Hausarbeiten logo
Shop
Shop
Tutorials
De En
Shop
Tutorials
  • How to find your topic
  • How to research effectively
  • How to structure an academic paper
  • How to cite correctly
  • How to format in Word
Trends
FAQ
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Wie authentisch kann (Dokumentar-) Literatur sein?

Am Beispiel der "Bottroper Protokolle" von Erika Runge

Titel: Wie authentisch kann (Dokumentar-) Literatur sein?

Seminararbeit , 2017 , 14 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Verena Binder (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Zuge der Dokumentarliteratur-Strömung hat Erika Runge 1968 die "Bottroper Protokolle" veröffentlicht, eine Sammlung von Interviews mit Bottropern, die außerdem Aufzeichnungen von einer Betriebsversammlung und einem Gespräch zwischen zwei Bergarbeiterehepaaren enthält. Über dieses Buch hält Kurt Rothmann fest: „der Hinweis auf das Tonbandgerät und das Fehlen jeglicher Spur des Herausgebers oder seiner gestalterischen Eingriffe erwecken den Eindruck absoluter Authentizität.“ In dieser Arbeit soll analysiert werden, inwieweit dieser Anschein zutreffend ist.

Der Begriff Authentizität wird im Folgenden im Sinne von „Unverfälschtheit“ verwendet. Als Gradmesser für die Authentizität der "Bottroper Protokolle" soll gelten, inwiefern sie die wahre Lebenssituation und die tatsächlichen Gedanken der Befragten abbilden. Des Weiteren erscheint es unpassend, Runge als Autorin zu bezeichnen, weil sie die Texte im Buch nicht selbst geschrieben, sondern lediglich aufgezeichnet, überarbeitet und zusammengestellt hat. Deshalb wird sie in dieser Arbeit Aufzeichnerin genannt, in Anlehnung an den Untertitel „Aufgezeichnet von Erika Runge“.

Die ersten beiden Kapitel dieser Arbeit beschäftigen sich mit dem Entstehungsprozess der "Bottroper Protokolle", wobei das Augenmerk darauf liegt, bei welchen Schritten es in welcher Weise zu einem Authentizitätsverlust gekommen sein könnte. Das erste Kapitel behandelt die Auswahl der Interviewpartner durch Runge und die Durchführung der Befragungen. Im zweiten Kapitel geht es um die Auswirkungen der Veränderungen, die die Aufzeichnerin an den Protokollen vorgenommen hat und um das System, nach welchem sie die Einzeltexte im Gesamtwerk angeordnet hat. Das dritte Kapitel analysiert das Vorwort von Martin Walser im Hinblick auf eine mögliche Beeinflussung der Art und Weise, wie der Leser die "Bottroper Protokolle" interpretiert.

Ein wichtiger Literaturtitel für diese Arbeit ist die Monographie "Prolegomena zu einer Poetik der Dokumentarliteratur" von Nikolaus Miller. Außerdem bezieht sich diese Analyse häufig auf die Magisterarbeit von Monika Frasl, die den Titel "Studien zur Protokoll-Literatur von Erika Runge" trägt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Untersuchung der Authentizität der Bottroper Protokolle

2.1 Auswahl der Interviewpartner und Durchführung der Interviews

2.2 Bearbeitung und Anordnung der Interviews

2.3 Der Einfluss des Vorworts von Martin Walser auf den Leser

3 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch den Authentizitätsanspruch der "Bottroper Protokolle" von Erika Runge. Dabei wird analysiert, inwieweit die Auswahl der Interviewpartner, die redaktionelle Bearbeitung des Materials sowie das einflussreiche Vorwort von Martin Walser die Wahrnehmung der dokumentarischen Realität prägen und ob die Bezeichnung als "authentisch" vor diesem Hintergrund wissenschaftlich haltbar ist.

  • Entstehungsprozess und Auswahlkriterien der Interviewpartner
  • Einfluss der redaktionellen Bearbeitung und Montage auf die Textauthentizität
  • Die Rolle der Interviewfragen und die künstliche Kommunikationssituation
  • Die steuernde Funktion des Vorworts von Martin Walser für die Rezeption
  • Grundsatzfragen zur Dokumentarliteratur und subjektiven Authentizität

Auszug aus dem Buch

2.2 Bearbeitung und Anordnung der Interviews

Runge hat die Interviews zunächst Wort für Wort aufgeschrieben. Vor der Veröffentlichung hat sie die Texte jedoch verändert, indem sie Umstellungen vorgenommen und einzelne Worte, Sätze und ganze Passagen herausgestrichen hat. Diese Veränderungen sind kritisch auf ihren Einfluss auf die Authentizität der Bottroper Protokolle hin zu untersuchen.

Die Aufzeichnerin hat die Stellen herausgestrichen, an denen die Interviewten bereits Gesagtes noch einmal wiederholen. Dies ist durchaus vertretbar, sofern die Verständlichkeit des Textes erhalten bleibt und die Bedeutsamkeit der Aussage für den Sprecher, die dieser eventuell durch die Wiederholung ausdrücken will, erkennbar bleibt. Allerdings hat Runge auch „Absätze […] aus inhaltlich-politischen Gründen […] herausgenommen“. Leider wird dieser Aspekt, der für die Beurteilung der Authentizität der Bottroper Protokolle entscheidend sein könnte, nicht weiter ausgeführt.

