Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Lösung Augustins auf die Frage "Woher kommt das Böse?", welche die Menschen schon seit jeher beschäftigt und Philosophen im Laufe der Zeit zu völlig verschiedenen Lösungsansätzen gebracht hat.
Augustin war bekanntermaßen beides, Philosoph und Christ, wobei man damals sicherlich weniger strikt zwischen beidem getrennt hat als heutzutage. Seine Ausführungen zu diesem Problem sind sehr interessant und stellen in vielen Punkten den Beginn einer neuartigen Herangehensweise dar. Er hat sich auch gefragt, welche Rolle der Mensch dabei spielt. Er ist ein vernunftbegabtes Wesen, das sozusagen im Vertrauen einen freien Willen zur Selbstbestimmung erhalten hat. Nun tut der Mensch jedoch immer wieder Dinge, die falsch sind, da er damit immer jemandem, meistens sich selbst auf irgendeine Weise Schaden zufügt. Es würde zu weit führen, sämtliche Fehler des Menschen hier aufzuzählen. Die Frage, die entscheidend ist, lautet: Warum tut er diese Dinge? Woher kommt das Böse, und welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Bösen und dem freien Willen? Genau auf diese Fragen soll mit Augustins Hilfe eine Antwort gefunden werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines zum Problem des Bösen bei Augustin
3. Die zwei Arten von Übeln
4. Der freie Wille – Eine Möglichkeit für das Böse
5. Der böse Wille – Schuld und Gnade
6. Der Sünder Augustin
7. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophisch-theologische Auseinandersetzung des Kirchenvaters Augustin mit der Theodizee-Frage. Im Zentrum steht dabei die Untersuchung des freien Willens als Ursprung des Bösen in der Welt sowie die komplexe Wechselbeziehung zwischen moralischer Schuld und göttlicher Gnade.
- Die ontologische Einordnung des Bösen als privatio boni (Beraubung des Guten).
- Die Differenzierung zwischen malum physicum (erlittenes Übel) und malum morale (willentliches Böses).
- Der freie Wille als mittlere Gabe Gottes und Quelle menschlicher Fehlentscheidungen.
- Die Bedeutung von Stolz (superbia) und die Konsequenzen der Erbsünde auf das menschliche Handlungsvermögen.
- Die Notwendigkeit göttlicher Gnade für die Überwindung des bösen Willens.
Auszug aus dem Buch
4. Der freie Wille – die Möglichkeit des Bösen
In De libero arbitrio wird der freie Wille als spontanes Element des menschlichen Handelns beschrieben. Er ist die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu entscheiden, ohne auf äußere oder innere Einflüsse zu achten. Daran wird deutlich, dass der Wille nicht nur als Instrument der Verwirklichung irgendwelcher rationalen oder irrationalen Ziele dient, sondern auch die Möglichkeit der freien Entscheidung für oder auch gegen die Vernunft bietet. Damit offenbart Augustin seine Lösung des Problems des Bösen in der Welt, denn obwohl der Wille eine gute Gabe Gottes ist, bietet sie dem Menschen auch die Möglichkeit des Missbrauchs, welchen Gott zwar sieht, aber nicht unterbindet, da er die menschliche Freiheit unangetastet lassen will.
Es stellt sich die Frage, warum Gott überhaupt solch einen Missbrauch zulässt. Dies liegt daran, dass es drei Formen von Gütern gibt. Wenn nämlich die beste Gabe Gottes Böses verursachen würde, könnte man ihn dafür schuldig sprechen. Der Wille ist aber nur ein mittleres Gut, welches zwar, im Gegensatz zu einem geringen Gut, für ein gutes Leben unumgänglich, aber, anders als ein hohes Gut, nicht nur für Gutes verwendbar ist. So beschreibt es Augustin in De libero arbitrio II 19, 50 ff..
