Gruppen sind intelligenter als einzelne Experten. Diese These beschreibt das Phänomen der "Wisdom of Crowds", welches aktuell durch Begriffe wie "Crowd-Sourcing" verstärkt in den Fokus rückt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, den Nutzen und die Qualität von Gruppenprognosen im Kontext der Wirtschaft kritisch zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Von individueller zu kollektiver Intelligenz
3. Anwendungsbereiche in der Wirtschaft
3.1 Crowd-Sourcing
3.2 Crowd-Funding
4. Kritische Diskussion / Bedingungen
4.1 Konformitätsdruck (Independence)
4.2 Diversität der Gruppe (Diversity)
4.3 Dezentralisierung (Decentralisation)
4.4 Zusammenfassung (Aggregation)
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der „Wisdom of Crowds“ (die Weisheit der Vielen) und hinterfragt kritisch, unter welchen Bedingungen Gruppenprognosen im wirtschaftlichen Kontext verlässliche Ergebnisse liefern können.
- Grundlagen und Definition der kollektiven Intelligenz
- Wirtschaftliche Anwendungsbereiche wie Crowd-Sourcing und Crowd-Funding
- Empirische Untersuchung der Entscheidungsqualität am Beispiel von TV-Quizshows
- Kritische Analyse der vier Erfolgsbedingungen nach Surowiecki (Unabhängigkeit, Diversität, Dezentralisierung, Aggregation)
Auszug aus dem Buch
3.1 Crowd-Sourcing
Zurückzuführen ist der Begriff Crowd-Sourcing auf den amerikanischen Journalisten Jeff Howe. Dieser nutzte den Begriff, um angelehnt an das Wort Outsourcing eine neuartige Form der Wertschöpfung zu beschreiben: „The new pool of cheap labor: everyday people using their spare cycles to create content, solve problems, even do corporate R & D.“
Das Crowd-Sourcing nutzt somit die Wisdom of Crowds um, beispielsweise durch eine Befragung größerer Gruppen, Problemstellungen für ein Unternehmen lösen zu können. Grundlegend kann das Crowd-Sourcing in verschiedenen Unternehmensbereichen eingesetzt werden. Ein Beispiel für Crowd-Sourcing im Bereich der Innovationsforschung bietet der Henkel-Konzern. Dieser entschied sich im Jahr 2010 eine sogenannte InnoLounge zu gründen, welche bis heute als weltweite Sammelstelle für Ideen der Henkel-Mitarbeiter genutzt wird.
Im Genauen handelt es sich daher um ein internes Crowd-Sourcing, da das Portal lediglich den Mitarbeitern zur Verfügung steht. Die spätere Auswertung der Innovationsideen erfolgt durch 20 alternierend eingesetzte Mitarbeiter aus einem Topf von insgesamt 200 Mitarbeitern verschiedenster Bereiche. Damit erhofft man sich, auch auf dieser Ebene vom Wissen verschiedenster Personen profitieren zu können. Die Nutzung von Crowd-Sourcing im Innovationsbereich ist allgemein auch als „Open Innovation“ bekannt und konnte bereits messbare Erfolge in mehreren Unternehmen verzeichnen. So steigerte Henkel-Konkurrent Procter & Gamble den Anteil der Innovationen, die auf dem Prinzip der Wisdom of Crowds basieren, von 15% in 2000 auf 50% in 2006. Resultat waren laut Konzern eine deutlich erhöhte Produktivität im Forschungs & Entwicklungs – Bereich (+60%), sowie eine deutliche Steigerung des Aktienkurses.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Dieses Kapitel führt in das Phänomen der kollektiven Intelligenz ein und skizziert die Fragestellung nach der Qualität und dem Nutzen von Gruppenprognosen.
2. Von individueller zu kollektiver Intelligenz: Hier werden Begrifflichkeiten geklärt und durch historische Beispiele wie die Ochsenschätzung sowie aktuelle Studien zum Publikumsjoker belegt.
3. Anwendungsbereiche in der Wirtschaft: Dieses Kapitel erläutert die praktische Anwendung von Crowd-Sourcing und Crowd-Funding in Unternehmen.
4. Kritische Diskussion / Bedingungen: Es werden die vier zentralen Bedingungen für den Erfolg kollektiver Intelligenz nach Surowiecki detailliert analysiert und kritisch hinterfragt.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der Bedeutung von Rahmenbedingungen für den Erfolg von Gruppenprognosen im wirtschaftlichen Kontext.
Schlüsselwörter
Wisdom of Crowds, kollektive Intelligenz, Crowd-Sourcing, Crowd-Funding, Innovation, Prognosemärkte, Unabhängigkeit, Diversität, Dezentralisierung, Aggregation, wirtschaftlicher Kontext, Entscheidungsqualität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Wisdom of Crowds und der Frage, inwiefern Gruppen in der Lage sind, präzisere Entscheidungen oder Prognosen zu treffen als einzelne Experten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Definition kollektiver Intelligenz, deren wirtschaftliche Implementierung durch Crowd-Sourcing und -Funding sowie die kritische Prüfung der notwendigen Voraussetzungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Nutzen sowie die Qualität von Gruppenprognosen kritisch zu beleuchten und die Bedingungen zu identifizieren, unter denen dieses Prinzip tatsächlich zu validen Ergebnissen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und stützt sich auf bestehende empirische Studien, wie etwa die Untersuchung zum „Wer wird Millionär“-Publikumsjoker oder Beispiele aus der Unternehmenspraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der kollektiven Intelligenz, die Darstellung konkreter Anwendungsbeispiele in der Wirtschaft und eine tiefgehende Diskussion der vier Erfolgsbedingungen nach Surowiecki.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wisdom of Crowds, kollektive Intelligenz, Crowd-Sourcing, Crowd-Funding sowie die vier Surowiecki-Bedingungen Diversität, Unabhängigkeit, Dezentralisierung und Aggregation.
Wie unterscheidet sich Crowd-Sourcing von Crowd-Funding laut dem Autor?
Crowd-Sourcing dient primär der Ressourcengewinnung (wie Wissen oder Ideen) zur Lösung von Problemen, während Crowd-Funding die Gruppe explizit als Kapitalquelle zur Finanzierung von Projekten oder Start-ups nutzt.
Warum ist laut der Arbeit die „Independence“ in Unternehmen schwer zu erreichen?
Innerhalb von Unternehmensstrukturen führen Image-Sorgen, Hierarchiedenken und der soziale Konformitätsdruck oft dazu, dass Mitarbeiter ihre Meinung nicht unabhängig äußern, sondern sich dem Gruppen- oder Vorgesetzten-Konsens anpassen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, "Wisdom of the crowds". Anwendungsbereiche, Einflussfaktoren und Qualität von Prognosen durch Gruppen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/371066