Das NS-Regime nutzte Musik und Literatur um das Volk, insbesondere die Kinder, mit ihren Idealen zu indoktrinieren, indem es sehr genau kontrollierte was gelesen oder gehört werden darf. Ein Beispiel für die indoktrinierende Wirkung von Büchern auf Kinder ist das dieser Hausarbeit zugrunde liegende Kinderbuch „Der Giftpilz“ von Ernst Hiemer (1939). Dieses Buch werde ich im Verlauf analysieren, mit besonderem Schwerpunkt auf die Indoktrination der jungen Leserschaft.
Dazu werde ich im ersten Kapitel den historischen Kontext zur Erscheinungszeit erläutern und danach kurz bio- und bibliographisch auf den Autor eingehen. Im zweiten Kapitel werde ich ein Abstract des kompletten Buches erstellen, welches einen Eindruck des Buches vermitteln sowie den Inhalt grob wiedergeben soll. Es wird jedoch noch keine Analyse enthalten. Das dritte Kapitel wird den Hauptteil der Arbeit enthalten, hier werden ausgewählte Stellen mit Blick auf die Indoktrination der Leser analysiert. Hierzu werden zuerst die Adressaten, dann das Bild des Juden und anschließend das des Deutschen vorgestellt. Den Abschluss des Kapitels bildet die Darstellung der Lehre des Buches. Das vierte Kapitel wird ein Fazit enthalten, welches den Inhalt wertend zusammenfassen wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Kontext
1.1 Historischer Kontext
1.2 Ernst Hiemer – Biographie und Bibliographie
2. Inhaltliche Zusammenfassung (Abstract)
3. Analyse ausgewählter Stellen mit Fokus auf die indoktrinierende Wirkung der Geschichten
3.1 Die Adressaten
3.2 Die Darstellung der Juden
3.3 Die Darstellung der Deutschen
3.4 Die Lehre des Werkes
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Indoktrination von Kindern im Dritten Reich am Beispiel des Kinderbuches „Der Giftpilz“ von Ernst Hiemer. Das primäre Ziel ist es, die in dem Werk angewandten Mechanismen der Manipulation und die propagandistische Vermittlung antisemitischer Feindbilder aufzuzeigen und zu analysieren.
- Historischer Kontext der NS-Kinderliteratur
- Biographische Einordnung des Autors Ernst Hiemer
- Analyse der Adressatengruppen und zielgruppenspezifische Ansprache
- Darstellung antisemitischer Stereotype und Kontrastierung zum „arischen“ Bild
- Die Funktion der inhaltlichen Lehre und Ideologievermittlung
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Darstellung der Juden
Wie zu erwarten wird an den Juden keine gutes Haar gelassen. Der Jude an sich ist in dem Buch die personifizierte Boshaftigkeit, er wird ausschließlich mit negativ und abstoßend beschrieben und immer wieder darauf Aufmerksam gemacht welchen gefahren von ihm ausgehen.
Der gefährliche“ Jude wird in dem Buch, mit Ausnahme der Geschichte „Was ist der Talmud“, durchweg als erwachsener Mann dargestellt. Laut Hiemer sind sie alle faul, betrügen wo sie nur können, verlaust und pädophil. Auch werden diejenigen, die einer geregelten Arbeit nachgehen, systematisch diffamiert. So sind beispielsweise alle Händler Betrüger, Anwälte beuten ihre deutschen Klienten aus, Doktoren vergreifen sich an Kindern und ihre Angestellten behandeln sie wie Tiere.
