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Der Kommunikationsbegriff in der Theorie sozialer Systeme. Versuch einer Kritik aus handlungstheoretischer Perspektive

Title: Der Kommunikationsbegriff in der Theorie sozialer Systeme. Versuch einer Kritik aus handlungstheoretischer Perspektive

Term Paper , 1996 , 23 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Dirk Themann (Author)

Sociology - Communication

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In diesem Text geht es um den Kommunikationsbegriff der weit mehr umfasst als lediglich eine technische Verkürzung der Kommunikation auf Informationen. Es wird gezeigt, dass Kommunikation gesellschaftsbildend ist, also soziale Systeme schafft, die sich von anderen Systemen durch ihre Kommunikation abgrenzt. Grade hierdurch wird in einer moderenen Kommunikationsgesellschaft deutlich, wie Gesellschaft funktioniert. Dabei wird Kommuniktion nicht wie in vielen Modellen nicht vereinfacht, vielmehr geht es um die Zusammenhänge Zusammenhänge zwischen Verstehen, Sinngebung, Selektion und Kontingenz.

Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, dass die Diskussion über Kommunikation in der Gegenwart häufig entlang zweier Achsen verläuft. Zum einen wird Kommunikation anhand technischer Möglichkeiten erörtert, zum anderen wird sie über Kommunikationsmodelle nahezu metaphorisch verbildlicht. Beide Achsen sind aber redundante Formen eines sehr komplexen Kommunikationsprozesses. Deswegen ist es sinnvoll, den Kommunikationsbegriff in seinen theoretischen Implikationen zu diskutieren und vom Handlungsbegriff abzugrenzen. Die systemtheoretische Fundierung des Kommunikationsbegriffs macht deutlich, dass Kommunikation system-, also gesellschafts-, bildend ist und kein einfacher (technischer) Akt der Übermittlung und Bewertung von Informationen.

Je nach Kommunikation werden selbstreferentielle Systeme gebildet, die sich von anderen Gesellschaftssystemen durch ihre Kommunikation abgrenzen und vor allem andere Funktionskriterien haben. Damit wird Kommunikation nicht auf vereinfachende Modelle oder technische Möglichkeiten reduziert. Vielmehr machen die Zusammenhänge zwischen Verstehen, Sinngebung, Selektion und Kontingenz deutlich, dass Kommunikation Gesellschaft konstituiert auch und gerade in einer digitalisierten ´Weltgesellschaft`.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikation in der Theorie sozialer Systeme

2.1 Der Kommunikationsbegriff

2.2 Der erste Anschlussakt an Kommunikation

2.3 Kommunikation konstituiert Gesellschaft

2.4 Ordnungsformen der Kommunikation

2.5 Wie Kommunikation möglich wird

2.6 Das Verhältnis von Kommunikation und Handlung

3. Kritik aus handlungstheoretischer Perspektive

3.1 Empirie und Selbstreferenz in den Theorien

3.2 Soziale Systeme und Handlungstheorie

4. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht den Kommunikationsbegriff innerhalb der Luhmannschen Theorie sozialer Systeme und setzt diesen kritisch zur handlungstheoretischen Perspektive in Bezug. Ziel ist es, die systemtheoretische Fundierung aufzuzeigen, die Kommunikation als primär systembildenden Prozess begreift, und die Differenz zum klassischen Handlungsbegriff analytisch zu schärfen.

  • Systemtheoretische Analyse des Kommunikationsbegriffs nach Luhmann
  • Die dreistufige Struktur von Kommunikation (Information, Mitteilung, Verstehen)
  • Verhältnisbestimmung von Kommunikation und Handeln in sozialen Systemen
  • Kritische Auseinandersetzung mit der handlungstheoretischen Perspektive (insb. Hans Haferkamp)
  • Erörterung von Systembildung, Autopoiesis und Steuerungsmöglichkeiten

Auszug aus dem Buch

2.1 Der Kommunikationsbegriff

Luhmanns Kommunikationsbegriff muss als Kritik am Handlungsbegriff aufgefasst werden. Seiner Auffassung nach ist Sozialität kein besonderer Fall von Handlung. Handlungen werden vielmehr von sozialen Systemen über Kommunikation als Reduktion von Komplexität konstituiert (vgl.: Luhmann, 1993, S. 191). Dies bedeutet, wie sich später noch zeigen wird, dass die Theorie sozialer Systeme nicht Handlungen, sondern Kommunikation in den Mittelpunkt der Entstehung von sozialen Systemen stellt. Luhmann versucht eine Differenz zwischen Kommunikation und sozialem Handeln herzustellen. Dabei beugt er dem Irrtum vor, dass Kommunikation und Handlungen nicht zu unterscheiden sein. Die Differenzbildung ist allerdings insofern schwierig, als Kommunikation und Handlungen nicht zu trennen sind. Er konstatiert, dass das Verhältnis dieser beiden Begriffe als Reduktion der eigenen Komplexität zu verstehen ist, wobei die Kommunikation der konstituierende Prozess von Sozialem ist. Allerdings muss dieser Prozess, wie sich später noch zeigen wird, an Handlungen decodiert werden, wodurch er auch personifiziert werden kann. (was aber Probleme der Analyse mit sich bringt) (vgl.: Luhmann, 1993, S. 193).

