Wie George R. R. Martin treffend beschrieben hat, hat jedes Medium seine eigenen Stärken und Schwächen beim Erzählen einer Geschichte. Aus diesem Grund reagierte er zunächst auch etwas besorgt, als feststand, dass seine erfolgreiche Buchreihe „A Song of Ice and Fire“ nun in einer Fernsehserie adaptiert werden soll. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Methoden des Mediums Buch und des Mediums Film, insbesondere spannungsgeladene Sequenzen zu inszenieren und betrachtet vergleichend die Wirkungsqualität beider Medien.
Hierfür wird im kurzen Theorieteil zunächst auf die Visualität als Gemeinsamkeit von Buch und Film eingegangen und eine knappe Definition für Spannung geliefert. Anschließend werden zunächst die Möglichkeiten der literarischen Vorlage erörtert, Visualität zu erzeugen und damit einhergehend Spannung zu generieren. Im Anschluss wird das Potential des Mediums Film zur Spannungserzeugung vergleichend gegenübergestellt und Kameraperspektiven, sowie Einstellungsgrößen erläutert. Schließlich werden die theoretischen Erkenntnisse für den praktischen Teil fruchtbar gemacht und exemplarisch auf zwei Szenen in der literarischen Vorgabe und ihrer Verfilmung angewandt, um deren unterschiedliche Wirkungsqualitäten ausführlich gegeneinander abzuwägen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretischer Teil
1.1. Methoden zur Erzeugung von Wirkungsqualität im Buch
1.2. Methoden zur Erzeugung von Wirkungsqualität im Film
2. Analytischer Teil
2.1. Erste Szenenanalyse: Eddard Starks Hinrichtung in der literarischen Vorlage
2.2. Erste Szenenanalyse: Eddards Starks Hinrichtung in der Verfilmung
2.3. Zweite Szenenanalyse: The Red Wedding in der literarischen Vorlage
2.4. Zweite Szenenanalyse: The Red Wedding in der Verfilmung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Methoden der Spannungserzeugung in Literatur und Film am Beispiel von George R. R. Martins Buchreihe „A Song of Ice and Fire“ und deren Adaption als Fernsehserie „Game of Thrones“. Das zentrale Ziel ist es, die Wirkungsqualität ausgewählter dramatischer Szenen – der Hinrichtung von Eddard Stark sowie der „Red Wedding“ – in beiden Medien vergleichend gegenüberzustellen und zu analysieren, wie spezifische narrative und filmische Stilmittel zur Spannungssteigerung und Dramatisierung beitragen.
- Vergleichende Analyse von literarischer Vorlage und filmischer Adaption
- Untersuchung von Spannungserzeugung durch Deskription versus Narration
- Einfluss von Kameraperspektiven, Einstellungsgrößen und Musik auf die Wirkungsqualität
- Rolle der Erzählperspektive (personale Erzählsituation vs. Außenperspektive)
- Bedeutung rhetorischer Stilmittel und deren filmische Entsprechungen
Auszug aus dem Buch
2.1. Erste Szenenanalyse: Eddard Starks Hinrichtung in der literarischen Vorlage
Die erste Szene, die ich hinsichtlich ihrer Wirkungsqualität im Buch und in der Serie vergleichen möchte, ist Eddard Starks Hinrichtung, da sie für mich eine der überraschendsten und dramatischsten Szenen, sowohl in der literarischen Vorlage, als auch in der Verfilmung, darstellt. Zunächst möchte ich eine Einteilung der Szene in Deskription und Narration vornehmen, da, wie bereits im Theorieteil beschrieben, ein Überwiegen der Handlungspassagen dynamischer wirkt und damit das Entstehen von Spannung begünstigt.
