Indikatoren der elektrodermalen Aktivität zählen zu den bedeutendsten Maßen in der Psychophysiologie des autonomen Nervensystems. Die Biosignale der Haut liefern wichtige Erkenntnisse, sowohl für die Grundlagen-, als auch die anwendungsbezogene Forschung. In der klinischen Psychologie etwa, wird die Messung der elektrodermalen Aktivität eingesetzt, um physiologische Korrelate psychischer Störungen zu identifizieren. Dadurch sollen Diagnostik und Therapie dieser Störungen verbessert werden.
Wie aber kann die Messung von Maßen der elektrodermalen Aktivität zu einer besseren Diagnostik von psychischen Störungen beitragen? Und wie kommen diese Maße überhaupt zustande, wie leitet man sie ab, wie können sie interpretiert werden? Diesen Fragen geht diese Hausarbeit nach. Sie bietet einen Überblick über das Organsystem Haut und seine Signale und erklärt die physiologischen Grundlagen und die Messung der Hautleitfähigkeit. Darüber hinaus zeigt sie die Bedeutsamkeit der Hautleitfähigkeit anhand eines aktuellen wissenschaftlichen Artikels, der sich mit dem Einsatz der Hautleitfähigkeitsmessung zur Verbesserung der Diagnostik der Posttraumatischen Belastungsstörung befasst.
Inhaltsverzeichnis
4 Einleitung
5 Elektrodermale Aktivität
5.1 Physiologische Grundlagen: Das Organsystem Haut
5.2 Psychophysiologische Signale: Maße der elektrodermalen Aktivität
6 Die Hautleitfähigkeit
6.1 Physiologische Mechanismen
6.2 Messung
6.2.1 Technisches Grundprinzip
6.2.2 Praktische Ableitung
6.2.3 Artefakte
6.3 Kennwerte
6.4 Assoziierte psychische Prozesse
7 Psychophysiologische Auffälligkeiten im Kontext von PTBS
8 Beispielstudie: PTBS-Diagnostik durch Hautleitfähigkeitsmessung
8.1 Hintergrund und Zielsetzung
8.2 Methodik
8.3 Datenauswertung und Ergebnisse
8.4 Diskussion
9 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die psychophysiologischen Grundlagen der Hautleitfähigkeit (SC) darzustellen und deren Potenzial als objektives Diagnosekriterium für die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) anhand einer aktuellen Studie zu evaluieren.
- Physiologische Mechanismen und Messverfahren der elektrodermalen Aktivität (EDA)
- Psychophysiologische Korrelate der PTBS und diagnostische Herausforderungen
- Analyse des Einsatzes von virtueller Realität (VR) zur Stimuluspräsentation in der Forschung
- Bewertung der Reliabilität und Validität physiologischer Parameter zur Differenzierung zwischen PTBS-Patienten und Kontrollgruppen
Auszug aus dem Buch
6.2.2 Praktische Ableitung
Zur Ableitung der SC werden in der Regel zwei mit einer Elektrodenpaste gefüllte Napfelektroden verwendet (Boucsein, 1988). Da die Elektroden Teil des zu messenden Systems sind, sollten sie möglichst geringe Fehlerpotentiale und eine geringe Polarisationsneigung aufweisen, weswegen nicht-polarisierbare Ag/AgCl-Elektroden empfohlen werden (Fowles et al., 1981; Dawson et al., 2000). Die Elektroden werden mit einem doppelseitigen Klebering und ggf. einem Ringadapter auf der Haut angebracht, ehe der Napf ohne Luftblasenbildung mit der Elektrodenpaste gefüllt wird (Boucsein, 1988; Dawson et al., 2000; Fowles et al., 1981; Stern et al., 2001). Das Aufkleben hat nicht nur den Vorteil, dass die Elektroden nicht verrutschen, sondern es gewährleistet auch eine exakte Definition der Kontaktfläche von Haut und Elektrode bzw. Paste, wodurch intra- und interindividuelle Schwankungen verhindert werden (Dawson et al., 2000; Fowles et al., 1981). Die Kontaktfläche ist entscheidend für die gemessene SC und sollte nach Fowles et al. (1981) für stabile Signale 1 cm² betragen.
