In diesem Referat befasse ich mich mit der jüdischen Sichtweise über die jesajanischen Messiasverheißungen. Dazu gehe ich zunächst darauf ein, was überhaupt unter einer Messiasverheißung verstanden wird und welche Sichtweisen es im frühen Judentum gab.
Im Folgenden schauen wir dann konkret, welche Standpunkte, bezüglich eines Messias, zu den Schriften Jesajas vorlagen.
Abschließend werde ich eine kurze Gegenüberstellung jüdischer Positionen zu denen christlicher Sichtweisen, über die Verheißungen eines Messias, durchführen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Messiasverheißungen
2.1. Wortdefinierung „Messias“
2.2. Allgemeine Messiasverheißungen
2.3. Jesajanische Messiasverheißungen
3. Sichtweise/Deutung der jesajanischen Messiasverheißungen
3.1. Jüdische Sichtweise
3.2. Kurze Gegenüberstellung der jüdischen und christlichen Sichtweisen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die jesajanischen Messiasverheißungen aus einer spezifisch jüdischen Perspektive zu analysieren und kritisch den christlichen Deutungen gegenüberzustellen, um die unterschiedlichen Auslegungstraditionen zu verdeutlichen.
- Historische und theologische Wortbedeutung des Begriffs „Messias“
- Vielfalt der jüdischen Messiaserwartungen im Frühjudentum und der späteren Epochen
- Analyse der zentralen jesajanischen Heilsworte (Jes 9 und Jes 11)
- Kontrastierung jüdischer und christlicher Interpretationen, insbesondere am Beispiel von Jesaja 7,14
Auszug aus dem Buch
3.1. JÜDISCHE SICHTWEISE
Schauen wir uns nun die zwei Stellen der Messiasverheißungen aus den jesajanischen Schriften nach jüdischer Sichtweise genauer an.
Die Jesajaschrift Jesaja 8,23-9,6 gilt als erste echte messianische Weissagung. Der Schriftprophet Jesaja verkündet sie um 730 v. Chr. als Freudenbotschaft an das von den Assyrern unterdrückte Volk Israel. Er verspricht ein baldiges Ende der Unterdrückung wie am Tag Midians, darüber hinaus ein Ende aller Gewaltherrschaft. Grund dafür sei die Geburt eines Kindes, das JHWH zum künftigen Herrscher auf Davids Thron bestimmt habe. Jesaja legt ihm Thronnamen bei, die in Israel nicht für irdische Könige üblich, sondern Gott selbst vorbehalten waren.
Die Jesajaschrift Jesaja 11,1-10 führt die auf das Gottesrecht gestützte Regentschaft des Gottgesandten aus: Er werde aus dem Stumpf Isais hervorgehen. Da auf diesem „Spross" Gottes Geist ruhe, werde er alle Königstugenden wie Weisheit, Einsicht, Entschlusskraft, Erkenntnis und Gottesfurcht vereinen. Diese würden ihn befähigen, ohne Rücksicht auf Augenschein und Gerücht die Armen gerecht zu richten, die Gewalttäter aber zu schlagen: allein mit dem Stab seines Mundes, also mit dem Richtspruch selbst. Diese Gerechtigkeit werde die ganze Schöpfung verwandeln und den Fluch von Gen 3 aufheben: Wölfe und Schafe, Kinder und Giftschlangen leben einträchtig zusammen. Die ganze Erde werde Gott erkennen, so dass niemand mehr Unrecht tut. Der Regent werde als Zeichen dastehen, das die Völker bewege, nach Gott zu fragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab, indem sie das Ziel definiert, jesajanische Messiasverheißungen aus jüdischer Perspektive zu beleuchten und mit christlichen Sichtweisen zu kontrastieren.
2. Messiasverheißungen: Dieses Kapitel erläutert die terminologische Herkunft des Messias-Begriffs und gibt einen Überblick über die historische Entwicklung vielfältiger jüdischer Messiaserwartungen sowie spezifisch jesajanischer Verheißungen.
3. Sichtweise/Deutung der jesajanischen Messiasverheißungen: Hier werden die zentralen jesajanischen Texte exegetisch untersucht und die jüdische Auslegung den christlichen Deutungen, etwa bei der Jungfrauengeburt, gegenübergestellt.
Schlüsselwörter
Messias, Jesaja, Judentum, Gottesknecht, Immanuel, Bibelauslegung, Messiasverheißungen, JHWH, Altes Testament, christliche Exegese, jesajanische Schriften, messianische Erwartungen, Exil, Davids Thron, Religionsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die jüdische Sichtweise auf die Messiasverheißungen im Buch Jesaja und vergleicht diese mit christlichen Interpretationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Etymologie des Messiasbegriffs, die Vielfalt jüdischer Messiaserwartungen und die textkritische Analyse jesajanischer Prophezeiungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Verständnis des Messias im jüdischen Kontext zu schärfen und Diskrepanzen zur christlichen Tradition aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-theologische Analyse unter Einbeziehung biblischer Texte und jüdischer Kommentartraditionen angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische jesajanische Heilsworte wie Jesaja 9 und 11 sowie die unterschiedliche Deutung der „Jungfrauengeburt“ in Jesaja 7,14.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Jesaja, Messiasverheißungen, Judentum, Exegese und theologische Deutung charakterisieren.
Wie unterscheiden sich die Sichtweisen bezüglich der „Jungfrauengeburt“?
Während christliche Traditionen das hebräische „alma“ als „Jungfrau“ übersetzen, betont die jüdische Sicht die Bedeutung als „junge Frau“ im damaligen historischen Kontext des Königs Ahas.
Warum wird Jesaja 53 in der jüdischen Tradition nicht auf den Messias bezogen?
In der jüdischen Auslegung wird Jesaja 53 kollektiv auf das leidende Volk Israel gedeutet, das als „Diener Gottes“ stellvertretend für die Völker leidet.
Welche Rolle spielt die historische Umgebung für Jesaja 9 und 11?
Diese Texte werden in den Kontext der babylonischen Exilszeit eingeordnet, in der die Hoffnung auf ein erneuertes, gerechtes Königtum unter Gottes Führung zentral war.
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- Joél Overbeck (Author), 2017, Jesajanische Messiasverheißungen aus jüdischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/366955