Jahresabschlussadressaten werden mit zunehmender sektoraler und regionaler Diversifikation
der Unternehmen, häufig mit dem Problem einer abnehmenden Aussagekraft des konsolidierten Abschlusses über die wirtschaftliche Lage konfrontiert. Besonders bei Unternehmen mit starker Diversifizierung ist oftmals nicht zu erkennen aus welchen Teilen sich die Risikostruktur zusammensetzt. Die Segmentberichterstattung soll dem Berichtsadressaten Informationen zur Verfügung stellen, um eine angemessene Beurteilung über ausgeübte Geschäftstätigkeiten des Unternehmens sowie das wirtschaftliche Umfeld zu ermöglichen. Das IASB veröffentlichte hierzu den Standard IAS 14, der mit dem sog. risk and reward approach, das Ziel verfolgte eine Abgrenzung der Segmente nach der Ähnlichkeit der Risiko-Chancen-Struktur der Unternehmensbereiche zu ermöglichen.
Im Jahre 2006 verabschiedete das IASB den neuen Standard IFRS 8 zur Segmentberichterstattung. Dieser war Bestandteil des Konvergenzprojektes zwischen dem IASB und dem FASB im Jahre 2002, mit dem Ziel weniger komplexe Unterschiede der Regelwerke IFRS und US-GAAP zu beseitigen. Somit wurde im Zuge des Konvergenzprojektes der management approach aus dem SFAS 131 übernommen. Vielfach wird die Umsetzung des management approaches als Paradigmenwechsel bezeichnet, da hier anders als im risk and reward approach des IAS 14 die Segmentabgrenzung und Segmentinformationen in Verbindung mit dem internen Reporting stehen.
Das Ziel der folgenden Kapitel ist es die grundlegende Konzeption des Standards vorzustellen und dem Leser einen Einblick in die Regelungen des IFRS 8 zu geben. Des Weiteren wird über den Zielerreichungsgrad des IASB bezüglich einer gesteigerten Aussagekraft der Segmentberichterstattung diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Arbeit
2. Regelungen des IFRS 8
2.1 Anwendungsbereich
2.2 Geschäftssegmente
2.2.1 Segmentabgrenzung
2.2.2 Operative Segmente
2.2.3 Berichtspflichtige Segmente
2.3 Segmentinformationen
2.3.1 Allgemeine Informationen
2.3.2 Informationen zur Ertrags- und Vermögenslage
2.3.3 Überleitungsrechnung
2.3.4 Segmentübergreifende Informationen
3. Kritische Würdigung der Segmentberichterstattung nach IFRS 8
3.1 Harmonisierung des internen und externen Rechnungswesens
3.2 Veränderung und Verbesserung in der Publizitätspraxis durch IFRS 8
4. Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Konzeption der Segmentberichterstattung nach IFRS 8 unter besonderer Berücksichtigung des "management approach" und untersucht kritisch, inwieweit der Standard sein Ziel einer gesteigerten Aussagekraft sowie einer Harmonisierung zwischen internem und externem Rechnungswesen erreicht hat.