Die Aufzeichnerin gibt die Fragen, die sie während der Interviews gestellt hat, in den Bottroper Protokollen nicht wieder. Vereinzelt sind jedoch noch Anzeichen eines Dialogs erkennbar, zum Beispiel bei Heinrich W.: „Inzwischen wurde ich Leiter dieser Schule, die […] recht viel Schönes auf ihrem Entwicklungsgang erlebt hat. Einzelheiten darüber?“

Pallowski moniert die Verschleierung der Dialogform und der Beeinflussung der Rede durch Runge. Weiterhin merkt sie kritisch an, dass dadurch die tatsächlichen Produktionsbedingungen des Textes verdeckt werden. Miller hingegen betrachtet die Streichung der Fragen als „die editorische Konsequenz der im Interview [durch die Fragetechnik der Aufzeichnerin, Anm. d. Verf.] hergestellten Antwortautonomie.“ Bei dieser Aussage übersieht er aber, dass die Interviewten durch jede Art von Zwischenfrage in ihren Äußerungen beeinflusst werden. Nach Frasls Auffassung wirkt der Text durch die Überführung in einen Monolog „direkter und unmittelbarer“. Dem ist durchaus zuzustimmen, allerdings geht durch die Tilgung der Fragen ein Stück Authentizität verloren.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk "Bottroper Protokolle" ein, definiert den Begriff Authentizität als "Unverfälschtheit" und stellt die Zielsetzung der Analyse sowie das methodische Vorgehen vor.

2 Untersuchung der Authentizität der Bottroper Protokolle: In diesem Hauptteil wird der Entstehungsprozess durch die Auswahl der Partner, die Bearbeitung des Materials durch die Aufzeichnerin und der Einfluss des Vorworts auf die Leserwirkung detailliert untersucht.

2.1 Auswahl der Interviewpartner und Durchführung der Interviews: Dieses Unterkapitel beleuchtet die gezielte Selektion der Befragten durch Erika Runge und hinterfragt, inwiefern die Durchführung der Interviews in einer künstlichen Situation die Authentizität beeinträchtigt.

2.2 Bearbeitung und Anordnung der Interviews: Hier werden die vorgenommenen Textkürzungen, Streichungen der Interviewfragen sowie die inhaltliche Umstellung der Absätze kritisch analysiert.

2.3 Der Einfluss des Vorworts von Martin Walser auf den Leser: Dieser Abschnitt analysiert die steuernde Wirkung von Martin Walsers Vorwort, das den Leser vorab auf eine spezifische Interpretation im Kontext der Klassengesellschaft lenkt.

3 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Authentizität der "Bottroper Protokolle" aufgrund der starken editorischen Eingriffe und der Lenkung durch das Vorwort als zweifelhaft zu bewerten ist.

Schlüsselwörter

Dokumentarliteratur, Bottroper Protokolle, Erika Runge, Authentizität, Martin Walser, Arbeiterbewegung, Interview, Montage, Klassengesellschaft, Literaturwissenschaft, Subjektivität, Redaktionelle Bearbeitung, Soziale Realität, Aufzeichnerin, Dokumentarismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch, wie authentisch die als Dokumentarliteratur bekannte Sammlung "Bottroper Protokolle" von Erika Runge tatsächlich ist, indem sie den Entstehungsprozess und die editorische Gestaltung hinterfragt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Auswahl der Interviewpartner, der nachträglichen Bearbeitung und Anordnung des Gesprächsmaterials sowie der interpretativen Beeinflussung durch das Vorwort von Martin Walser.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Das Ziel ist es zu analysieren, inwieweit der Anspruch auf "absolute Authentizität", der dem Buch oft zugeschrieben wird, vor dem Hintergrund der nachweisbaren Veränderungen durch die Aufzeichnerin tatsächlich zutreffend ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf dem Vergleich mit Sekundärliteratur (insbesondere Nikolaus Miller und Monika Frasl) und der Untersuchung der dokumentarischen Praxis von Erika Runge basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Entstehungsprozesses (Auswahl der Partner, Durchführung der Interviews, Textbearbeitung) und die Analyse der rezeptionssteuernden Wirkung des Vorworts von Martin Walser.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Dokumentarliteratur, Authentizität, Erika Runge, Montage, subjektive Empfindungen und die Rolle der Aufzeichnerin.

Warum wird Erika Runge in der Arbeit als "Aufzeichnerin" bezeichnet?

Da sie die Texte nicht im klassischen Sinne als Autorin erfunden, sondern Interviews aufgezeichnet, überarbeitet und zusammengestellt hat, ist der Begriff "Aufzeichnerin" präziser als "Autorin".

Welche Rolle spielt das Vorwort von Martin Walser für die Authentizität des Werkes?

Das Vorwort nimmt dem Leser die Unvoreingenommenheit, indem es die Protokolle vorab als Zeugnisse einer Klassengesellschaft deutet und somit eine spezifische Wahrnehmung der Interviewaussagen vorgibt.

Wie beeinflusst die Montage der Interviews die Authentizität?

Durch das Streichen von Fragen, Umstellungen von Passagen und Kürzungen wird die ursprüngliche Dialogsituation verfremdet, wodurch der Text zwar flüssiger lesbar wird, aber ein Stück der ursprünglichen, unmittelbaren Authentizität verliert.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Wie authentisch kann (Dokumentar-) Literatur sein?
Untertitel
Am Beispiel der "Bottroper Protokolle" von Erika Runge
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Autor
Verena Binder (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V367461
ISBN (eBook)
9783668459472
ISBN (Buch)
9783668459489
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dokumentar- literatur beispiel bottroper protokolle erika runge
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Verena Binder (Autor:in), 2017, Wie authentisch kann (Dokumentar-) Literatur sein?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/367461
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  14  Seiten
Hausarbeiten logo
  • Facebook
  • Instagram
  • TikTok
  • Shop
  • Tutorials
  • FAQ
  • Zahlung & Versand
  • Über uns
  • Contact
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum