Die vorliegende Arbeit widmet sich der Lebenslage geduldeter Frauen in Deutschland sowie den besonderen Umständen, welche sich durch die Mehrfachdiskriminierung sowie die Intersektionalität in den Bereichen des Asylstatus Duldung und dem Geschlecht ergeben. Zunächst wird die Lebenswelt geflüchteter Frauen in der BRD beleuchtet. Hierbei berücksichtigt werden, neben geschlechtsunspezifischen Aspekten, wie die rechtliche Lage, z.B. der Aufenthaltsstatus und damit zusammenhängende Regelungen und Restriktionen, insbesondere auch geschlechtsspezifische Umstände, welche sich aus der oben genannten Intersektionalität ergeben. Hierfür wird die soziale Lage der geflüchteten Frauen beleuchtet, welche materielle Aspekte wie die Wohnsituation oder die Sozialleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beleuchtet. Anschließend widmet sich die Arbeit der Frage, wie die gewonnenen Erkenntnisse hilfreich für eine Soziale Arbeit mit geflüchteten Frauen aussehen können. Hierzu werden Herausforderungen an ein Beratungsangebot aber auch explizit an Pädagog*innen oder Sozialarbeiter*innen herausgearbeitet. Des Weiteren wird ein kurze Vorstellung einer Empowermentbewegung geflüchteter Frauen erfolgen sowie daran orientiert weitere Handlungsperspektiven für die Soziale Arbeit mit ebendiesen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Hinführung zum Thema
1.2. Auseinandersetzung mit dem Flüchtlingsbegriff
2. Einblick in die Lebenswelt geduldeter Frauen
2.1. Rechtliche Lage
2.1.1. Asylverfahren
2.1.2. Duldungsstatus
2.2. Soziale Lage
2.2.1. Geschlechtsbedingte Fluchtbedingungen und -hindernisse
2.2.2. Konsequenzen aus dem Duldungsstatus
3. Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit
3.1. Beratungsarbeit
3.1.1. Beratungsarbeit am Beispiel der geduldeten Frauen
3.1.2. Daraus resultierende Anforderungen an Sozialarbeiter*innen
3.2. Empowerment
3.2.1. „Women in Exile“
3.2.2. Handlungsperspektiven im Rahmen der Fragestellung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebenslage geduldeter Frauen in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung intersektionaler Diskriminierung aufgrund ihres Aufenthaltsstatus und ihres Geschlechts. Ziel ist es, auf Basis einer Analyse der rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen konkrete Handlungsoptionen für eine lebensweltorientierte Soziale Arbeit zu erarbeiten, die über die bloße Asylberatung hinausgeht und die Autonomie der betroffenen Frauen stärkt.
- Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen wie Asylverfahren und Duldungsstatus.
- Untersuchung der spezifischen sozialen Belastungen und Diskriminierungsformen geflüchteter Frauen.
- Darstellung von Ansätzen der lebensweltorientierten Beratung.
- Rolle von Empowermentbewegungen wie „Women in Exile“ für die Soziale Arbeit.
- Ableitung von Anforderungen und Kompetenzen für Sozialarbeiter*innen und Pädagog*innen.