Hierfür habe ich mir die Seiten 724 bis 728 von George R. R. Martins „A Game of Thrones“ angeschaut, das 2011 von Bantam Books veröffentlicht wurde. Bei der ersten Hälfte der Seite 724 handelt es sich um eine Handlungspassage, wie das häufige Vorkommen von Verben zeigt. Arya kämpft sich ihren Weg durch die Menschenmassen, bis sie sich oben auf der Statue von Baelor the Blessed niederlässt und von dort aus alles im Blick hat. Dann setzt eine Beschreibungspassage ein, die bis zum dritten Absatz der nächsten Seite andauert. Es werden sehr ausführlich die Kleidung Eddard Starks und seine Position vor der Septe, das Aussehen des hohen Septons und die Gewänder von König Joffrey, Sandor Clegane, Varys und Sansa geschildert. Diese Deskription hat eine entschleunigende Wirkung, die der Hektik der vorherigen Passage entgegensteht. Doch dem Leser wird keine lange Verschnaufpause gewährt, denn direkt im Anschluss, mit dem Verstummen der Glocke setzt eine lange Handlungspassage ein, die sich bis zum Ende hindurchzieht.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einführung erläutert die medienkomparatistische Zielsetzung der Arbeit, die Unterschiede zwischen Buch und Film hinsichtlich der Spannungserzeugung in dramatischen Szenen zu vergleichen.
1. Theoretischer Teil: Hier werden die Grundlagen der Spannungserzeugung im Buch durch Sprache und Deskription sowie im Film durch Kameraführung und auditive Mittel theoretisch definiert und in den Kontext des aristotelischen Dramas gestellt.
2. Analytischer Teil: In diesem Kapitel erfolgt die praktische Anwendung der Theorie auf die Szenen der Hinrichtung von Eddard Stark sowie die „Red Wedding“, wobei beide Szenen sowohl in der literarischen Vorlage als auch in der Verfilmung analysiert und gegenübergestellt werden.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Medien über spezifische Stärken verfügen – die Literatur durch die intime Perspektive der Charaktere, der Film durch visuelle und auditive Unmittelbarkeit – und kommt zu dem Schluss, dass eine analoge Transformation die wirkungsvollste Methode darstellt.
Schlüsselwörter
Wirkungsqualität, Spannungserzeugung, Literaturverfilmung, Erzählperspektive, Deskription, Narration, Game of Thrones, A Song of Ice and Fire, Szenenanalyse, Kameraführung, Stilmittel, Medienvergleich, Dramatik, Spannung, Katharsis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht vergleichend, wie das Medium Buch und das Medium Film jeweils Methoden einsetzen, um spannungsgeladene Szenen zu inszenieren und eine spezifische Wirkungsqualität beim Rezipienten zu erzeugen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die medienübergreifende Analyse von Spannung, der Vergleich von Deskription und Narration in Texten sowie die filmischen Möglichkeiten durch Kameraführung, Perspektive und musikalische Untermalung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, anhand zweier konkreter Schlüsselszenen aus „A Song of Ice and Fire“ und „Game of Thrones“ herauszuarbeiten, welches Medium die dramatische Wirkung erfolgreicher umsetzt und wo die medienbedingten Unterschiede liegen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt die medienkomparatistische Untersuchung sowie die Analysewege nach Klaus Kanzog, insbesondere den Vergleich der Sprache und den aktionslogischen Vergleich der Handlungsabläufe.
Was genau wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zwei spezifische Sequenzen analysiert: die Hinrichtung von Eddard Stark sowie die „Red Wedding“. Dabei werden Textpassagen auf rhetorische Stilmittel untersucht und mit den entsprechenden filmischen Umsetzungen (Einstellungsgrößen, Kamera, Musik) in den Folgen „Baelor“ und „The Rains of Castamere“ abgeglichen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Wirkungsqualität, Spannungserzeugung, Literaturverfilmung, Erzählperspektive, Deskription, Narration und Medienvergleich.
Warum spielt die personale Erzählsituation für die Wirkungsqualität im Buch eine so große Rolle?
Sie ermöglicht es dem Leser, die Welt ausschließlich durch die Augen der handelnden Figur wahrzunehmen, was den emotionalen Einblick in deren Gefühlswelt vertieft und die subjektive Betroffenheit, etwa bei Catelyn Stark, massiv steigert.
Inwieweit unterscheidet sich die „Red Wedding“ in der Serie wesentlich von der Buchvorlage?
Ein wesentlicher Unterschied ist die Einbindung von Szenen außerhalb der Halle (z. B. Arya und Grey Wind) sowie die Entscheidung, Talisa als schwangere Ehefrau Robbs einzuführen und zu töten, was die Brutalität und den Schockfaktor für den Zuschauer im Vergleich zur literarischen Vorlage erhöht.
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- Nadine Fischer (Author), 2016, Wirkungsqualität spannender Szenen. Ein Vergleich der Buchreihe "A Song of Ice and Fire" mit der Fernsehserie "Game of Thrones", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/358963