Diese Hausarbeit untersucht, inwiefern Hugo von Hofmannsthals Drama "Das Bergwerk zu Falun“ der Definition des Dramas widerspricht, die Peter Szondi in seiner „Theorie des modernen Dramas“ formuliert, und auf welche Weise Hofmannsthal versucht, die gattungsbedingten Grenzen zu umgehen und Unsichtbares szenisch umzusetzen.
Dazu werden zunächst die verschiedenen Spielorte genauer betrachtet und auf ihre symbolischen Bedeutungen hin untersucht. Darauf folgt die Analyse der Zeit, auf der der Fokus liegen wird, da sie im „Bergwerk“ eine zentrale Rolle einnimmt. Analysiert werden die verwendeten Techniken zur Darstellung von Vergangenheit und Zukunft sowie zur Veranschaulichung der Zeit an sich bzw. der Überzeitlichkeit. Am Ende wird noch einmal konkret auf die dramatische Darstellung innerer Vorgänge und des Unbewussten, die im „Bergwerk“ eng mit der Darstellung von Raum und Zeit verknüpft ist, eingegangen. In diesem Zusammenhang wird insbesondere die Funktion bestimmter Figuren analysiert, die Aussprache des Unbewussten zu ermöglichen. Zuletzt wird betrachtet, inwiefern der Einsatz der magischen Figuren in Bezug auf die Darstellung innerer Vorgänge problematisch ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Symbolische Bedeutung der Orte
2.1 Der Weg in den Berg als Symbol für den Weg ins eigene Innere
2.2 Falun als Ort, an dem die Zeit stillsteht
3 Analyse der Zeit
3.1 Darstellung der Vergangenheit
3.2 Darstellung der Zukunft
3.3 Darstellung von Zeit und Zeitlosigkeit
4 Szenische Darstellung innerseelischer Vorgänge
4.1 Innere Veränderung
4.2 Figuren, die das Unbewusste zum Vorschein bringen
4.2.1 Problematik der magischen Figuren
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Hugo von Hofmannsthals Drama „Das Bergwerk zu Falun“ den gattungsbedingten Anforderungen an das Drama, wie sie von Peter Szondi definiert wurden, widerspricht und durch welche künstlerischen Mittel der Autor versucht, ansonsten unsichtbare, innerseelische Prozesse für das Publikum szenisch erfahrbar zu machen.
- Analyse der symbolischen Aufladung von Handlungsorten als Spiegel innerer Zustände.
- Untersuchung der zeitlichen Struktur und des Umgangs mit Zeitlosigkeit im dramatischen Kontext.
- Evaluierung der narrativen Techniken zur Darstellung von Vergangenheit und Zukunft.
- Diskussion über die Funktion magischer Figuren zur Externalisierung des Unbewussten.
- Kritische Würdigung der dramaturgischen Herausforderungen bei der Umsetzung epischer Vorlagen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Darstellung der Vergangenheit
Das Vergangene wird von den dramatis personae im Dialog erzählt. Diese Rückblicke befinden sich zum größten Teil in den ersten beiden Akten, in denen man die Vorgeschichten von Elis, den Dahljöhs und Torbern erfährt. Im ersten Akt rekapituliert Elis im Gespräch mit Ilsebill, was sich ereignet hat, während er drei Jahre auf See war. Er trägt zudem sichtbare Zeichen der Vergangenheit am Körper: Eine selbstangefertigte Tätowierung des Zahnabdrucks seiner javanesischen Geliebten sowie eine Narbe, die er sich einst auf dem Weg in die Sonntagsschule zufügte, um Ilsebill seine Zuneigung zu beweisen. Eine wichtige Funktion des Dialoges mit Ilsebill ist es, dem Zuschauer Informationen über Elis‘ Vergangenheit und Charakter zu vermitteln.
