"Wozu brauchen wir noch Banken?", diese und zahlreiche ähnliche bankkritische Schlagzeilen betiteln derzeit des Öfteren die Artikel deutscher Wirtschaftsliteratur. Auch Ralf Beck, Professor an der Fachhochschule in Dortmund, beschäftigt sich in seinem Buch "Wer braucht noch Banken?" mit der oben gestellten Frage und beantwortet diese sinnbildlich mit einer "Roten Karte" für diese.
Er beschreibt, dass die bisherigen Bankkunden durch Fintech- Akteure unabhängig vom klassischen Bankwesen werden können. Die oben angesprochenen Fintechs sind neue, innovative Teilnehmer auf dem Finanzmarkt, die mit technischen Lösungen, wie beispielsweise mit Online- Plattformen, die Stellung eines Finanzintermediärs einnehmen, ohne dabei selbst ins Risiko zu gehen, dadurch, dass sie sich zumeist auf Schwarmfinanzierung (Crowdfunding) spezialisieren.Auch in Deutschland erfreut sich dieses Crowdfunding wachsender Beliebtheit.
Vor allem in der Start-up-Szene, in der den neu gegründeten Unternehmen immer häufiger die Kreditvergabe durch Banken wegen strengerer aufsichtsrechtlicher Rahmenbedingungen (Stichwort Basel III) verwehrt bleibt, wird auf die hochtechnisierte Konkurrenz zurückgegriffen. Gerhard Dilger und Roland Marko beschreiben die aktuelle Situation zwischen Fintechs und den klassischen Banken sehr treffend mit den Worten: "Gerade im Bereich des darlehenbasierten Crowdfunding, Crowdlending, schließen zunehmend Fintechs diese Finanzierungslücke und setzen sich damit in unmittelbaren Wettbewerb zum klassischen Kreditgeschäft etablierter Banken."
Doch stellen Crowdfundingplattformen, speziell Crowdlending, tatsächlich eine ernstzunehmende Bedrohung für Banken hinsichtlich der klassischen Mittelstandsfinanzierung dar oder werden sich ausschließlich sehr risikobehaftete und innovative Existenzgründer über Crowdlending-Alternativen finanzieren, sodass es nur zu geringen Überschneidungen der Zielgruppen kommt? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich die vorliegende Ausarbeitung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vergleich von Crowdlending und klassischer Bankfinanzierung im Mittelstand
2.1 Begriffsklärung und Darstellung von Crowdlending
2.2 Prozess bzw. Ablauf des Crowdlendings
2.3 Abgrenzung „Mittelstand“
2.4 Vergleich
2.4.1 Ausgestaltungsmöglichkeiten des Kreditvertrags
2.4.2 Konditionen und Gebühren
2.4.3 Zugänglichkeit zu Krediten
2.4.4 Bürokratischer und zeitlicher Aufwand
2.4.5 Weitere Vorteile von Bankfinanzierung bzw. Crowdlending
2.4.5.1 Zusätzliche Vorteile der Bankfinanzierung
2.4.5.2 Zusätzliche Vorteile von Crowdlending
2.5 Zwischenfazit - Crowdlending vs. Hausbank
2.6 Mögliche Veränderungen der Marktgegebenheiten
3. Fazit - Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das Modell des Crowdlendings für etablierte mittelständische Unternehmen eine ernstzunehmende Konkurrenz zur klassischen Bankfinanzierung darstellt oder ob beide Finanzierungsformen unterschiedliche Marktsegmente bedienen.
- Analyse der Funktionsweise von Crowdlending-Plattformen.
- Detaillierter Vergleich der Kreditkonditionen, Vertragsgestaltung und des administrativen Aufwands zwischen Crowdlending und Banken.
- Evaluierung der Bedeutung der Hausbankbeziehung für den deutschen Mittelstand.
- Untersuchung von Marktveränderungen durch Fintechs und technologische Innovationen.
- Einschätzung der zukünftigen Wettbewerbssituation im Kreditmarkt.
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Zugänglichkeit zu Krediten
In den Grundzügen des Prozesses der Entscheidung über Mittelvergabe bzw. Platzierung auf der Website unterscheidet sich die Hausbankfinanzierung kaum vom Crowdlending. Bei beiden Alternativen werden auf Basis von eingereichten Unterlagen über Vermögens-/Ertrags- und Finanzlage unter Zuhilfenahme von Daten von Auskunfteien ein Rating bzw. ein Bonitätsindex erstellt. Jene Angaben geben nun einen Hinweis darauf, wie risikoreich die jeweilige Kreditvergabe ist. Dies bildet die Grundlage für die Entscheidung des Kreditberaters bei der Hausbank und für die Veröffentlichung auf der Webseite beim Crowdlending.
