Die vorliegende Hausarbeit erläutert zunächst den abstrakten Kunstbegriff bei Kandinsky sowie Kandinskys Theorie der abstrakten Malerei. Daraufhin wird Ruttmanns Weg zum abstrakten Film thematisiert, bevor der Film „Lichtspiel Opus 1“ auf abstrakte Elemente untersucht wird, die auch insbesondere bei Kandinskys Theorie Erwähnung finden. Ziel dieser Hausarbeit ist herauszufinden, ob und inwiefern sich Walter Ruttmann bei der Produktion des zu behandelnden Filmes auf die Theorie der abstrakten Malerei von Wassily Kandinsky bezieht.
Sowohl Wassily Kandinsky als auch Walter Ruttmann sind abstrakte Künstler. Bedienen die beiden sich auch einer unterschiedlichen Kunstform – der Eine ist ausschließlich Maler, der Andere konzentriert sich auf die Filmproduktion – können Parallelen in den Werken entdeckt werden. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass Ruttmann sich in seinen filmischen Werken am Kandinskyschen Expressionismus orientierte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Kunstbegriff „Abstraktion“ bei Kandinsky
3 Kandinskys Theorie der abstrakten Malerei
4 Ruttmanns Weg zum abstrakten Film
5 Filmanalyse Lichtspiel Opus 1
5.1 Vorstellung der Untersuchungsmethode
5.2 Filmanalyse von Walter Ruttmanns „Lichtspiel Opus 1“
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, ob und inwiefern sich der Filmemacher Walter Ruttmann bei der Produktion seines abstrakten Films „Lichtspiel Opus 1“ an der Theorie der abstrakten Malerei von Wassily Kandinsky orientierte und welche Parallelen sich in der Formensprache sowie im rhythmischen Aufbau feststellen lassen.
- Kandinskys kunsttheoretische Definition von Abstraktion
- Die Farb- und Formtheorie als zentrales Ausdrucksmittel
- Walter Ruttmanns Konzept der „Malerei mit Zeit“
- Visuelle Rhythmik und Wiederholungsstrukturen im Film
- Die Synthese von Malerei und Musik im abstrakten Film
Auszug aus dem Buch
5.2 Filmanalyse von Walter Ruttmanns „Lichtspiel Opus 1“
Der knapp 12-minütige Film wird bei der Analyse in drei etwa gleich lange Abschnitte aufgeteilt, die Ruttmann selbst als „Sätze“ (zit. in: Georgen 1989, S: 97) bezeichnet hat. Diese Abschnitte lassen sich trennen durch einerseits zwei lange, durch eine schwarze Bildfläche dargestellte Pausen (neun Sekunden und neunzehn Sekunden) und unterschiedliche Motiv-Dominanzen. Einige Motive treten in allen drei Abschnitten auf und schaffen damit einen inneren Zusammenhang. Andere Motive sind nur in einzelnen Abschnitten zu beobachten, wie beispielsweise der blaue Halbkreis im ersten oder die Lichtkegel im letzten Satz. Der zweite Satz hingegen besitzt kein dominantes Motiv und tritt daher als Verbindung zwischen dem Rahmen aus dem ersten und dritten Satz auf.
Fragt man sich bei der Betrachtung von Ruttmanns Lichtspiel Opus 1 nach den ästhetischen Eigenschaften, die dieses Werk so charakteristisch machen, wird deutlich: die zentrale Rolle des Filmes spielen Wiederholungen und Veränderungen bestimmter Gestaltungselemente wie Form, Farbe und Richtung – eine „rhythmische Organisation der Zeit durch optische Mittel“ (Ruttmann, zit. in: Georgen 1989, S. 78).
Obwohl die damalige Herstellung von Farben nur sehr eingeschränkt möglich war, verwendete Ruttmann in seinem ersten abstrakten Film eine Vielzahl von Farben, wobei Rot, Blau und Gelb dominieren. Der Hintergrund hingegen ist stets monochrom und dunkel gehalten, er variiert zwischen Schwarz, Dunkelblau, Dunkelgrün und Dunkelrot. Die Farben der Motive treten überwiegend nur einzeln auf, wobei mitunter auch bis zu drei Farben gleichzeitig im Bild sind. Übergänge zwischen den verschiedenen Farben gibt es kaum bis fast gar nicht (vgl. Fuxjäger 2010, S. 45).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Künstler Wassily Kandinsky und Walter Ruttmann vor und erläutert das Ziel der Arbeit, die Verbindung zwischen Kandinskys Malereitheorie und Ruttmanns Film „Lichtspiel Opus 1“ zu untersuchen.