In der Bergszene erzählen Torbern und die Königin Elis Torberns Geschichte. Man erfährt, dass Torbern vor sehr langer Zeit die ihm nahestehenden Menschen verlassen hat, um den Zeichen der Königin in ihr Reich zu folgen, wodurch er zu einer Art Geist wurde. Im vierten Akt, wenn Elis Torbern erneut trifft, wiederholt dieser einen Teil der Geschichte. Im Dialog zwischen Anna und Rigitze im zweiten Akt erfährt man Torberns Geschichte aus der Perspektive der Menschen: Er war ein Bergmann, der vor 200 Jahren verschüttet wurde und von dem man früher glaubte, er gehe im Land um und schicke neue Bergleute nach Falun, wenn dort welche gebraucht würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die theoretische Grundlage nach Peter Szondi dar und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der gattungsbedingten Grenzen im „Bergwerk zu Falun“.
2 Symbolische Bedeutung der Orte: In diesem Kapitel wird analysiert, wie die Räume, insbesondere der Berg und Falun, als Symbole für die Introversion und als Mittel der psychologischen Darstellung genutzt werden.
3 Analyse der Zeit: Der Fokus liegt hier auf der komplexen Zeitstruktur des Dramas, der Darstellung von Vergangenheit und Zukunft sowie dem spannungsreichen Verhältnis zwischen Zeitlichkeit und Zeitlosigkeit.
4 Szenische Darstellung innerseelischer Vorgänge: Dieses Kapitel widmet sich den dramaturgischen Mitteln zur Visualisierung innerer Prozesse, insbesondere durch die Rolle magischer Figuren wie Torbern und Agmahd.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Hofmannsthal zwar innovative Techniken zur Grenzüberschreitung des Dramas nutzt, diese jedoch auf Grund der Sichtbarkeit auf der Bühne dramaturgische Probleme aufwerfen.
Schlüsselwörter
Hugo von Hofmannsthal, Das Bergwerk zu Falun, Peter Szondi, dramatisches Drama, Introversion, Zeitstruktur, Vergangenheit, Zukunft, Unbewusstes, magische Figuren, Symbolik, Gattungstheorie, Szenische Darstellung, Elis Fröbom, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Drama „Das Bergwerk zu Falun“ von Hugo von Hofmannsthal unter dem Aspekt, wie der Autor versucht, die traditionellen Grenzen der Gattung Drama zu erweitern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der symbolischen Bedeutung von Räumen, der Analyse der Zeitgestaltung im Stück und der szenischen Umsetzung von innerseelischen Vorgängen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Hofmannsthal mit episch beeinflussten Mitteln versucht, das eigentlich Nicht-Darstellbare (wie Träume oder das Unbewusste) in einer dramatischen Struktur umzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die sich primär auf die Dramentheorie von Peter Szondi stützt und diese mit dem Text von Hofmannsthal abgleicht.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der räumlichen Symbolik, die Untersuchung der komplexen Zeitkonzepte (Vergangenheit, Zukunft, Zeitlosigkeit) und die Funktion der magischen Figuren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Gattungsüberwindung, Introversion, Zeitlosigkeit, psychologische Externalisierung und die dramaturgische Problematik magischer Figuren.
Warum ist die Figur der blinden Großmutter so bedeutend für das Stück?
Ihre Blindheit fungiert als dramaturgisches Mittel, um Dialoge zu ermöglichen, die bei sehenden Figuren unnatürlich wirken würden, und dient als Anlass für Beschreibungen (Teichoskopie).
Inwiefern stellt die Sichtbarkeit magischer Figuren ein Problem dar?
Da der Zuschauer alle Figuren auf der Bühne sieht, ist es schwer zu unterscheiden, ob diese als reale Wesen oder lediglich als Projektionen im Inneren des Protagonisten Elis existieren.
- Quote paper
- Anne Zeiß (Author), 2016, Versuche der Umgehung gattungsbedingter Grenzen des Dramas in Hugo von Hofmannsthals "Das Bergwerk zu Falun", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/358775