Inhalt dieser Arbeit ist eine Exegese des alttestamentarischen Textes aus dem Buch Daniel Kapitel 13. Es geht darum den Text nach allen möglichen Gesichtspunkten der Exegese zu betrachten.
Der Text von Susanna und den Ältesten wurde in der LXX-Version der Bibel als auch in der Theodotionsausgabe überliefert. Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um die Übersetzungen von einem unbekannten syrischen Ausgangstextes handelt. Dabei muss die Th-Fassung dem Verfasser der LXX-Version vorgelegen haben. Vergleichend herangezogen werden soll die Übersetzung aus der Lutherbibel.
In diesem Fall gehört der Susanna Text jedoch nicht zum Buch Daniel sondern zu den Apokryphen. Der Einheitsübersetzung liegt die Theodotion Version zu Grunde. In beiden Versionen steht die heimliche Beobachtung der Ältesten von Susanna im Vordergrund.
Inhaltsverzeichnis
1. Übersetzungskritik
2. Textabgrenzung
3. Textgliederung
4. Zeitstruktur
5. Raumkonzeption
6. Fokalisation
7. Handlungsanalyse
8. Figurenanalyse
9. Literarkritik
10. Redaktionskritik
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht narratologische und inhaltliche Aspekte der Susanna-Erzählung (Dan 13, 15–27) unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen biblischen Überlieferungen. Dabei wird analysiert, wie durch die Gestaltung von Raum, Zeit und Perspektive die Bedrohung der Protagonistin und ihr moralischer Entscheidungsprozess sowie die Machtstrukturen der Ältesten dargestellt werden.
- Narratologische Analyse der Erzählstruktur (Fokalisation, Zeit- und Raumkonzeption)
- Vergleichende Untersuchung der Susanna-Erzählung in der Einheitsübersetzung und Lutherbibel
- Die Rolle der Susanna als starke Frauenfigur im Kontext patriarchaler Machtverhältnisse
- Die Charakterisierung der Ältesten als Negativfiguren und Machtmissbrauch
- Intertextuelle Bezüge zum Hohelied und symbolische Bedeutung des Gartens
Auszug aus dem Buch
3. Textgliederung
15a Während sie auf einen günstigen Tag warteten,
15b kam Susanna eines Tages wie gewöhnlich in den Garten,
15c nur von zwei Mädchen begleitet,
15d und wollte baden; denn es war heiß.
16 Niemand war dort außer den beiden Ältesten, die sich versteckt hatten und ihr auflauerten. 17a Sie sagte zu den Mädchen:
17b Holt mir Öl und Salben und verriegelt das Gartentor,
17c damit ich baden kann.
18 a Die Mädchen taten, wie ihnen befohlen war.
18b Sie verriegelten das Tor und verließen den Garten durch die Seitenpforte, um zu holen, was ihnen aufgetragen war.
18c Von den Ältesten bemerkten sie nichts,
18d denn diese hatten sich versteckt.
19 Als die Mädchen weg waren, standen die beiden Ältesten auf, liefen zu Susanna hin 20a und sagten:
20b Das Gartentor ist verschlossen und niemand sieht uns;
20c wir brennen vor Verlangen nach dir:
20d Sei uns zu Willen
20e und gib dich uns hin!
21a Weigerst du dich, dann bezeugen wir gegen dich,
21 b dass ein junger Mann bei dir war
21 c und dass du deshalb die Mädchen weggeschickt hast.
22a Da seufzte Susanna
22b und sagte:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Übersetzungskritik: Dieser Abschnitt vergleicht die Versionen der Susanna-Erzählung in der Septuaginta (Theodotion-Fassung) und der Lutherbibel, um Unterschiede in der Charakterzeichnung und im Machtgefüge aufzuzeigen.
2. Textabgrenzung: Hier wird der Erzählrahmen definiert, wobei Susanna als Kriminal- und Weisheitserzählung verortet und die Konstellation im Garten als in sich geschlossenes Geschehen analysiert wird.
