Diese Hausarbeit geht der Frage nach, auf welche Mechanismen die soziale Ungleichheit bei der Wahl postsekundärer Bildungswege zurückzuführen ist. Untersucht werden demnach Studienberechtigte aus der Dienst- und Arbeiterklasse im gegenseitigen Vergleich, welche über das allgemeinbildende Gymnasium, dem typischen Weg, das Abitur erworben haben. Hierbei soll herausgefunden werden, inwiefern die soziale Herkunft Einfluss auf die Wahl einer akademischen Berufsausbildung an einer Hochschule hat beziehungsweise zur Ablenkung durch eine nichtakademische berufliche Ausbildung führt.
Als theoretische Grundlage der Analyse soll die Unterscheidung von primären und sekundären Herkunftseffekten nach Boudon (1974) dienen sowie die Weiterentwicklung dieses Ansatzes durch den deutschen Vertreter der Rational-Choice-Modelle Esser (1999), für den der Statuserhalt maßgeblicher Einflussfaktor auf die Bildungsentscheidung darstellt (Abschnitt 2). Darauffolgend werden die empirischen Ergebnisse ausgewählter Studien zur Wirkung der primären und sekundären Herkunftseffekte am Übergang zur Hochschule sowie zur Bildungsmotivation und dem Investitionsrisiko vorgestellt (Abschnitt 3). Das abschließende Resümee gibt einen Überblick über die Arbeit und fasst die Ergebnisse zusammen. Es werden Schlussfolgerungen gezogen sowie ein Ausblick auf den sich anschließenden Bildungsübergang vom Bachelor zum Master geliefert (Abschnitt 4).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Primäre und sekundäre Herkunftseffekte
2.2 Werterwartungstheoretisches Entscheidungsmodell
3. Empirische Ergebnisse
3.1 Primäre und sekundäre Herkunftseffekte
3.2 Bildungsmotivation und Investitionsrisiko
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Mechanismen, durch die die soziale Herkunft die Bildungsentscheidungen von Studienberechtigten nach dem Abitur beeinflusst, mit einem besonderen Fokus auf den Vergleich zwischen der Dienst- und der Arbeiterklasse.
- Rational-Choice-Modelle zur Erklärung von Bildungsentscheidungen
- Die Differenzierung zwischen primären und sekundären Herkunftseffekten
- Die Rolle der Bildungsmotivation und des Investitionsrisikos
- Der Einfluss von Kosten-Nutzen-Kalkulationen auf die Wahl der Ausbildungsalternative
- Empirische Evidenz zur sozialen Ungleichheit beim Übergang an die Hochschule
Auszug aus dem Buch
2.1 Primäre und sekundäre Herkunftseffekte
Die empirische Ungleichheitsforschung hat präzise dokumentiert, dass die entscheidenden Situationen der Entstehung von Ungleichheiten diese Übergansschwellen von Bildungsverläufen sind, da dort primäre und sekundäre Herkunftseffekte zusammenwirken (vgl. Watermann et al., 2014, S. 236). Diese Unterscheidung von primären und sekundären Effekten wurde ursprünglich von Boudon (1974), zur Untersuchung schichtspezifischer Unterschiede im Bildungserfolg eingeführt.
Die primären Herkunftseffekte beschreiben den Einfluss der sozialen Herkunft auf den Kompetenzerwerb. So weisen Schüler mit unterschiedlichem sozialen familiären Hintergrund im Durchschnitt ein differentes Schulleistungsniveau auf (vgl. Schindler, 2014, S. 44). Diese herkunftsbedingten Leistungsunterschiede ergeben sich aufgrund von klassenspezifischen Sozialisationsprozessen, bedingt durch die unterschiedliche Ressourcenausstattung im Elternhaus, die unterschiedliche kognitive und motivationale Förderung der Eltern wie auch unterschiedlicher genetischer Voraussetzungen (vgl. Relikowski, 2012, S. 19f.).
