Um die Frage zu klären, ob sogar und auch im Deutschen konventionell oder frei mit dem Fokus assoziiert werden, muss zunächst aufgezeigt werden, zu welchen Fokuspartikeln sich die beiden Lexeme zuordnen lassen. Des Weiteren bleibt zu klären, nach welchen Kriterien sich ein konventioneller beziehungsweise freier Fokus einteilen lässt. Sind diese Grundlagen definiert, stellen wir anhand mehrerer Tests und Beispiele fest, ob sich die genannten Fokuspartikel auch und sogar mit einem gebundenen, einem freien oder gar mit beiden Foki assoziieren lassen.
Inhaltsverzeichnis
AUCH: ADDITIVE FOKUSPARTIKEL
SKALARE FOKUSPARTIKEL
KONVENTIONELLER FOKUS
FREIER FOKUS
ÜBERPRÜFUNG
FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die syntaktische und semantische Einordnung der Fokuspartikel "auch" und "sogar" im Deutschen mit dem Ziel zu klären, ob diese konventionell (gebunden) oder frei mit einem Fokus assoziiert werden. Dabei wird analysiert, inwiefern die Anwesenheit dieser Partikeln den Wahrheitsgehalt einer Aussage beeinflusst.
- Semantische Klassifikation von Fokuspartikeln als additiv oder skalar.
- Unterscheidung zwischen konventionellem (gebundenem) und freiem Fokus.
- Analyse der Fokussensitivität von "auch" und "sogar".
- Empirische Überprüfung des Wahrheitsgehalts durch verschiedene Fallbeispiele.
- Einfluss der Fokusplatzierung auf die Bedeutungsebene von Sätzen.
Auszug aus dem Buch
KONVENTIONELLER FOKUS
Der konventionelle oder gebundene Fokus zeichnet sich dadurch aus, dass er von einem semantischen Operator gebunden wird. Dieser Operator ist fokussensitiv. (Vgl. Ebert 2001)
Diese Fokussensitivität finden wir beispielsweise bei den beiden Fokuspartikeln auch oder sogar, die dann direkt mit dem Gehalt der fokussierten Konstituente zusammenwirken. Der gebundene Fokus beinhaltet einen semantischen Effekt, was bedeutet, dass die unterschiedliche Platzierung desselben in verschiedenen Wahrheitsbedingungen resultiert. (Vgl. Krifka 2004)
3a. Georg hat sogar [Charlotte]F eine Rose geschenkt.
3b. Georg hat sogar Charlotte eine [Rose]F geschenkt.
Die beiden Sätze in 3 unterscheiden sich lediglich in ihrer Fokussierung der Konstituenten. Durch den fokussensitiven Ausdruck sogar, der jeweils mit dem Fokus des Satzes assoziiert, kommt es zu einer unterschiedlichen Wahrheitsbedingung. (Vgl. Doering 2009) Ein Ausdruck gilt also immer dann als fokussensitiv, wenn seine Auslegung von der Platzierung des Fokus abhängig ist. (Vgl. Beaver/Clark 2003) Die konventionelle Assoziation ist also lexikalisch bedingt (Vgl. Doering 2009) und ist, laut Beaver und Clark, „a grammatical dependency on the Current Question“. (Beaver/Clark 2008) Wie im Beispiel 3 zu sehen ist, ist sogar fokussensitiv, da der Fokus im Satz anzeigt, welche Konstituente des Satzes die aktuelle Frage beantwortet.
Zusammenfassung der Kapitel
AUCH: ADDITIVE FOKUSPARTIKEL: Einführung in die Gruppe der additiven Fokuspartikel, deren semantische Leistung in der Hinzufügung einer Präsupposition besteht.
SKALARE FOKUSPARTIKEL: Untersuchung von Partikeln wie "sogar", die dem Fokus eine Position auf einer Skala zuordnen und die Erwartungshaltung des Adressaten kommentieren.
KONVENTIONELLER FOKUS: Erläuterung der fokussensitiven Bindung, bei der die Platzierung des Fokus direkt die Wahrheitsbedingungen eines Satzes beeinflusst.
FREIER FOKUS: Beschreibung von Fokusbildungen, die einen pragmatischen Effekt auf die Verwendungsbedingungen haben, ohne die Wahrheitsbedingungen zu verändern.
ÜBERPRÜFUNG: Praktische Anwendung der theoretischen Grundlagen anhand von Fallbeispielen zu "auch" und "sogar" zur Ermittlung des jeweiligen Fokus-Typs.
FAZIT: Zusammenfassende Feststellung, dass "auch" und "sogar" im Deutschen konventionell gebunden und somit immer fokussensitiv sind.
Schlüsselwörter
Fokuspartikel, Fokusassoziation, Konventioneller Fokus, Freier Fokus, Fokussensitivität, Skalare Partikel, Additive Partikel, Wahrheitsbedingungen, Präsupposition, Sprachwissenschaft, Deutsche Grammatik, Informationsstruktur, Semantik, Pragmatik, Syntax
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Untersuchung grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die deutschen Fokuspartikeln "auch" und "sogar" einen konventionell gebundenen Fokus aufweisen oder ob sie in einem freien Fokuskontext stehen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die semantische Unterscheidung zwischen additiven und skalaren Fokuspartikeln sowie die Differenzierung zwischen konventioneller und freier Fokusplatzierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, durch eine theoretische Einordnung und praktische Fallbeispiele zu belegen, dass "auch" und "sogar" fokussensitiv sind und den Wahrheitsgehalt von Sätzen durch ihre Positionierung festlegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine linguistische Analyse unter Einbeziehung relevanter Fachliteratur sowie eine empirische Überprüfung mittels Vergleichssätzen und Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Definitionen von Fokuspartikeln und Fokusarten erläutert und diese anschließend durch zahlreiche Beispiele in der Rubrik "Überprüfung" getestet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fokuspartikel, Konventioneller Fokus, Fokussensitivität und Informationsstruktur geprägt.
Wie unterscheidet sich der konventionelle Fokus vom freien Fokus?
Beim konventionellen Fokus ist die Platzierung des Fokus für die Wahrheitsbedingungen des Satzes ausschlaggebend, während beim freien Fokus lediglich die pragmatischen Verwendungsbedingungen beeinflusst werden.
Was zeigt das Beispiel der Krawatte (Bsp. 3)?
Das Beispiel verdeutlicht, dass die Verschiebung der Fokuspartikel "sogar" innerhalb des Satzes den semantischen Wahrheitsgehalt verändert, was die feste Bindung an den jeweiligen Fokus unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Diplom Winnie Faust (Autor:in), 2015, Werden "sogar" und "auch" im Deutschen konventionell oder frei im Fokus assoziiert?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/370419