Und an anderer Stelle: „Wenn also der Wille dem allgemeinen und unwandelbaren Gute anhangt, erlangt er die größten und höchsten menschlichen Güter, während er selbst nur ein mittleres Gut ist. Der Wille aber, der sich von dem unwandelbaren und allgemeinen Gut abwendet und sich […] einem niederen Gut zuwendet, sündigt. […]“
Also ist nicht die fehlende Einsicht sondern der böse Wille Ursprung des Bösen in der Welt. In diesem Punkt nimmt Augustin übrigens etwas Abstand von der ihn ansonsten stark prägenden neuplatonischen Ansicht, nach welcher der Grund des Bösen die Vermischung der Seele mit der Materie ist, da diese seiner Meinung nach nicht klar werden lässt, dass der Mensch den Ursprung des Bösen eben nicht in der Materie, sondern vielmehr in der Seele, in sich selbst, suchen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die klassische Theodizee-Frage ein und erläutert die Motivation, Augustins Lösungsweg zwischen freiem Willen und dem Bösen zu untersuchen.
2. Allgemeines zum Problem des Bösen bei Augustin: Es wird dargelegt, wie Augustin den geordneten Kosmos und die göttliche Vorsehung mit der Existenz des Bösen in Einklang bringt.
3. Die zwei Arten von Übeln: Die Unterscheidung zwischen malum physicum (erlittenes Übel/Strafe) und malum morale (willentliches Böses) wird hier theoretisch verankert.
4. Der freie Wille – Eine Möglichkeit für das Böse: Dieses Kapitel erläutert den Willen als „mittleres Gut“, das dem Menschen die Möglichkeit zur Abkehr vom göttlichen Guten bietet.
5. Der böse Wille – Schuld und Gnade: Hier wird die Rolle der superbia (Stolz) und die Erbsünde als Ursache für die Abkehr des menschlichen Willens von Gott analysiert.
6. Der Sünder Augustin: Anhand des berühmten Beispiels des Birnendiebstahls aus den „Confessiones“ wird Augustins Verständnis der Sündhaftigkeit praktisch verdeutlicht.
7. Schlussfolgerungen: Die Arbeit resümiert, dass der freie Wille die Ursache des Bösen ist, die Frage nach dem ultimativen Ursprung jedoch ein hohes Maß an Glaubensentscheidung erfordert.
Schlüsselwörter
Augustin, Theodizee, freier Wille, Böses, malum morale, malum physicum, göttliche Vorsehung, Erbsünde, superbia, privatio boni, Gnade, Confessiones, De libero arbitrio, menschliche Freiheit, Sündenfall.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen und theologischen Analyse des Bösen im Denken von Aurelius Augustinus unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des freien Willens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte umfassen die Theodizee-Problematik, die Natur des freien Willens, das Konzept der Erbsünde und die Bedeutung göttlicher Gnade.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Augustins Erklärung dafür zu finden, warum das Böse in einer von einem guten Gott geschaffenen Welt existiert und welchen Anteil der Mensch dabei durch seine Entscheidungsfreiheit hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine hermeneutische Analyse zentraler Primärtexte Augustins (wie „De libero arbitrio“ und „Confessiones“) sowie die Einbeziehung einschlägiger fachwissenschaftlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die ontologische Bestimmung des Bösen, die Differenzierung von Übelarten und die Untersuchung des bösen Willens als Abkehr von der göttlichen Ordnung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „freier Wille“, „privatio boni“, „superbia“ und „göttliche Gnade“ geprägt.
Wie interpretiert Augustin den „Birnendiebstahl“?
Augustin nutzt das Beispiel, um zu zeigen, dass die Sünde oft keinen rationalen Grund (wie materielle Not) hat, sondern ein grundloses „Sich-selbst-genug-sein“ bzw. eine Verfehlung des höchsten Gutes darstellt.
Warum kann der Mensch laut Augustin nicht aus eigener Kraft gut werden?
Durch den Sündenfall wurde die menschliche Natur so korrumpiert, dass der Wille geschwächt ist und die Fähigkeit, sich aus eigenem Antrieb wieder dem Guten zuzuwenden, verloren ging; dies erfordert das Eingreifen der göttlichen Gnade.
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- Alexander Brembach (Autor:in), 2005, Das Problem des Bösen im Zusammenhang mit dem freien Willen bei Augustin, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/373482