Diese Arbeit beschäftigt sich mit der mythischen Anschauung des Nibelungenliedes. Unter Heranziehung der Argumentation Jan- Dirk Müllers wird untersucht, inwieweit sich das Mythische innerhalb dieses Textes offenbart.
Inhaltsverzeichnis
1. Mythische Dimensionen
1.1 Anderweltliches
1.2 Depotenzierung der mythischen Welt
1.3 Das Wuchern des Nibelungenlandes
1.4 Mythische Dimensionen – Der Rausch der Vernichtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Grundlage der Monografie von Jan-Dirk Müller, in welcher Weise sich mythische Elemente und Dimensionen innerhalb des Nibelungenliedes manifestieren und wie diese mit der feudalen Realität der Helden interagieren.
- Analyse der mythischen Welt im Kontrast zur feudal geprägten Realität.
- Untersuchung der räumlichen und zeitlichen Unbestimmtheiten als Indikatoren des Mythischen.
- Bewertung der "Depotenzierung" mythischer Kräfte und Gegenstände im Handlungsverlauf.
- Betrachtung der Verschmelzung mythischer und realer Sphären bis hin zum Untergang der Helden.
- Interpretation von Tiersymbolik und rituellen Elementen im Kontext der Nibelungensage.
Auszug aus dem Buch
Depotenzierung der mythischen Welt
Im nächsten Passus widmet sich Jan- Dirk Müller der ‚Depotenzierung der mythischen Welt‘ (S.159). In diesem spricht er u.a. von mythischen Kräften, welche insbesondere durch die Figuren des Siegfrieds und der Brünhild verkörpert werden. Jene sind gewissermaßen nur unter bestimmten Bedingungen problemlos umsetzbar. Diesen Umstand macht er neben anderen Begebenheiten, am Paradigma der Königin Isensteins fest. Denn ihre übernatürliche Stärke (Siegfried jedoch unterlegen) ist unabdingbar an ihre Jungfräulichkeit geknüpft. So zeigt es sich, dass Brünhild (nach einer vorhergehenden List Gunthers und Siegfrieds) nach dem Verlust ihrer Unberührtheit, hervorgeführt durch ihren Ehemann Gunther, ebenso ihrer Kräfte entzogen wird.
Darüber hinaus macht der Mediävist deutlich, dass magische Wesen und Gegenstände im Nibelungenlied explizit erwähnt werden. Dazu zählen Drachen, Zwerge, Riesen, ein unerschöpflicher Schatz, eine Rute die, die Weltherrschaft garantiert sowie ein Objekt, welches in der Überlieferung als tarnhût bezeichnet wird. Allein dieses Hilfsmittel und militärische Gefolgsleute - die Nibelunge, kommen in der bekannten Welt zum Tragen. Die verbleibenden, zuvor aufgezählten Mythen bestehen nur in der ‚Anderwelt‘ weiter fort.
Zusammenfassung der Kapitel
Mythische Dimensionen: Einführung in die thematische Auseinandersetzung mit der mythischen Anschauung des Heldenepos durch die Argumentationsstruktur von Jan-Dirk Müller.
Anderweltliches: Differenzierung zwischen einer gewöhnlichen feudalen Welt und einer mythischen Dimension, untermauert durch räumliche und zeitliche Unbestimmtheiten in der Darstellung.
Depotenzierung der mythischen Welt: Untersuchung des schrittweisen Verlusts übernatürlicher Kräfte und der Entmachtung mythischer Artefakte im Verlauf der Erzählung.
Das Wuchern des Nibelungenlandes: Analyse der scheinbaren Beseitigung des Helden und der damit verbundenen Eingliederung mythischer Gegenwelten in die reale Handlungsebene.
Mythische Dimensionen – Der Rausch der Vernichtung: Zusammenfassende Betrachtung der eskalierenden Ereignisse am Hofe Etzels und die Deutung ritueller sowie symbolischer Aspekte.
Schlüsselwörter
Nibelungenlied, Jan-Dirk Müller, Mythos, Feudalwelt, Anderwelt, Depotenzierung, Siegfried, Brünhild, tarnhût, Nibelungenland, Hagen, Heldenepos, Symbolik, Literaturwissenschaft, Interpretation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die mythologischen Aspekte des Nibelungenliedes unter kritischer Einbeziehung der Forschungsergebnisse von Jan-Dirk Müller.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Abgrenzung zwischen mythischer und feudaler Welt, die Depotenzierung mythischer Kräfte sowie der Übergang von Mythen in die Handlung der Erzählung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Nibelungenlied mythische Dimensionen offenbart und wie diese im Verlauf des Epos durch verschiedene Ereignisse und Deutungsmuster verändert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Argumentationsanalyse, wobei die Thesen des Mediävisten Jan-Dirk Müller reflektiert und durch Textstellen aus dem Heldenepos belegt werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich entlang der vier Unterpunkte Müllers, von der Definition des "Anderweltlichen" bis hin zur symbolischen Interpretation des Untergangs der Burgunden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Heldenepos, Mythische Dimensionen, Feudalwelt, Entmythisierung und Interpretation von Tiersymbolen beschreiben.
Welche Rolle spielt die "tarnhût" im Kontext der Depotenzierung?
Sie wird als magisches Objekt identifiziert, dessen Wirksamkeit im Handlungsverlauf abnimmt, was den Prozess der Entmythisierung innerhalb des Werkes verdeutlicht.
Wie werden die Träume von Kriemhild und Ute in der Arbeit gedeutet?
Sie dienen als anregender Aspekt, da sie durch ihre tierischen Protagonisten auf eine symbolische Ebene verweisen, die den Untergang der Helden voraussagt.
Warum vergleicht der Autor den Brandanschlag am Hofe Etzels mit einer "Blutmesse"?
Dieser Vergleich unterstreicht den rituellen und fast blasphemischen Charakter der Verzweiflungstaten Hagens, was einen neuen Interpretationsansatz für das Ende des Epos bietet.
- Arbeit zitieren
- Madlen Stiebler (Autor:in), 2015, Das Mythische im Nibelungenlied. Eine kurze Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/374185