Die vorliegende Arbeit stellt sich der Aufgabe, den Status des Verstorbenen beim Kasus der Bestattung zu untersuchen. Dabei geht sie von eigenen praktischen Erfahrungen aus 30 Jahren im Pfarrdienst aus, nimmt Beobachtungen auf, die Veränderungen in der Haltung der Hinterbliebenen, der Bestatter, der Friedhofsmitarbeiter und der Kollegen im Pfarrdienst zeigen und reflektiert diese durch Einbezug der in den letzten Jahren in großer Breite erschienen Literatur.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
1 Welchen Status hat der/die Verstorbene beim Kasus Bestattung?
1.1 Äußerungen durch die Hinterbliebenen
1.1.1 Todesanzeigen
1.1.2 Mitgestaltung der Trauerfeier
1.1.3 Musikwünsche
1.1.4 Grabtext
1.1.5 Rückmeldungen nach der Trauerfeier
1.1.6 Rückmeldungen aus der Trauerseelsorge
1.2 Rückmeldungen durch andere Akteure im Bestattungshandeln
1.2.1 Rückmeldungen durch die Bestatter
1.2.2 Rückmeldungen durch die Mitarbeiter des Friedhofes
1.2.3 Rückmeldungen der Pfarrer der Region
2 Welchen Status hat der/die Verstorbene aus biblisch-theologischer Sicht?
3 Welche Aufgabe ergibt sich daraus für das pastorale Handeln?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Status von Verstorbenen im Kontext der Bestattung und geht der pastoraltheologischen Frage nach, welche Konsequenzen sich daraus für das kirchliche Handeln ergeben. Dabei wird analysiert, wie Hinterbliebene und professionelle Akteure den Verstorbenen als (subjektives) Gegenüber wahrnehmen und welche Bedeutung dies für die Gestaltung des Abschieds hat.
- Analyse der Äußerungen von Hinterbliebenen (Todesanzeigen, Grabtexte, Musikwünsche).
- Untersuchung der Perspektiven professioneller Akteure wie Bestatter und Friedhofsmitarbeiter.
- Biblisch-theologische Reflexion des Status des Verstorbenen im Kontext von Personkontinuität und Auferstehungshoffnung.
- Ableitung von Handlungsimpulsen für die pastorale Begleitung und die Gestaltung von Trauerfeiern.
Auszug aus dem Buch
Erste Wahrnehmung
Am 8. März 1986, dem Tag meines Ersten Theologischen Examens, starb meine Lieblingstante Elfriede nach jahrelangem Krebsleiden. Sie war eine Seele von Mensch und in der Familie und in der Nachbarschaft äußerst beliebt und wertgeschätzt, weil sie jeden so annehmen konnte, wie er war, weil sie über niemanden schlecht redete und für jeden eine offene Tür, ein offenes Ohr und ein offenes Herz hatte. Nachbarskindern wurden Bonbons zugesteckt, in ihrem riesigen Garten duften wir spielen und toben, Erntegaben wurden freigebig verschenkt und sie konnte viele der Grimm‘schen Märchen wortgetreu nacherzählen, während sie in der Sonne vor dem Haus Äpfel oder Birnen schälte und an uns Kinder verteilte oder Wollsocken strickte. Ihr Tod an diesem besonderen Tag mischte Trauer in mein Hochgefühl ob des bestandenen Examens. Wenige Tage später, nachdem das halbe Dorf von ihr Abschied genommen oder meinem Onkel im Haus kondoliert hatte, saß eine große Trauergemeinde in der Friedhofskapelle, und vor der Tür drängte sich eine Menschenmenge, weil der Raum für alle viel zu klein war. Alle schwiegen andächtig. Dann betrat der Ortspfarrer, gefolgt vom Frauenchor, der traditionellerweise zu Bestattungen von Mitgliedern singt, den Raum. Die Lieder rührten mich zu Tränen, auch wenn sie inhaltlich keinen Bezug zu Tante Elfriede hatten. Aber es waren ihre Lieblingslieder, und das gab ihnen eine tröstende Qualität. Vertraute Bibeltexte und ein allgemeines Gebet ohne Bezug zu Tante Elfriede oder den anwesenden Angehörigen folgte, dann die Predigt, der der Pfarrer einen tabellarischen Lebenslauf vorangestellt hatte. Wir wussten nun alle, wann Tante Elfriede getauft worden war und wann konfirmiert, der Hochzeitstag wurde erwähnt und die