Hinsichtlich der Intensität der Bonitätsprüfung unterscheiden sich die einzelnen Plattformen jedoch deutlich. Dies spiegelt sich auch in der Anzahl der angeforderten Unterlagen wider, die bei einer betrieblichen Crowdlendingfinanzierung deutlich größer ist als bei einer privaten. Ein Kreditnehmer muss beispielsweise bei einem Kreditantrag auf „Funding Circle“ Jahresabschlüsse (Bilanzen und GuV-Rechnungen) der letzten drei Berichtsperioden, korrespondierende Betriebswirtschaftliche Auswertung zum Berichtsperiodenende und des Vorjahres (inkl. Summen- und Saldenlisten) aufliefern. Ähnlich wird es bei Lendicio gehandhabt, wo Jahresabschlüsse der letzten beiden Jahre, sowie Betriebswirtschaftliche Abrechnungen des laufenden Geschäftsjahres eingereicht werden müssen. Hierbei wird deutlich, dass kaum Unterschiede zu klassischen Ratingverfahren der Banken existieren. Eine Folge dieser intensiven Prüfung ist, dass nach eigenen Angaben der Plattformbetreiber nur 10% bis 25% der Anfragen der angestrebte Pitch auf der Crowdlendingplattform ermöglicht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den durch innovative Fintechs und Online-Plattformen getriebenen Wandel im Finanzmarkt und stellt die Forschungsfrage, ob Crowdlending eine echte Bedrohung für die klassische Mittelstandsfinanzierung darstellt.
2. Vergleich von Crowdlending und klassischer Bankfinanzierung im Mittelstand: Dieses Hauptkapitel nimmt eine detaillierte Gegenüberstellung der beiden Finanzierungsformen vor, wobei Aspekte wie Vertragsgestaltung, Kosten, Bonitätsprüfung und zeitlicher Aufwand analysiert werden.
3. Fazit - Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Crowdlending für den Mittelstand aktuell keine Gefahr für die Hausbanken darstellt, betont jedoch die Notwendigkeit für Banken, sich frühzeitig auf technologische Wandlungsprozesse einzustellen.
Schlüsselwörter
Crowdlending, Mittelstand, Bankfinanzierung, Hausbank, Fintech, Kreditvergabe, Bonitätsprüfung, Finanzierungsalternative, Digitalisierung, Kapitalmarkt, Kreditausfallrisiko, Unternehmensfinanzierung, Investoren, Wettbewerb, Marktveränderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Wettbewerbsfähigkeit von Crowdlending im Vergleich zur klassischen Bankfinanzierung, speziell mit Blick auf etablierte mittelständische Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Ablauf von Crowdlending-Prozessen, die Anforderungen an Unternehmen bei der Kreditbeantragung, die Rolle der Hausbank sowie die Auswirkungen von technologischem Wandel auf den Bankensektor.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob Crowdlending eine echte Alternative zur traditionellen Hausbankfinanzierung im deutschen Mittelstand darstellt oder ob sich diese Angebote an unterschiedliche Zielgruppen richten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie den Vergleich von Finanzierungsmerkmalen und Prozessen anhand aktueller Daten und Studien zu Fintechs und Banken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Definition von Crowdlending, die Abgrenzung des Mittelstandsbegriffs sowie einen detaillierten Vergleich von Konditionen, Bürokratie und Risikoprüfungen zwischen Online-Plattformen und Banken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Crowdlending, Mittelstandsfinanzierung, Fintech, Bonitätsprüfung und Hausbankbeziehung.
Warum spielt die Bonitätsprüfung bei Crowdlending eine so große Rolle?
Da Investoren auf Crowdlending-Plattformen in der Regel das volle Ausfallrisiko tragen, führen Plattformen intensive Prüfungen durch, die den klassischen Ratingverfahren von Banken stark ähneln.
Ist Crowdlending eine Gefahr für die klassische Mittelstandsfinanzierung?
Aktuell wird dies verneint, da Mittelständler stark auf die Beratungsqualität und die enge Verbundenheit zu ihrer Hausbank setzen, was Crowdlending-Plattformen in dieser Form nicht bieten können.
- Arbeit zitieren
- Julian Schneidereit (Autor:in), 2016, Crowdlending im Mittelstand. Eine Gefahr für die Hausbank?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/374349