Um den Kommunikationsbegriff formulieren zu können, negiert Luhmann das "Absender - Empfänger - Modell" als ungeeignete Metaphorik, da der_die Absender_in nichts weggibt, was der_die Empfänger_in dann erhält (vgl.: Luhmann, 1993, S. 193). Dieses Modell reduziert Kommunikation auf den Akt der Übertragung und macht Kommunikation wesentlich von dem Mitteilenden abhängig. Dem gegenüber formuliert Luhmann, dass die Mitteilung nichts weiter sei, als ein Selektionsvorschlag, der durch Anregung Kommunikation zustande kommen lässt (vgl.: Luhmann, 1993, S. 194). Darüber hinaus unterstellt die Übertragungsmetapher, dass das Übertragene für den_die Absender_in und den_der Empfänger_in dasselbe sei. Die Identität der Information wird allerdings erst im Kommunikationsprozess sichergestellt (oder auch nicht).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Zielsetzung, den Vergleich zwischen Luhmanns Systemtheorie und Handlungstheorien sowie die methodischen Einschränkungen der Arbeit.

2. Kommunikation in der Theorie sozialer Systeme: Detaillierte Darstellung von Luhmanns Kommunikationsbegriff, der Kommunikation als dreistufigen, systembildenden und selbstreferentiellen Prozess definiert.

3. Kritik aus handlungstheoretischer Perspektive: Kritische Auseinandersetzung mit der Systemtheorie aus handlungstheoretischer Sicht, insbesondere durch Hans Haferkamp, unter Fokus auf Empirie, Subjektbezug und Systementstehung.

4. Resümee: Synthese der Ergebnisse, in der die systemtheoretische Differenzierung von Kommunikation und Handlung als notwendig für das Verständnis komplexer gesellschaftlicher Strukturen bestätigt wird.

Schlüsselwörter

Theorie sozialer Systeme, Kommunikation, Handlungstheorie, Niklas Luhmann, Autopoiesis, Sinn, Systembildung, soziale Systeme, Selektion, Interaktion, System-Umwelt-Differenz, Komplexitätsreduktion, Anschlusshandeln, Kontingenz, symbolisch generalisierte Medien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Kommunikationsbegriff in Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme und diskutiert diesen kritisch aus der Sicht der Handlungstheorie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die systemtheoretische Begriffsbestimmung von Kommunikation, der Vergleich mit handlungstheoretischen Ansätzen und die Frage, wie soziale Systeme durch Kommunikation konstituiert werden.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist aufzuzeigen, warum die Differenzierung zwischen Kommunikation und Handlung für die Systemtheorie essenziell ist und wie diese Sichtweise der handlungstheoretischen Perspektive gegenübergestellt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, die zentrale Begriffe der Systemtheorie Luhmanns mit Positionen der Handlungstheorie (insbesondere Haferkamp) konfrontiert und vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Luhmannschen Systemtheorie, deren Funktionsweise von Kommunikation, und eine ausführliche kritische Gegenüberstellung mit der handlungstheoretischen Perspektive.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Theorie sozialer Systeme, Kommunikation, Autopoiesis, Systembildung, Handlungstheorie und System-Umwelt-Differenz charakterisieren.

Wie unterscheidet sich Luhmanns Verständnis von Kommunikation vom klassischen Absender-Empfänger-Modell?

Luhmann negiert das klassische Modell als ungeeignete Übertragungsmetapher und definiert Kommunikation stattdessen als einen dreistufigen Prozess aus Information, Mitteilung und Verstehen, der systembildend wirkt.

Welche Kritik übt Hans Haferkamp an Luhmanns Theorie?

Haferkamp kritisiert unter anderem einen mangelnden Empiriebezug, eine vermeintliche Verdinglichung menschlicher Interaktion durch den Subjektverlust in der Systemtheorie und die vernachlässigte Rolle der Akteure bei der Systementstehung.

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Details

Title
Der Kommunikationsbegriff in der Theorie sozialer Systeme. Versuch einer Kritik aus handlungstheoretischer Perspektive
College
University of Osnabrück
Grade
1.0
Author
Dirk Themann (Author)
Publication Year
1996
Pages
23
Catalog Number
V373988
ISBN (eBook)
9783668518261
ISBN (Book)
9783668518278
Language
German
Tags
Kommunikaitonsbegriff und sozilale Systeme
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dirk Themann (Author), 1996, Der Kommunikationsbegriff in der Theorie sozialer Systeme. Versuch einer Kritik aus handlungstheoretischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/373988
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