Neben den primären, über die Schulleistung vermittelten Leistungsunterschieden, wirken außerdem sekundäre Herkunftseffekte, welche sich auf das Entscheidungsverhalten der Akteure an den entscheidenden Übergängen ihres Bildungsweges beziehen. Dieses spezifische Entscheidungsverhalten wirkt unabhängig von fachlichen Kompetenzen (primären Effekten) und ergibt sich aufgrund von Vorerfahrungen, besonderer Motivation oder dem Wunsch des Statuserhalts der Familie. Damit verbunden kommt es zu einer Abwägung möglicher Alternativen bezüglich der erwarteten Erträge und Kosten der Bildungsentscheidung (vgl. Kirsten & Dollmann, 2012, S.110f.). Personen aus der Dienstklasse entscheiden sich demnach eher für einen tertiären Bildungsweg, welcher ihren sozialen Status sichert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie soziale Herkunft die Wahl von Ausbildungsalternativen nach dem Abitur beeinflusst und skizziert den theoretischen Rahmen sowie das Ziel der Untersuchung.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Rational-Choice-Ansätze sowie die Unterscheidung von primären und sekundären Herkunftseffekten nach Boudon und Esser als theoretische Basis.
3. Empirische Ergebnisse: Hier werden Studien analysiert, die den Einfluss der sozialen Herkunft auf das Übergangsverhalten belegen und die theoretischen Konzepte wie Bildungsmotivation und Investitionsrisiko empirisch prüfen.
4. Resümee: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, wonach insbesondere sekundäre Herkunftseffekte und subjektive Kosteneinschätzungen die Bildungsentscheidungen maßgeblich prägen.
Schlüsselwörter
Soziale Herkunft, Bildungsübergang, Abitur, Hochschulstudium, Rational-Choice, primäre Herkunftseffekte, sekundäre Herkunftseffekte, Bildungsmotivation, Investitionsrisiko, Statuserhalt, Dienstklasse, Arbeiterklasse, Bildungsentscheidung, Kosten-Nutzen-Kalkulation, soziale Ungleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, warum Studienberechtigte aus unterschiedlichen sozialen Herkunftsschichten – konkret Dienst- und Arbeiterklasse – nach dem Abitur systematisch unterschiedliche Bildungswege wählen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die soziale Ungleichheit am Übergang zur Hochschule, die Bedeutung von Rational-Choice-Entscheidungsmodellen und die Analyse von Barrieren beim Hochschulzugang.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die zugrunde liegenden Mechanismen zu identifizieren, die dazu führen, dass Herkunftseffekte die Entscheidung für ein Studium oder eine nichtakademische Berufsausbildung beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Rational-Choice-Ansätze und einer vergleichenden Auswertung bestehender empirischer Studien zur Bildungssoziologie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Herkunftseffekte (primär/sekundär) und die empirische Überprüfung dieser Konzepte anhand von Faktoren wie Bildungsmotivation und Investitionsrisiko.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Analyse?
Die Analyse ist durch Begriffe wie primäre und sekundäre Herkunftseffekte, Statuserhalt, Investitionsrisiko, Erfolgswahrscheinlichkeit und ökonomische bzw. soziale Kosten geprägt.
Welche Rolle spielen sekundäre Herkunftseffekte in der Arbeit?
Sie werden als entscheidender Faktor identifiziert, da sie das Entscheidungsverhalten unabhängig von der tatsächlichen schulischen Leistung maßgeblich steuern.
Wie beeinflusst das Investitionsrisiko die Studienwahl?
Da Arbeiterkinder Bildungserträge als riskanter und weniger sicher einschätzen, nehmen sie die Kosten eines Studiums höher wahr, was häufiger zu einer Entscheidung gegen ein Studium führt.
- Quote paper
- Neema Li (Author), 2017, Soziale Ungleichheiten am Übergang zur Hochschule. Wie beeinflusst die soziale Herkunft die Wahl der Ausbildungsalternativen nach dem Abitur?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/366533