Taufen und Konfirmationen der beiden Söhne, zuletzt noch die Trauung des älteren Sohnes und der Schwiegertochter. Und dann predigte er über ihren Konfirmationsspruch. Einen Vers, der ihr 1926 von ihrem Konfirmator ausgesucht und zugesprochen worden war, in ihrem Leben aber, anders als der Trautext aus Römer 15,7, der eingerahmt die Wohnzimmerwand schmückte, keine erkennbare Rolle gespielt hatte. Tante Elfriede, Frau Elfriede H., wie er sie mehrmals mit Bezug auf ihre kirchliche Vita nannte, kam aber nicht mehr vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Welchen Status hat der/die Verstorbene beim Kasus Bestattung?: Dieses Kapitel analysiert durch eine induktive Untersuchung von Todesanzeigen, Trauerfeiern und persönlichen Rückmeldungen, wie Verstorbene von Hinterbliebenen und Akteuren der Bestattungskultur als lebendige Subjekte wahrgenommen werden.
2 Welchen Status hat der/die Verstorbene aus biblisch-theologischer Sicht?: Hier erfolgt eine biblisch-theologische Reflexion, die den Menschen im Licht der Taufe und der Segenszusage betrachtet und die Bedeutung der Personkontinuität über den Tod hinaus hervorhebt.
3 Welche Aufgabe ergibt sich daraus für das pastorale Handeln?: Im letzten Kapitel werden die Erkenntnisse in konkrete Anforderungen an das homiletische und pastorale Handeln übersetzt, wobei der Fokus auf einer individuell orientierten, seelsorglich geprägten Begleitung liegt.
Schlüsselwörter
Bestattungskultur, Trauerseelsorge, Individualisierung, Personkontinuität, Grabgestaltung, Todesanzeigen, Trauerfeier, pastorale Begleitung, Lebensgeschichte, Totenwürde, Auferstehungshoffnung, Abschiednahme, Rituale, Bestattungsmusik, christliche Gemeinde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, welchen Status ein Verstorbener in der heutigen Bestattungskultur innehat und wie diese Wahrnehmung das pastorale Handeln von Pfarrern beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Trauerritualen, der Bedeutung von Erinnerungszeichen, der Rolle der Biografie in Trauerfeiern sowie der theologischen Reflexion des Umgangs mit Toten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie Verstorbene im Gedenken der Hinterbliebenen als präsent wahrgenommen werden und welche Konsequenzen dies für eine einfühlsame und würdigende kirchliche Bestattung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen induktiven Ansatz, der auf eigenen Beobachtungen aus 30 Jahren Pfarrdienst, Befragungen von Akteuren (Bestatter, Friedhofsmitarbeiter, Kollegen) und einer umfangreichen Literaturrecherche basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Äußerungen von Angehörigen in verschiedenen Phasen des Abschieds sowie die Perspektiven der beteiligten Akteure und verknüpft diese mit aktuellen religionssoziologischen und theologischen Diskursen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bestattungskultur, Trauerseelsorge, Individualisierung, Personkontinuität, Grabgestaltung, Bestattungsmusik und pastorale Begleitung.
Was bedeutet die "Zwei-Körper-Theorie" in diesem Kontext?
Der Autor bezieht sich auf den Soziologen Thorsten Benkel, der zwischen dem physischen Leichnam und dem "zweiten Körper" (dem lebendigen Bild in der Erinnerung der Hinterbliebenen) unterscheidet.
Warum ist die namentliche Anrede des Verstorbenen im Gottesdienst so wichtig?
Die Namensnennung verweist auf die Einzigartigkeit des Menschen, der in der Taufe von Gott beim Namen gerufen wurde, und unterstreicht die personale Identität des Verstorbenen über den Tod hinaus.
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- Jörg Süß (Author), 2016, Welchen Status hat der Verstorbene beim Kasus der Bestattung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/372832