Dies wird schon in der ersten Kurzgeschichte die dem Buch seinen Namen gab sehr deutlich. Der kleine Franz geht mit seiner Mutter im deutschen Wald Pilze sammeln und findet einen Giftpilz. Die Mutter erklärt ihm dass es ungiftige und giftige gibt und verdeutlicht dies durch die Metapher, dass der Jude Ähnlichkeit mit dem Giftpilz hat. „Wie auch immer sie sich verkleiden oder wie freundlich sie tun, du darfst ihnen nicht glauben! Juden sind Juden und das bleiben sie auch!“ (Hiemer, 1939, p. 7) Auf unsere heimischen Gefilde bezogen, lässt sich vermuten, dass die Mutter von Franz die Gefährlichkeit der Juden z.B. mit Hilfe des Fliegenpilzes, der schön aussieht und für Kinder eine gewisse Anziehungskraft hat, oder des Gifthäublings, leicht zu verwechseln mit dem essbaren Stockschwämmchen, beschreiben will. Und die Gefährlichkeit an sich erklärt sie ihm mit den Worten; „Genau wie ein einziger Pilz eine ganze Familie töten kann, so kann ein einzelner Jud ein ganzes Dorf, eine ganze Stadt, sogar ein ganzes Volk zerstören“ (Hiemer, 1939, p. 7).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Literatur im NS-Regime dar und erläutert die methodische Vorgehensweise zur Analyse des Buches „Der Giftpilz“.
1. Kontext: Dieses Kapitel beleuchtet die historischen Umstände der Zensur im Dritten Reich sowie die biographischen Hintergründe des Autors Ernst Hiemer.
2. Inhaltliche Zusammenfassung (Abstract): Es wird ein Überblick über den strukturellen Aufbau des Buches und die kernaussagende Intention der Kurzgeschichten gegeben.
3. Analyse ausgewählter Stellen mit Fokus auf die indoktrinierende Wirkung der Geschichten: Der Hauptteil analysiert die gezielte Beeinflussung der Leser durch die Zeichnung von Feindbildern und die Heroisierung des „arischen“ Kindes.
4. Fazit: Das Fazit wertet die Wirksamkeit der Propaganda-Mechanismen und die Rolle des Buches als Instrument zur massiven Ideologisierung der Jugend aus.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Der Giftpilz, Ernst Hiemer, Indoktrination, Kinderbuch, Antisemitismus, NS-Propaganda, Judenfeindlichkeit, Erziehung, Ideologie, NS-Regime, Hitlerjugend, BDM, Textanalyse, Rassenideologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen und Strategien der Indoktrination in dem antisemitischen Kinderbuch „Der Giftpilz“ von Ernst Hiemer aus dem Jahr 1938.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen der historische Kontext der NS-Literaturpolitik, die Darstellung von Juden als Feindbild sowie die Konstruktion eines „idealen“ arischen Kindes als Identifikationsfigur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch einfache Erzählstrukturen und ständige Wiederholungen bereits Kinder in die NS-Ideologie eingebunden und zum Hass gegen Juden manipuliert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wendet eine strukturierte Textanalyse an, bei der ausgewählte Kurzgeschichten auf ihre inhaltliche Botschaft, Sprachwahl und indoktrinierende Wirkung hin untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Betrachtung der Zielgruppe (Adressaten), die negative Darstellung jüdischer Menschen, die positive Darstellung deutscher Protagonisten und die übergreifende Lehre des Werkes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Antisemitismus, Propaganda, Indoktrination und rassistische Erziehung definieren.
Welche Rolle spielen die Illustrationen im Buch „Der Giftpilz“?
Die Illustrationen von „Fips“ ermöglichten es auch Kindern, die noch nicht lesen konnten, die negativen Stereotype visuell zu erfassen und die phänotypischen Merkmale der Juden einzuprägen.
Wie reagieren die Protagonisten in den Geschichten auf die „Judenfrage“?
Die Kinder in den Geschichten fungieren als kleine Wissende, die ihre oft ahnungslosen Eltern belehren und loyal den Anweisungen des NS-Regimes bzw. des BDM folgen.
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- Anonym (Author), 2014, Die Indoktrination von Kindern im Dritten Reich. Analyse des Kinderbuches "Der Giftpilz" von Ernst Hiemer, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/366344