Mit der vorliegenden Hausarbeit soll untersucht werden, ob es sich bei dem von Sascha Lobo geprägten Begriff „Latenznazi“ um ein neues Schlagwort handelt. Hierzu wird der Begriff zunächst anhand von Definitionen von Schlagwörtern analysiert. Nach einem ersten Zwischenfazit werden anschließend verschiedene Merkmale und Analysekategorien speziell nach Schröter näher betrachtet und diese mit dem Latenznazi in Beziehung gesetzt. Zum Schluss soll eine abschließende Einschätzung über die Eignung als Schlagwort erfolgen.
Am 17.12.2014 wurde der Artikel „Die Mensch-Maschine: Nichts sehen, nichts hören, viel sagen“ bei Spiegel Online veröffentlicht. Bei dem Autor handelt es sich um den Blogger und Kolumnisten Sascha Lobo. Der Artikel ist eine Reaktion auf eine anhaltende Bewegung des Vereins „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida). Es herrscht allgemeine Unstimmigkeit darüber, wer diese Menschen sind, die bei Demonstrationen von Pegida mitlaufen. Außenstehenden fällt ihre Einordnung in die Gesellschaft schwer. In seinem Artikel versucht Lobo, die Anhänger von Pegida zu bestimmen. So spricht er von einem neuen „Bürgertypus“, der die Bühne betritt: der „Latenznazi“. Hierbei handle es sich um Leute, „die rechtsextreme Positionen vertreten, ohne zu wissen oder wissen zu wollen, dass sie rechtsextrem sind.“ Von den Anhängern gehen xenophobe Signale aus, ohne dass sie sich das eingestehen müssen. So befürworte man beispielsweise das Asylrecht, doch sei gleichzeitig gegen Asylanten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Latenznazi – Ein neues Schlagwort?
2.1 Definitionen von Schlagwörtern
2.2 Prototypische Merkmale und Analysekategorien von Schlagwörtern nach Schröter
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob der von Sascha Lobo geprägte Begriff „Latenznazi“ im Kontext der Pegida-Bewegung als neues, wissenschaftlich klassifizierbares Schlagwort betrachtet werden kann, indem er anhand etablierter sprachtheoretischer Definitionen und Analysekategorien überprüft wird.
- Analyse der Begriffsdefinitionen von Ladendorf und Dieckmann
- Anwendung prototypischer Schlagwortmerkmale nach Schröter
- Untersuchung des Meinungsgehalts und der Umstrittenheit des Begriffs
- Prüfung von Verwendungskontext, -häufigkeit und Kollokationen
- Einschätzung des Etablierungsgrades als Neologismus
Auszug aus dem Buch
2.1 Definitionen von Schlagwörtern
Zunächst werde ich mich hauptsächlich mit den Arbeiten von Ladendorf und Dieckmann auseinandersetzen und diese jeweils anschließend auf den Latenznazi anwenden.
Schlagwörter setzten die Existenz einer öffentlichen politischen Rede voraus und nehmen im Prozess einer Demokratisierung der Politik zu. So ist es auch wenig verwunderlich, dass Schlagwörter im antiken Griechenland und auf dem römischen Forum „lebendig“ waren. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts setzten sich Schlagwörter in Amerika und Europa durch und bekamen im 20. Jahrhundert eine weltweite Funktion.
In hohem Maße hierzu beigetragen hat die Schlagwortforschung von Otto Ladendorf. Sein Historisches Schlagwörterbuch begründe durch seine Methode eine Tradition, die noch heute ihre Fortsetzung finde. Laut Ladendorf sind Schlagwörter „Ausdrücke und Wendungen […], denen sowohl eine prägnante Form wie auch ein gesteigerter Gefühlswert eigentümlich ist.“ Schlagwörter zeigen einen gesteigerten Gefühlswert, „insofern [als] sie nämlich entweder einen bestimmten Standpunkt für oder wider ein Streben, eine Einrichtung, ein Geschehnis nachdrücklich betonen […].“ Ein prägnantes Wort stellt etwas in knapper, aber präziser Weise dar. Ladendorf äußert sich zur Prägnanz von Schlagwörtern wie folgt: „Soll der Ausdruck wirklich einschlagen, so muß er kurz und treffend sein.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den Entstehungskontext des Begriffs „Latenznazi“ durch Sascha Lobo im Zuge der Pegida-Proteste ein und formuliert die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Latenznazi – Ein neues Schlagwort?: In diesem Hauptkapitel wird der Begriff durch Definitionen von Ladendorf und Dieckmann sowie durch die Merkmale und Analysekategorien nach Schröter auf seine Eignung als Schlagwort geprüft.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Begriff als ein noch in der Entwicklung befindliches, derzeit „unvollkommenes“ Schlagwort einzustufen ist.
Schlüsselwörter
Latenznazi, Schlagwort, Sascha Lobo, Pegida, Sprachanalyse, Politische Sprache, Ladendorf, Dieckmann, Schröter, Neologismus, Diskursanalyse, Meinungsbildung, Semantik, Pragmatik, Sprachwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den linguistischen Status des Begriffs „Latenznazi“, den der Kolumnist Sascha Lobo zur Beschreibung von Pegida-Anhängern eingeführt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Schlagwortforschung, politische Sprachwissenschaft sowie die Analyse von Neologismen im öffentlichen Diskurs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, wissenschaftlich zu begründen, ob „Latenznazi“ bereits als etabliertes Schlagwort im Sinne der Fachliteratur gelten kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden theoretische Definitionen von Schlagwörtern (Ladendorf, Dieckmann) sowie Analysekategorien (Schröter) auf den Begriff angewendet und diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse der Merkmale wie Meinungsgehalt, Umstrittenheit, Verwendungskontext, Kollokationen und Sprachthematisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Latenznazi, Schlagwortanalyse, politischer Diskurs und Sprachpragmatik charakterisiert.
Warum ist eine Klassifizierung als „Schlagwort“ schwierig?
Die Schwierigkeit ergibt sich primär aus der hohen Aktualität des Begriffs und der Tatsache, dass er bisher exklusiv in einem sehr spezifischen Kontext verwendet wurde.
Kann der „Latenznazi“ als Fahnenwort bezeichnet werden?
Nein, der Begriff ist überparteilich und wertet negativ, weshalb er eher in die Kategorie der „Unwertwörter“ einzuordnen ist.
- Quote paper
- Taylor Bruhn (Author), 2015, "Latenznazis" als neues Schlagwort? Eine Eignungsanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/359043