Ist das Lernen mittels Lehrer und Lehrbuch veraltet? Können Lehrer, Bücher und physische Schulen abgeschafft und durch Maschinen ersetzt werden? Können digitale Medien den Unterricht einzigartig individuell gestalten und somit schulische Lernprozesse effektiver und allen Menschen gleichermaßen zugänglich machen? Sind Videos in der Lage, Lernen unabhängig von Zeit und Raum zu ermöglichen und soziale Unterschiede auszugleichen? Und existiert ein Schema, nach dem Videos gestaltet werden können, um Lernerfolg zu garantieren?
Das sind die Fragen, die in diesem Beitrag behandelt werden, der vom Einsatz digitaler Medien in der schulischen (Aus-) Bildung und von „digitaler Kompetenz“ handelt. Schließlich wird erörtert, wie Lernvideos gestaltet sein sollten, damit sie schulische Lernprozesse optimal unterstützen können und welchen Stellenwert diese Fragestellung bisher in der wissenschaftlichen Forschung einnimmt.
Im Rahmen dieser Betrachtung wird erörtert, welche Merkmale Lernvideos aufweisen sollten, um den damit verbundenen Lernprozess der/des Lernenden optimal zu un-terstützen. Zuerst erfolgt eine Definition der zentralen Begriffe und des Betrach-tungsgegenstandes. Es folgt eine Darstellung von Möglichkeiten und Grenzen sowie eine Analyse des Aufbaus eines qualitativ hochwertigen Lernvideos. Schließlich folgen methodische Überlegungen zur weiteren wissenschaftlichen Analyse und Unter-suchung des Themas.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lernvideos in der schulischen Bildung - begriffliche Abgrenzung und Bedeutung
2.1. Möglichkeiten und Grenzen von Lernvideos
2.2. Die Gestaltung eines qualitativ hochwertigen Lernvideos
3. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einsatz digitaler Lernvideos in der schulischen Bildung mit dem Ziel, deren Potenzial zur Unterstützung individueller Lernprozesse kritisch zu beleuchten und Kriterien für eine didaktisch hochwertige Gestaltung zu identifizieren.
- Möglichkeiten und Grenzen beim Einsatz von Lernvideos
- Vergleich von Online-Lernformaten wie MOOCs und schulischem Präsenzunterricht
- Kriterien für die Gestaltung effektiver und qualitativ hochwertiger Lernvideos
- Anwendung der Cognitive Load Theory auf die Konzeption digitaler Lehrmaterialien
- Bedeutung zwischenmenschlicher Interaktion im Lernprozess
Auszug aus dem Buch
2. Lernvideos in der schulischen Bildung - begriffliche Abgrenzung und Bedeutung
Lernvideos sind relativ kurze (unter 10 Minuten) Videos, die Erklärungen oder Anleitungen für Probleme in bestimmten Fachgebieten präsentieren (Atkinson/Derry/Renkl/Wortham 2000). Diese Videos werden über das Internet zugänglich gemacht und können vom Lernenden an jedem beliebigen Ort (mit Internetzugang) und zu jeder beliebigen Zeit abgerufen und verwendet werden.
Für die Gestaltung eines Lernvideos stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Zu den geläufigsten Arten von Lernvideos zählen Screencasts, Animierte Videos, Common-Craft-Videos oder Aufzeichnungen. Unter „Screencast“ versteht man die Aufnahme des Geschehens am Bildschirm. Screencasts werden gerne für die Erklärung von Software eingesetzt, aber auch für die Erstellung von Lernvideos, beispielsweise indem durch eine Präsentation geblättert oder indem ein zu Beginn ein leeres Dokument am Bildschirm Schritt für Schritt und unter Kommentaren gestaltet wird. Durch animierte Videos werden Inhalte mit einfachen, symbolhaften Darstellungen visualisiert und mit Audiotext und/oder Hintergrundmusik versehen. Bei Common-Craft-Videos werden ausgeschnittene Figuren, Abbildungen und Texte gelegt und verschoben. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Aufnahme von Tafelbildern, Whiteboards oder Vorträgen. Eine weitere beliebte Art der Erstellung eines Lernvideos ist die Aufzeichnung eines Live-Vortrages.
Lernvideos können den Schulunterricht bereichern, indem sie zur Vor- oder Nachbereitung oder direkt im Präsenzunterricht eingesetzt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die Rolle klassischer Lehrmittel gegenüber digitalen Medien und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der optimalen Gestaltung von Lernvideos zur Unterstützung schulischer Lernprozesse.
2. Lernvideos in der schulischen Bildung - begriffliche Abgrenzung und Bedeutung: Dieses Kapitel definiert Lernvideos, erläutert verschiedene Erstellungsarten und diskutiert sowohl didaktische Potenziale als auch die Notwendigkeit menschlicher Interaktion im Lehr-Lern-Prozess.
3. Conclusio: Das Fazit fasst zusammen, dass Lernvideos zwar wertvolle Ergänzungen darstellen, jedoch die physische Präsenz und den Austausch zwischen Lehrenden und Lernenden für einen nachhaltigen Lernerfolg nicht ersetzen können.
Schlüsselwörter
Lernvideos, schulische Bildung, digitale Kompetenz, Flipped Classroom, E-Learning, didaktisches Design, Cognitive Load Theory, Multimediaprinzip, Lernprozess, Screencast, MOOCs, Wissensvermittlung, Instruktionsdesign, Medienpädagogik, Unterrichtsgestaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt den Einsatz von digitalen Lernvideos und deren Rolle bei der Gestaltung und Unterstützung moderner schulischer Lernprozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Abgrenzung und Bedeutung von Lernvideos, die verschiedenen technischen Möglichkeiten ihrer Erstellung sowie die didaktischen Gestaltungsprinzipien für effektives Lernen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu erörtern, wie Lernvideos gestaltet sein müssen, um schulische Lernprozesse optimal zu unterstützen und welchen Stellenwert diese in der wissenschaftlichen Forschung einnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, bei der aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu Lerntheorien und mediendidaktischen Designprinzipien zusammengetragen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Möglichkeiten und Grenzen von Lernvideos, vergleicht diese mit anderen Online-Formaten wie MOOCs und leitet Gestaltungskriterien auf Basis psychologischer Prinzipien ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Lernvideos, Flipped Classroom, digitale Kompetenz, Cognitive Load Theory und mediendidaktisches Design.
Warum können Lernvideos den Lehrer nicht ersetzen?
Wie im Kapitel zur Conclusio erläutert, fehlt rein videobasierten Formaten oft der notwendige menschliche Dialog, die direkte Unterstützung bei Verständnisfragen und die persönliche Motivation durch Präsenz.
Was besagt das Modalitätseffekt-Prinzip in diesem Kontext?
Der Modalitätseffekt besagt, dass zur Erklärung von Abbildungen gesprochener Text effektiver ist als geschriebener Text, da er die kognitive Belastung des Lernenden reduziert.
- Quote paper
- Claudia Hofmann (Author), 2017, Unterstützung schulischer Lernprozesse durch Lernvideos, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/374548