2 Der Kunstbegriff „Abstraktion“ bei Kandinsky: Das Kapitel definiert Kandinskys Verständnis von Abstraktion als einen positiven, „geistigen“ Übergang weg vom materiellen Gegenstand hin zur „realen Kunst“.
3 Kandinskys Theorie der abstrakten Malerei: Hier werden die Farb- und Formlehre sowie die musikalischen Analogien in Kandinskys Schriften, insbesondere in „Über das Geistige in der Kunst“, dargelegt.
4 Ruttmanns Weg zum abstrakten Film: Der Abschnitt beleuchtet Ruttmanns künstlerische Entwicklung vom Impressionismus zur abstrakten Malerei und schließlich zum Medium Film, das er als „Malerei mit Zeit“ begreift.
5 Filmanalyse Lichtspiel Opus 1: Dieser Teil enthält die methodische Herangehensweise und die konkrete Untersuchung des Films hinsichtlich Form, Farbe und Rhythmik in Anlehnung an Kandinskys Prinzipien.
6 Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass Ruttmanns Film deutliche Parallelen zu Kandinskys Theorien aufweist und als Beispiel für visuelle Musik betrachtet werden kann.
Schlüsselwörter
Abstraktion, Wassily Kandinsky, Walter Ruttmann, Lichtspiel Opus 1, abstrakter Film, Formtheorie, Farbtheorie, Malerei mit Zeit, visuelle Musik, Prinzip der inneren Notwendigkeit, Rhythmik, Expressionismus, Synästhesie, geometrische Formen, Filmmusik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die künstlerische Verwandtschaft zwischen dem abstrakten Maler Wassily Kandinsky und dem Filmemacher Walter Ruttmann, insbesondere mit Fokus auf Ruttmanns Film „Lichtspiel Opus 1“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die Theorie der abstrakten Kunst, die Bedeutung von Farbe und Form als Ausdrucksmittel sowie die Konzeption von Film als rhythmisches, zeitgebundenes Medium.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, ob und wie Ruttmann bei der Gestaltung seines ersten abstrakten Films Prinzipien der Kandinsky'schen Malereitheorie erfolgreich in die kinematografische Form übertragen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie eine filmwissenschaftliche Filmanalyse, gestützt durch ein erstelltes Sequenzprotokoll, um die abstrakten Elemente im Film zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung von Kandinskys Begriffsverständnis, die Analyse seiner Farb- und Formlehre sowie eine detaillierte Auswertung von Ruttmanns filmischen Strategien, wie etwa die Rhythmisierung durch Wiederholungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Abstraktion, Malerei mit Zeit, visuelle Musik, Rhythmus, innere Notwendigkeit und geometrische Formgebung.
Inwieweit spielt Musik in dieser Untersuchung eine Rolle?
Musik dient als essentielles Analogieelement; sowohl Kandinsky als auch Ruttmann nutzen musikalische Strukturen (wie Rhythmus und Komposition) zur Organisation ihrer abstrakten visuellen Welten.
Warum ist das „Prinzip der inneren Notwendigkeit“ für den Film wichtig?
Es bildet die theoretische Brücke: Ruttmann weist den Formen und Farben im Film ein „eigenes Wesen“ zu, ähnlich wie Kandinsky dies für die Malerei forderte, um beim Betrachter seelische Reaktionen auszulösen.
Wie werden die Wiederholungen im Film interpretiert?
Wiederholungen werden als zentrales strukturbildendes Element analysiert, das einen visuellen Rhythmus erzeugt und dem Zuschauer hilft, trotz der abstrakten Natur des Films eine ästhetische Ordnung zu erkennen.
Was bedeutet der Begriff „Malerei mit Zeit“ bei Ruttmann?
Ruttmann beschreibt damit seine spezifische Herangehensweise an den Film, bei der nicht der statische Moment, sondern die zeitliche Entwicklung und Veränderung von Formen die zentrale künstlerische Ausdruckskraft entfaltet.
- Quote paper
- Laura Peters (Author), 2016, Untersuchung von Walter Ruttmanns "Lichtspiel Opus 1" auf Elemente der Kandinsky’schen Theorie der abstrakten Malerei, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/358372