Auszug aus dem Buch
1.1. Hinführung zum Thema
In der Literatur finden sich diverse Werke, welche die Frage nach der Lebenswelt von geflüchteten Menschen erforschen und behandeln. Insbesondere die strukturellen Lebensbedingungen, z.B. die rechtliche Lage (Aufenthaltsstatus) und damit einhergehende Restriktionen in nahezu allen Lebensbereichen (Arbeitsmarkt, Bildung, Freizeitgestaltung,…) (vgl. Gag, Voges 2014) sowie die psychosozialen Folgen für das Individuum (vgl. Grafe 2013) werden intensiv beleuchtet. Weiterhin wird die Frage nach der besseren gesellschaftlichen Integration sowie die Handlungsfähigkeit der geflüchteten Menschen, insbesondere der Jugendlichen, unter Berücksichtigung oben genannter Aspekte viel diskutiert (vgl. Geiger 2016, Seukwa 2010). Obwohl weltweit etwa die Hälfte der Migrant_innen weiblich sind (vgl. Morokvasic 2009, S. 29), bleiben geschlechtsspezifische, bzw. weibliche Perspektiven auf die Themen Flucht, Integration sowie Asyl im wissenschaftlichen Diskurs bis heute stark unterrepräsentiert und Frauen wurden lange nur als familiäre ‚Anhängsel‘ von Arbeitsmigranten gesehen (vgl. Potts, Prasske 1993, S.8). Auch in der Praxis und in den Empowermentbewegungen, z.B. bei Flüchtlingsselbstorganisationen, welche häufig männlich dominiert sind, finden feministische Perspektiven sowie die Wünsche und Bedürfnisse weiblicher geflüchteter Menschen nicht ausreichend Beachtung (vgl. Women in Exile 2016, o.S.). Die bildungspolitische Relevanz der Fragestellung nach der Handlungsfähigkeit in der sozialen Arbeit mit geduldeten Menschen steht in Anbetracht der aktuellen politischen Lage sowie des medialen Diskurses außer Frage (vgl. Seukwa 2010, S.4). Die vorliegende Arbeit widmet sich ebendieser Frage und untersucht die Lebenslage geduldeter Frauen in Deutschland sowie die besonderen Umständen, welche sich durch die Mehrfachdiskriminierung sowie die Intersektionalität in den Bereichen des Asylstatus Duldung und dem Geschlecht ergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, begründet die Relevanz einer geschlechterspezifischen Perspektive auf geflüchtete Menschen und legt den Fokus auf die Lebenslage geduldeter Frauen.
2. Einblick in die Lebenswelt geduldeter Frauen: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen des Asylverfahrens und des Duldungsstatus sowie die daraus resultierenden sozialen Belastungen und geschlechtsspezifischen Hindernisse analysiert.
3. Handlungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel diskutiert Methoden der lebensweltorientierten Beratungsarbeit, Anforderungen an Fachkräfte sowie die Bedeutung von Empowerment-Gruppen für die Unterstützung der Zielgruppe.
4. Fazit: Die abschließenden Überlegungen fassen die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Umdenkens zusammen und betonen die Dringlichkeit, geduldeten Frauen geschützte Räume und wirksame Unterstützung zu bieten.
Schlüsselwörter
Geduldete Frauen, Soziale Arbeit, Flucht, Duldungsstatus, Asylverfahren, Lebensweltorientierung, Empowerment, Women in Exile, Intersektionalität, Geschlechtsspezifische Diskriminierung, Integration, Beratungsarbeit, Handlungskompetenz, Menschenrechte, Sozialpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation geduldeter Frauen in Deutschland und den Möglichkeiten der Sozialen Arbeit, diese Lebensumstände durch professionelle Unterstützung zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die rechtlichen Rahmenbedingungen wie das Asylverfahren, die soziale Lage in Gemeinschaftsunterkünften, intersektionelle Diskriminierung sowie Ansätze des Empowerments.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Handlungsoptionen für Pädagog*innen und Sozialarbeiter*innen zu identifizieren, um trotz restriktiver gesetzlicher Rahmenbedingungen die Handlungsmächtigkeit und Autonomie geflüchteter Frauen zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit fachwissenschaftlicher Literatur, rechtlichen Grundlagen und der Analyse von Empowerment-Ansätzen (insbesondere „Women in Exile“).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Lebenswelt geduldeter Frauen sowie die Diskussion von Beratungsansätzen, Anforderungen an das Fachpersonal und der Bedeutung von Selbstorganisationen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Geduldete Frauen, Lebensweltorientierung, Empowerment, geschlechtsspezifische Diskriminierung und Soziale Arbeit.
Warum wird im Buch auf den Begriff "Flüchtlingsfrauen" verzichtet?
Die Autorin möchte den Fokus auf die Individuen legen und vermeiden, die betroffenen Frauen aufgrund eines Status als "Flüchtling" auf eine homogene Masse zu reduzieren.
Welche Rolle spielen "Women in Exile" für die Soziale Arbeit?
Sie dienen als Beispiel für eine gelungene Selbstorganisation, die den Betroffenen eine Stimme gibt und zeigen auf, wie Soziale Arbeit die Handlungsmächtigkeit der Frauen aktiv fördern kann.
- Quote paper
- Michelle Dailey (Author), 2016, Handlungsoptionen in der Sozialen Arbeit zur Verbesserung der Lebensumstände geduldeter Frauen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/369121