- Grundlagen und Anwendungsbereich des IFRS 8
- Abgrenzung und Identifikation operativer Segmente
- Umfang und Ermittlung von Segmentinformationen
- Empirische Analyse der Harmonisierung von Rechnungssystemen
- Kritische Würdigung der tatsächlichen Verbesserungen in der Publizitätspraxis
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Segmentabgrenzung
Im Rahmen der Segmentberichterstattung liegen hinsichtlich der Segmentabgrenzung und Ermittlung der Segmentdaten verschiedene Konzeptionen zugrunde. Im Fokus stehen dabei zwei Ansätze. Zum einen der sog. risk and reward approach und zum anderen der sog. management approach.11
In den Regelungen des IAS 14, der durch das Inkrafttreten des IFRS 8 ersetzt wurde, stand der risk and reward approach im Fokus. Dieser Ansatz orientierte sich an den Chancen und Risiken eines Unternehmens. Demnach wurden Segmente so abgegrenzt, dass ein homogener Unterschied bezüglich der Chancen und Risikostruktur entstand.12 So bildeten je nach Dominanz des Chancen- und Risikoprofils entweder produktorientierte Geschäftsbereiche oder geographische Regionen das primäre bzw. sekundäre Berichtsformat.13 Bestand ein Zweifel hinsichtlich des primären und sekundären Berichtsformates, wie z.B. im Falle einer Matrixorganisation, mussten produktorientierte Geschäftsbereiche als primäre und geographische Geschäftsbereiche als sekundäre Segmentebenen festgelegt werden.14 Der wesentliche Unterschied zum management approach besteht darin, dass im risk and reward approach zwingend die externen Rechnungslegungsgrundsätze des berichtenden Unternehmens herangezogen werden müssen.15
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert die Problematik der abnehmenden Aussagekraft konsolidierter Abschlüsse bei diversifizierten Unternehmen und führt in die Zielsetzung des IFRS 8 sowie den "management approach" ein.
2. Regelungen des IFRS 8: Hier werden der Anwendungsbereich, die Kriterien für die Bestimmung operativer und berichtspflichtiger Segmente sowie die Anforderungen an die Segmentberichterstattung detailliert dargestellt.
3. Kritische Würdigung der Segmentberichterstattung nach IFRS 8: Dieses Kapitel hinterfragt mittels empirischer Studien den Erfolg des Standards hinsichtlich der Harmonisierung interner und externer Systeme sowie der tatsächlichen Verbesserung der Publizitätspraxis.
4. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über den Paradigmenwechsel durch den IFRS 8 zusammen und verweist auf die kritischen Aspekte, die in Überprüfungen durch das IASB identifiziert wurden.
Schlüsselwörter
IFRS 8, Segmentberichterstattung, Management Approach, Operative Segmente, IASB, Rechnungslegung, Publizitätspraxis, Harmonisierung, Konzernabschluss, Risikostruktur, Segmentinformationen, Unternehmenssteuerung, Finanzberichterstattung, Wesentlichkeitsprüfung, Berichtspflicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Segmentberichterstattung nach dem internationalen Standard IFRS 8 und unterzieht diesen einer kritischen Würdigung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Konzeption des Standards, insbesondere der "management approach", die Identifizierung von Geschäftssegmenten und die Bewertung der praktischen Auswirkungen auf die Unternehmensberichterstattung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die grundlegende Konzeption des IFRS 8 zu erläutern und zu diskutieren, ob der Standard sein Ziel einer erhöhten Aussagekraft für Abschlussadressaten erreicht hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und zieht Ergebnisse aus verschiedenen empirischen Untersuchungen heran, um die praktische Umsetzung des Standards zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der technischen Regelungen des IFRS 8 sowie in eine anschließende kritische Analyse der Publizitätspraxis und Harmonisierung des Rechnungswesens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie IFRS 8, Management Approach, Segmentberichterstattung und Unternehmenssteuerung charakterisiert.
Was unterscheidet den IFRS 8 vom Vorgängerstandard IAS 14?
Der Hauptunterschied liegt im Wechsel vom "risk and reward approach" (fokussiert auf Chancen und Risiken) zum "management approach", der Daten aus dem internen Steuerungssystem für die externe Berichterstattung nutzt.
Welches Fazit ziehen die zitierten Studien zum Erfolg des IFRS 8?
Die Studien deuten darauf hin, dass die Umstellung zu keinen signifikanten Verbesserungen der Publizitätspraxis geführt hat und dass der Spielraum des Standards teilweise genutzt wird, um detaillierte Informationen zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Armando Agusevski (Autor:in), 2016, Die Segmentberichterstattung nach IFRS 8. Eine kritische Würdigung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/366076