Die Seminararbeit ist der Disziplin der Ethik zuzuordnen. Sie beschäftigt sich mit der philosophischen Frage, welchen Inhalt das Gewissen besitzt und wie es funktioniert. Dazu wird eine historische Skizze von der Antike bis zu unserer heutigen Zeit erstellt, in der bedeutende Denkströme und Philosophen stichpunktartig aufgeführt werden. Weiterhin wird das Gewissen als Grundrecht behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Relevanz für den Menschen; Problemkonstellationen
3. Historische Skizze
3.1 Antike
3.2 Mittelalter
3.3 Neuzeit/ Aufklärung
3.4 19.-20. Jahrhundert
4. Das Gewissen als Grundrecht
5. Inhalt des Gewissens
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Gewissens als moralischen Kompass sowie dessen Rolle und Problematik für den Menschen, insbesondere im Kontext polizeilicher Entscheidungsfindungen unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und verfassungsrechtlicher Rahmenbedingungen.
- Historische Entwicklung des Gewissensbegriffs von der Antike bis zum 20. Jahrhundert
- Die verfassungsrechtliche Einordnung und der Schutz des Gewissens als Grundrecht
- Ethische und psychologische Voraussetzungen für die Bildung eines Gewissens
- Konfliktpotenziale zwischen dienstlichen Weisungen und persönlichem Gewissen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Zwei Polizisten führen im Rahmen ihres Spätdienstes eine Verkehrsüberwachung an einer stark frequentierten Bundesstraße durch. Sie haben sich mit ihrem Streifenwagen so positioniert, dass sie die Verkehrsteilnehmer gut beobachten können. Nach einigen Minuten fällt ihnen der Fahrer eines alten Opel Corsa auf, da dieser während des Autofahrens telefonierte.
Während der Verkehrskontrolle fällt den Beamten auf, dass der Fahrer augenscheinlich in schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt. Zudem gibt er an, seine Frau sei verletzt und er habe sich auf dem Weg zu ihr informieren wollen, wie es um ihr steht.
Während die Polizisten die Personalien des Fahrers überprüfen und die Daten für die Ordnungswidrigkeiten Anzeige notieren, haben sie mit ihrem Gewissen zu kämpfen. Einer von ihnen denkt: „Warum konnte der Fahrer nicht finanziell besser dran sein und sich frech gegenüber uns verhalten? Das würde es definitiv einfacher machen, mit dem schlechten Gewissen zu leben, ihm trotz der Umstände Geld abzunehmen. Außerdem habe er selbst auf dem Weg zur Dienststelle telefoniert. Zu seinem Glück wurde er nicht erwischt; das wäre peinlich geworden.“. Nichts desto trotz erledigen die Polizisten ihre Arbeit. Das Argument, dass alle Bedenken übertrumpft, vor dem Gesetz seien alle gleich, erleichtert das Gewissen der Beamten.
Das Gewissen scheint in jedem Menschen verankert zu sein. Was es jedoch genau bedeutet, wie es von der Antike bis heute bewertet wurde und zu welchen Problem Konstellationen es für den Menschen und insbesondere den Polizisten im Dienst führen kann, soll im Folgenden geklärt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Anhand eines praxisnahen Fallbeispiels aus dem Polizeidienst wird die Allgegenwart und Konflikthaftigkeit des Gewissens als Entscheidungsinstanz eingeführt.
2. Relevanz für den Menschen; Problemkonstellationen: Dieses Kapitel erörtert die ethischen Grundlagen der Entscheidungsfindung und hinterfragt die Ursprünge sowie Einflussfaktoren des Gewissens.
3. Historische Skizze: Die Entwicklung des Gewissensverständnisses wird chronologisch von der Antike über das Mittelalter und die Aufklärung bis ins 20. Jahrhundert nachgezeichnet.
4. Das Gewissen als Grundrecht: Hier wird der verfassungsrechtliche Schutz des Gewissens gemäß Grundgesetz analysiert und die Kollision mit dienstlichen Pflichten im Beamtenverhältnis beleuchtet.
5. Inhalt des Gewissens: Die wissenschaftliche Annäherung an den Begriff des Gewissens wird vertieft und Bedingungen für seine individuelle Bildung erörtert.
6. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass das Gewissen als kulturell geprägter moralischer Wegweiser fungiert, dessen Befolgung eine individuelle Entscheidung bleibt.
Schlüsselwörter
Gewissen, Moral, Ethik, Grundgesetz, Gewissensfreiheit, Polizeiausbildung, Entscheidungsfindung, Sittlichkeit, Kategorischer Imperativ, Rechtsstaat, Pflichtbewusstsein, Wertevermittlung, Schuldgefühle, Menschenwürde, Gewissensnot.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das menschliche Gewissen als moralische Instanz und dessen Bedeutung für die Entscheidungsfindung in ethisch relevanten Situationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung des Begriffs, die philosophische Begründung, den verfassungsrechtlichen Schutzstatus und die Bedeutung für den Polizeidienst.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Begriff des Gewissens zu definieren, seine Entstehung zu erläutern und zu klären, wie Menschen – insbesondere Polizisten – in Gewissenskonflikten agieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Annäherung, die philosophische Theorien mit juristischen Normen und pädagogischen Aspekten verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Gewissensbegriffe, die Darstellung des Gewissens als Grundrecht gemäß Artikel 4 GG und eine tiefere inhaltliche Bestimmung des Gewissens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gewissen, Gewissensfreiheit, Moral, Ethik, Grundgesetz und berufliche Pflichtbindung charakterisiert.
Wie steht das Gewissen im Konflikt mit polizeilichen Weisungen?
Ein Beamter kann bei einem Gewissenskonflikt die Remonstrationspflicht nutzen, muss jedoch bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder bei rechtskonformen Weisungen abwägen, da das Grundrecht auf Gewissensfreiheit nicht von der Gesetzesbindung entbindet.
Wie hat sich das Verständnis von Gewissen historisch verändert?
Von einer „inneren Stimme Gottes“ in der Antike und dem Mittelalter entwickelte sich das Verständnis durch Kant in der Aufklärung hin zu einem rationalen, mit der praktischen Vernunft verknüpften „inneren Gerichtshof“.
Warum spielt die Erziehung eine Rolle für das Gewissen?
Das Gewissen ist laut Arbeit nicht angeboren im Sinne einer fixen Software, sondern bildet sich maßgeblich durch soziale Einflüsse, Erziehung durch das Elternhaus und die Teilhabe am kulturellen Leben der Gesellschaft.
Was ist die Schlussfolgerung des Autors zum Gewissen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Gewissen ein moralischer Wegweiser ist, dem der Mensch folgen sollte, um eine rücksichtsvolle Gesellschaft zu ermöglichen, wobei die Letztentscheidung jedoch individuell verbleibt.
- Arbeit zitieren
- Christoph Schmitz (Autor:in), 2016, Das Gewissen. Gerechtigkeitsmaßstab mit unbedingtem Verbindlichkeitsanspruch?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/370266