun in Mädchenschulen über, weil ihnen dort eine Festanstellung sicherer war als an den Knabenschulen. Infolgedessen verloren viele Lehrerinnen ihre Stelle, insbesondere Direktorinnen wurden durch Männer ersetzt. Um die Professionalisierungsbestrebungen zu fördern, wurde unter anderem ein Lehrerinnenzölibat eingeführt. Sogar organisierte Lehrerinnen befürworteten das Zölibat. Sie strebten eine berufliche Gleichstellung mit ihren männlichen Kollegen an und sahen in der unregelmäßigen Amtsführung durch verheiratete Lehrerinnen diese Gleichstellung gefährdet. Nur eine Minderheit des „Landesvereins preußischer Volksschullehrerinnen“ plädierte für die Abschaffung des Zölibats. Da Lehrerinnen zahlenmäßig im gleichen Umfang heirateten wie andere Frauen, wurden ständig Stellen frei und in der Regel durch männliche Kollegen ersetzt. Häufig waren dies Theologen, die auf eine Pastorenstelle warteten. Auch dadurch gab es eine hohe Fluktuation in den Kollegien der Volks- und Mädchenschulen. In einer Übergangszeit, in der auch verheiratete Lehrerinnen wieder unterrichten durften, verloren diese alle Vorteile eine Verbeamtung und wurden zu billigen Arbeitskräften, denen jederzeit gekündigt werden konnte. Infolgedessen schlossen sich viele Lehrerinnen der damaligen bürgerlichen Frauenbewegung an und gründeten den „Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein“ (ADLV), den Helene Lange über 30 Jahre leitete. Sie engagierte sich besonders für die höhere Mädchenbildung und beschäftigte sich – damit verbunden – auch mit der Lehrerinnenfrage. Erst wenn man an den Mädchenschulen das Abitur machen könnte, wäre eine mit den Männern gleichgestellte wissenschaftliche Lehrerausbildung möglich und könnten Lehrerinnen im höheren Schulwesen gleichberechtigt unterrichten.
Zusammenfassung der Kapitel
Der Lehrerinnenberuf: Einführung in die historische Ausgangslage des Lehrerinnenberufs im 19. Jahrhundert und die fehlende einheitliche Ausbildung.
Geschichte der höheren Mädchenbildung in Deutschland, Schwerpunkt: Beruf Lehrerin: Darstellung der sozioökonomischen Zwänge und der Bedeutung des Berufs als Versorgung oder Übergangslösung für Frauen des Bürgertums.
Diskurse, Reformbestrebungen und Institutionen: Analyse der Auswirkungen der Schulreformen, des Zölibats und der Gründung des ADLV auf die Professionalisierung und Gleichstellung von Lehrerinnen.
Situation der Lehrerinnen heute im Vergleich zu früher: Diskussion über moderne Begriffe wie „Feminisierung“ sowie die heutige Attraktivität und gesellschaftliche Stellung des Lehrerberufs.
Historische Bildungsforschung und Lehrerinnenberuf: Untersuchung von Selbst- und Fremdvorstellungen sowie der Rolle der Lehrerinnen als Kulturvermittlerinnen anhand biographischer Zeugnisse.
Schlüsselwörter
Lehrerinnenberuf, höhere Mädchenbildung, Kaiserzeit, Lehrerinnenzölibat, Frauenbewegung, Allgemeiner Deutscher Lehrerinnenverein, Professionalisierung, Helene Lange, Schulreform, Bildungsforschung, Geschlechterrollen, Feminisierung, Bildungsgeschichte, Autodidaktische Studien, Schuldienst
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die geschichtliche Entwicklung des Lehrerinnenberufs in Deutschland von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung der höheren Mädchenbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die beruflichen Einstellungsbedingungen, der Einfluss gesellschaftlicher Reformen, die Gründung frauenrechtlerischer Organisationen wie der ADLV sowie der Wandel des gesellschaftlichen Ansehens des Lehrerberufs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die historischen Rahmenbedingungen, unter denen Frauen den Lehrerberuf ergriffen haben, zu analysieren und diese in den Kontext aktueller Entwicklungen und Diskurse zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-analytischen Methode, bei der Biografien, Reiseberichte und historische Sekundärliteratur zur Erforschung von Selbst- und Fremdbildern herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Professionalisierung, dem Zölibat für Lehrerinnen, der Rolle von Helene Lange sowie dem Vergleich zur heutigen Situation im Schuldienst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Lehrerinnenberuf, höhere Mädchenbildung, Frauenbewegung, Zölibat, Professionalisierung und historische Bildungsforschung.
Warum wurde das Lehrerinnenzölibat von einigen Frauen befürwortet?
Interessanterweise befürworteten einige organisierte Lehrerinnen das Zölibat, da sie eine unregelmäßige Amtsführung durch verheiratete Kolleginnen befürchteten und eine berufliche Gleichstellung mit ihren männlichen Kollegen anstrebten.
Welche Rolle spielte der „Allgemeine Deutsche Lehrerinnenverein“ (ADLV)?
Der ADLV, geleitet von Helene Lange, engagierte sich maßgeblich für die Reform der höheren Mädchenbildung und die Verbesserung der Ausbildungssituation, um eine Gleichstellung mit männlichen Lehrkräften zu erreichen.
Wie unterscheidet sich die heutige Situation im Vergleich zum Jahr 1900?
Während damals die Abwanderung ins Ausland eine Folge von Einstellungsnot war, stehen Frauen heute andere Berufswege offen, obwohl auch heute mehr Bewerber als Stellen im Schuldienst existieren.
- Quote paper
- Susanne Pillmann (Author), 2013, Mädchenbildung in Deutschland. Geschichte des Berufs Lehrerin, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/375169