3. Textgliederung: Dieser Teil präsentiert die strukturierte Gliederung der Verse 15–27, gefolgt von einer thematischen Einteilung der Perikope in drei dramatische Abschnitte.
4. Zeitstruktur: Die Analyse zeigt auf, dass die Erzählung zeitdeckend gestaltet ist, was eine besondere erzählerische Nähe erzeugt und Susanna als singuläre Erzählung ausweist.
5. Raumkonzeption: Der Garten wird als Ort der Ambivalenz untersucht: Er ist sowohl Paradies und Schutzraum als auch durch das Handeln der Ältesten korrumpierter Ort der Gefahr und Intrige.
6. Fokalisation: Die Arbeit beleuchtet den Perspektivwechsel zwischen den Ältesten und Susanna, wobei die Erzählung von einer externen Fokalisation in eine interne Sichtweise übergeht.
7. Handlungsanalyse: Der Text wird als Kriminalgeschichte in einer Drei-Akt-Struktur gedeutet, wobei die Spannung maßgeblich durch Susannas Entscheidungsprozess gegen die Nötigung getrieben wird.
8. Figurenanalyse: Hier wird Susanna als tugendhafte und starke Frauenfigur den Ältesten gegenübergestellt, deren Handeln als Machtmissbrauch und Ausdruck patriarchaler Unmoral entlarvt wird.
9. Literarkritik: Dieser Teil behandelt die überlieferungsgeschichtlichen Fragen der Susanna-Erzählung als Anhang zum Danielbuch und die Entstehungshypothesen in den griechischen Versionen.
10. Redaktionskritik: Abschließend wird Susanna im redaktionellen Kontext des Danielbuches betrachtet und als Weisheitserzählung mit Motiven syrischer Märchen eingeordnet.
Schlüsselwörter
Susanna-Erzählung, Daniel, Altes Testament, Übersetzungskritik, Narratologie, Fokalisation, Machtmissbrauch, patriarchale Gesellschaft, Garten Eden, biblische Exegese, Weisheitserzählung, Kriminalgeschichte, Theodotion, Septuaginta, Tugend
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer narratologischen und inhaltlichen Analyse der Susanna-Erzählung (Dan 13, 15–27) unter Berücksichtigung verschiedener biblischer Textfassungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Untersuchung von Raumkonzeption, Zeitstruktur, Fokalisation sowie die Analyse der Charaktere und der zugrunde liegenden Machtstrukturen innerhalb der Erzählung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Susanna durch narrative Mittel als starke Frauenfigur gezeichnet wird, während gleichzeitig die moralische Verderbtheit und der Machtmissbrauch der Ältesten entlarvt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden klassische Methoden der biblischen Exegese, wie literarkritische, redaktionskritische und narratologische Analysen, angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Struktur der Erzählung, die Rollenverteilung der Figuren, die symbolische Bedeutung des Gartens und die unterschiedliche Darstellung in verschiedenen Bibelübersetzungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Susanna-Erzählung, Narratologie, Machtmissbrauch, biblische Exegese und Garten-Symbolik.
Welche Rolle spielt der Garten in der Susanna-Erzählung?
Der Garten fungiert als ambivalenter Raum: Er steht zunächst für das Paradies und die Sicherheit, wandelt sich jedoch durch den Übergriff der Ältesten zu einem Ort der Bedrohung und Intrige.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in der Lutherbibel von der Einheitsübersetzung?
Der Vergleich zeigt, dass der Luther-Text die Gefühle und die Motivation der Ältesten sowie Susannas Bedrängnis an einigen Stellen präziser und deutlicher herausarbeitet, was die juristische Instanz und die Absicht der Täter schärfer konturiert.
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- Julia T. (Author), 2015, Exegese zu Dan 13,15-27 "Die Rettung der Susanna durch Daniel". Übersetzungs-, Literar- und Redaktionskritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/373204