In der nachfolgenden Ausführung sollen die Kreuzzüge als einschneidende Zäsur in das europäische Mittelalter angesehen werden und die während dieser Zeit entstandene Lyrik, die Kreuzzugslyrik, im Mittelpunkt stehen. Die traditionellen lyrischen Formen der Trobadors wie beispielsweise Kanzone, Pastourelle oder Alba, werden hier vernachlässigt und der Fokus wird auf die altfranzösischen sowie altprovenzalischen Kreuzlieder einzelner Trobadors wie beispielsweise Marcabru gelegt. Es soll der Frage nachgegangen werden, wie das historische Ereignis der Kreuzzüge Zugang in die Lyrik fand und wie die Kreuzzugsidee beziehungsweise die
Kreuzzugsthematik in der trobadoreseken Lyrik des Mittelalters umgesetzt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das herzogliche Haus Aquitanien – Guilhem IX., der erste Trobador
3. Die Ausbildung einer Kreuzzugsidee und der erste Kreuzzug
4. Das Kreuzlied
5. Der Ursprung des Kreuzliedes – das Pilgerlied
6. Der Inhalt der Kreuzlieder
7. Das Pilgerlied Guilhems IX.
8. „Vers del lavador“ – Das Kreuzlied des Trobadors Marcabru
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die literarische Umsetzung der Kreuzzugsthematik in der Trobadorlyrik des Mittelalters. Dabei wird analysiert, wie historische Ereignisse der Kreuzzüge Eingang in die Dichtung fanden und in welcher Weise religiöse Motive genutzt wurden, um den Aufruf zum Kreuzzug poetisch zu legitimieren.
- Die Entstehungsgeschichte der Trobadorlyrik und ihr kultureller Kontext.
- Die Funktion der Kreuzzüge als Zäsur und interkultureller Begegnungsraum.
- Die literarische Gattung des Kreuzliedes und ihre Abgrenzung zum Pilgerlied.
- Die propagandistische Wirkung der Kreuzlieder am Beispiel von Marcabru.
Auszug aus dem Buch
8. „Vers del lavador“ – Das Kreuzlied des Trobadors Marcabru
Marcabrus „Vers del lavador“ gilt in der französischen Literaturwissenschaft nicht nur als berühmtestes sondern zugleich auch als das älteste erhaltene Kreuzzugslied der okzitanischen, ja sogar der volkssprachlichen Lyrik des Mittelalters. Kein anderes Kreuzlied der okzitanischen Trobadors hat vergleichbare Resonanz bei späteren Dichtern gefunden. Wie bereits in den einleitenden Worten erwähnt, zitierten die Trobadore sich gegenseitig. Dieser These entsprechend taten dies auch die okzitanischen Lyriker Guilhem Magret und Raimon Rascas. Marcabrus erstes Kreuzlied beginnt mit der lateinischen Grußformel „Pax in nomine Domini!“ und lässt anschließend in selbstsicheren Ton ein Autorenzitat folgen:
„Fetz Marcabrus los motz e’l so.“
(Marcabru machte Worte und Ton)
Anschließend erbittet er ausdrücklich die Aufmerksamkeit eines einstweilig nicht näher bezeichneten Publikums:
„Aujatz que di:“
(Hört, was er sagt:)
Ab dem vierten Vers befindet sich Marcabru bereits im zentralen Thema des Kreuzliedes:
„Cum nos a fait, per sa doussor;
Lo Seingnorius celestiaus
Probet de nos un lavador,
C’anc, fors outramar, no’n fon taus
En de lai deves Josaphas:“
(Wie hat uns der Herr des Himmels
in seiner Gnade ganz in der Nähe
ein Sühnebad bereitet! Ein solches hat -
ausgenommen überm Meer, dort im Tal
Josaphat – bisher noch nicht existiert)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Trobadorlyrik des Mittelalters und Vorstellung von Guilhem IX. als Pionier dieser Dichtkunst.
2. Das herzogliche Haus Aquitanien – Guilhem IX., der erste Trobador: Porträt von Herzog Guilhem IX. und seinem Wirken als bedeutender Lyriker, der das Lateinische zugunsten der Volkssprache zurückdrängte.
3. Die Ausbildung einer Kreuzzugsidee und der erste Kreuzzug: Analyse der historischen Hintergründe der Kreuzzüge, beginnend mit der Rede Urbans II. auf dem Konzil von Clermont.
4. Das Kreuzlied: Definition und Abgrenzung des Begriffs „Kreuzlied“ sowie Untersuchung seiner inhaltlichen und funktionellen Merkmale.
5. Der Ursprung des Kreuzliedes – das Pilgerlied: Untersuchung der engen Verbindung zwischen der Tradition der Pilgerlieder und der Entstehung des Kreuzliedes.
6. Der Inhalt der Kreuzlieder: Analyse der poetischen Strategien und Themenfelder, die von den Trobadors genutzt wurden, um zum Kreuzzug aufzurufen.
7. Das Pilgerlied Guilhems IX.: Analyse eines spezifischen Werkes von Guilhem IX., das eine Übergangsphase zur Kreuzzugsdichtung darstellt.
8. „Vers del lavador“ – Das Kreuzlied des Trobadors Marcabru: Eingehende Betrachtung des berühmtesten und ältesten okzitanischen Kreuzliedes und seiner propagandistischen Wirkung.
9. Schluss: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse über die Verbindung von Geschichte, Literatur und Religion in der Kreuzlieddichtung.
Schlüsselwörter
Trobadorlyrik, Mittelalter, Kreuzzüge, Kreuzlied, Guilhem IX., Marcabru, Okzitanisch, Pilgerlied, Kreuzzugsidee, Sühnebad, Literaturgeschichte, Glaubenskampf, Religion, Vers del lavador, Mittelalterliche Dichtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und inhaltlichen Gestaltung der Kreuzzugsdichtung innerhalb der mittelalterlichen Trobadorlyrik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die historische Einbettung der Kreuzzüge, die Analyse der poetischen Gattung „Kreuzlied“ und die Untersuchung der Motivationen, die Dichter zu Aufrufen zum heiligen Krieg bewegten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das historische Ereignis der Kreuzzüge in der Lyrik verarbeitet wurde und welche rhetorischen und religiösen Instrumente die Trobadors nutzten, um ihre Zuhörerschaft zu überzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse und hermeneutische Betrachtung der überlieferten Liedtexte im historischen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kreuzzugsidee, die Definition des Kreuzliedes, den Vergleich mit dem Pilgerlied und die detaillierte Untersuchung der Werke von Guilhem IX. und Marcabru.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Trobadorlyrik, Kreuzzugsdichtung, Kreuzlied, Guilhem IX., Marcabru und religiöse Metaphorik.
Warum wird das Lied „Vers del lavador“ von Marcabru als so bedeutend eingestuft?
Es gilt als das älteste erhaltene Kreuzlied in okzitanischer Sprache und setzte durch seine biblische Metaphorik und direkte Appellform einen Standard für nachfolgende Dichter.
Inwiefern unterscheidet sich das Pilgerlied vom eigentlichen Kreuzlied?
Während das Pilgerlied eher spirituell und auf die persönliche Wallfahrt ausgerichtet ist, dient das Kreuzlied als expliziter, propagandistischer Aufruf zum militärischen Glaubenskampf.
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- Benedikt Eibl (Author), 2016, Das Dichten und die Kreuzzüge. Das Kreuzlied der Trobadors, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/369868