Zu Beginn des 19. Jahrhunderts festigte sich ein reges Interesse an der regionalen Verbreitung von Sprachen und ihren Mundarten in ganz Europa und leitet die erstmals wissenschaftliche Beschäftigung mit den deutschen Dialekten von Forschern wie Johann Andreas Schmeller, Karl Bernhardi, Otto Bremer und Georg Wenker ein. Im Mittelpunkt der Hausarbeit steht die Betrachtung der Forschung Wenkers im Sprachatlas-Unternehmen und die Bedeutung seiner dialektgeographischen Untersuchungen auf die Dialektgeschichte in Bezug auf die oberdeutschen Dialekte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Frage der Einteilung von Dialekten
3. Georg Wenker und das Sprachatlasunternehmen
3.1 Georg Wenkers Forschung
3.2 Datenerhebungsphasen der Wenkersätze
4. Bedeutung von Wenkers Forschung für die Dialektgeschichte
4.1 Digitalisierung des Wenker'schen Sprachatlas
4.2. Bedeutung der Wenkersätze in der Dialektforschung
4.3 Einfluss auf andere Forschungsprojekte
4.4 Die Wenkersätze und die oberdeutschen Dialekte als kulturelle Identität
5. Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Georg Wenkers Sprachatlas-Unternehmen sowie der sogenannten „Wenkersätze“ für die Geschichte der oberdeutschen Dialekte. Ziel ist es, die wissenschaftsgeschichtliche Relevanz dieser Erhebungsmethode herauszuarbeiten und zu analysieren, inwiefern die Dialektgeographie als Instrument für kulturgeschichtliche Fragestellungen und zur Identitätskonstitution im oberdeutschen Sprachraum dienen kann.
- Forschungsgeschichte des Sprachatlas-Unternehmens nach Georg Wenker
- Methodik der Datenerhebung und Problematik der dialektalen Abgrenzung
- Digitalisierung historischer Sprachdaten als moderne Forschungsgrundlage
- Wechselwirkung zwischen Dialektforschung und kultureller Identitätsbildung
Auszug aus dem Buch
3.1 GEORG WENKERS FORSCHUNG
Die Wenkersätze stellen die Datengrundlage für Georg Wenkers Sprachatlanten dar, mit denen die einzelnen Lokaldialekte des deutschsprachigen Raums in den Jahren 1876 bis 1887 erhoben wurden. Das von ihm begründete 'Sprachatlas-Unternehmen' existiert noch heute weiter, unter dem Namen 'Forschungsinstitut für deutsche Sprache, Deutscher Sprachatlas' in veränderter Organisationsform. Die auf Wenkers Ansatz zurückgehende Methode der Erhebung und Dateninterpretation, der 'Marburger Schule', ist bis weit in das 20. Jhd. hinein das bestimmende Forschungsparadigma der deutschen Dialektologie.
In der Literatur wurde die Gründung des Sprachatlas-Unternehmens zunächst mit seinem Vorhaben in Verbindung gebracht, er habe damit "die junggrammatische These von der Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze" beweisen wollen. Da sich für diese Annahme in Wenkers Schriften kein Anhaltspunkt gefunden hat, vermutet die Forschung Wenkers Schüler und Nachfolger Ferdinand Wrede als ihr Urheber mit dem Ziel, den Sprachatlas "im Nachhinein in einen größeren, theoretisch-linguistischen Rahmen [zu] versetzen". Wenkers Ziel war es anfangs, klare Dialektgrenzen zu bestimmen, die er "auf Basis zureichenden Datenmaterials geographisch eindeutig festgelegen wollte".
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert das wissenschaftliche Interesse an der regionalen Dialektverbreitung seit dem 19. Jahrhundert und führt in die Person sowie das Lebenswerk von Georg Wenker ein.
2. Die Frage der Einteilung von Dialekten: Dieses Kapitel thematisiert die theoretischen Herausforderungen der dialektalen Abgrenzbarkeit und setzt Wenkers Ansatz in Kontrast zu früheren, weniger systematischen Einteilungsversuchen.
3. Georg Wenker und das Sprachatlasunternehmen: Hier werden die Forschungsschwerpunkte Wenkers sowie der chronologische Verlauf und die methodische Entwicklung der Datenerhebung mittels der Wenkersätze detailliert beleuchtet.
4. Bedeutung von Wenkers Forschung für die Dialektgeschichte: Der Hauptteil analysiert die langfristige Wirkung der erhobenen Daten, von der technischen Digitalisierung über den Einfluss auf Nachfolgeprojekte bis hin zur Rolle der Dialekte für die kulturelle Identität.
5. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das abschließende Kapitel rekapituliert die wegweisende Rolle Wenkers für die Dialektforschung und diskutiert zukünftige Perspektiven der Kulturraumforschung.
Schlüsselwörter
Georg Wenker, Wenkersätze, Sprachatlas, Dialektologie, Marburger Schule, Dialektgeographie, Sprachwandel, Digitalisierung, DiWA, REDE, Dialektgrenzen, oberdeutsche Dialekte, kulturelle Identität, Wortgeographie, Kulturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Wenkersätze und deren Beitrag zur Erforschung der Geschichte der oberdeutschen Dialekte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Methodik des Sprachatlas-Unternehmens, die Bedeutung der Digitalisierung für die Forschung sowie die Verknüpfung von Dialektmerkmalen mit kultureller Identität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse, wie Wenkers dialektgeographische Arbeit die Dialektologie prägte und welchen Wert sie für die kulturgeschichtliche Interpretation von Dialekträumen besitzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer deskriptiven Auswertung historischer dialektologischer Quellen und Forschungsparadigmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Genese der Wenkersätze, deren methodischer Bedeutung, der technologischen Sicherung durch digitale Projekte und der soziologischen Komponente von Dialekten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Wenker-Atlas, Marburger Schule, Dialektgeographie, Sprachwandel, regionale Identität und Kulturraumforschung.
Welchen Einfluss hatte die „Marburger Schule“ auf die Dialektforschung?
Die „Marburger Schule“ etablierte ein über Jahrzehnte bestimmendes Forschungsparadigma, das auf systematischer indirekter Datenerhebung und kartographischer Auswertung basierte.
Wie veränderte die Digitalisierung die Nutzung der Wenker-Karten?
Die Digitalisierung (u.a. via DiWA) sicherte die historischen Bestände vor dem Verfall und ermöglichte durch neue Metadaten eine weitaus effizientere und öffentlich zugängliche Recherche.
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- Jenny Spanier (Author), 2016, Die Rolle der Wenkersätze für die Geschichte der oberdeutschen Dialekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/370059