Handelsübliche Elektrodenpasten die zur Ableitung anderer Biosignale verwendet werden sind für die SC-Messung ungeeignet. Stattdessen sollte eine Paste verwendet werden, deren Elektrolytkonzentration der des Schweißes ähnelt, um das elektrodermale System möglichst nicht zu verändern (Boucsein, 1988; Stern et al., 2001; Fowles et al., 1981; Dawson et al., 2000). Laut Fowles et al. (1981) bietet sich dafür ein NaCl-haltiges Elektrolyt mit einer Konzentration von 0.05 bis 0.075 Mol an. Da dieses sich dennoch mit der Zeit veränderlich auf die Haut auswirken kann, sollte für die Zeit seit dem Anbringen der Elektroden kontrolliert und eine Stabilisierungszeit von mindestens 10 min vor der Messung eingeplant werden (Fowles et al., 1981; Boucsein, 1988).
Zusammenfassung der Kapitel
4 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Hautleitfähigkeit als nicht-invasives Biosignal in der psychophysiologischen Forschung und kündigt die Analyse einer Studie zur PTBS-Diagnostik an.
5 Elektrodermale Aktivität: Dieses Kapitel erläutert die physiologischen Grundlagen der Haut sowie die Definition und Messgrößen der elektrodermalen Aktivität.
6 Die Hautleitfähigkeit: Hier werden die physiologischen Mechanismen der Leitfähigkeit, die technische Durchführung der Messung inklusive Artefaktvermeidung, relevante Kennwerte sowie assoziierte psychische Prozesse detailliert beschrieben.
7 Psychophysiologische Auffälligkeiten im Kontext von PTBS: Das Kapitel verknüpft psychophysiologische Messungen mit dem klinischen Bild der PTBS und stellt deren diagnostische Kriterien vor.
8 Beispielstudie: PTBS-Diagnostik durch Hautleitfähigkeitsmessung: Eine Analyse der Studie von Webb et al. (2014) wird durchgeführt, wobei Hintergrund, Methodik, statistische Auswertung und die Diskussion der Ergebnisse im Fokus stehen.
9 Fazit und Ausblick: Das Fazit bestätigt den Nutzen der elektrodermalen Korrelate als ergänzendes Diagnosekriterium für PTBS und skizziert künftige Anwendungsfelder der EDA.
Schlüsselwörter
Hautleitfähigkeit, Elektrodermale Aktivität, EDA, PTBS, Posttraumatische Belastungsstörung, Psychophysiologie, Biosignale, Diagnostik, Virtuelle Realität, Habituation, Sympathikus, Schweißdrüsen, Stressreaktion, Biomarker, Klinische Psychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den physiologischen Grundlagen der Hautleitfähigkeit (SC) und untersucht deren Anwendung als objektives Messverfahren in der klinischen Psychologie, insbesondere bei der Diagnose der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Physiologie der Haut und der Schweißdrüsen, psychophysiologische Messmethoden, die klinische Symptomatik der PTBS sowie die Bewertung aktueller wissenschaftlicher Studien zur objektiven Diagnostik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch die Messung der Hautleitfähigkeit und den Einsatz standardisierter Stimuli – etwa via virtueller Realität – die Reliabilität und Validität der PTBS-Diagnostik objektiv verbessert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturübersicht sowie der detaillierten Analyse und Diskussion einer empirischen Beispielstudie (Webb et al., 2014), die psychophysiologische Daten von Veteranen zur Klassifikation nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Hautleitfähigkeit und elektrodermalen Aktivität, eine Darstellung der PTBS-Symptomatik sowie eine kritische Auseinandersetzung mit einer Studie, die virtuelle Realität zur Provokation physiologischer Reaktionen einsetzt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Hautleitfähigkeit, Elektrodermale Aktivität (EDA), PTBS, Psychophysiologie, Diagnostik, Biomarker und Virtuelle Realität.
Warum wird in der Studie virtuelle Realität eingesetzt?
VR ermöglicht eine standardisierte und kontrollierte Präsentation traumaassoziierter Reize, was im Vergleich zu zeitaufwändigen, idiographischen Skripten eine effizientere und objektivere diagnostische Untersuchung erlaubt.
Wie unterscheiden sich die Probandengruppen bei der Habituation?
Die Ergebnisse zeigen, dass gesunde Kontrollgruppen eine stärkere Habituation auf die dargebotenen Stressreize aufweisen, während PTBS-Patienten eine veränderte, weniger ausgeprägte Habituation zeigen.
Ist eine Diagnose nur anhand eines physiologischen Parameters möglich?
Nein, aufgrund der Komplexität psychischer Störungen und der Vielfalt potenzieller Biomarker ist eine reine Diagnose auf Basis eines einzelnen Parameters aktuell nicht möglich, jedoch stellt er eine wertvolle diagnostische Unterstützung dar.
- Quote paper
- Sarah Mayr (Author), 2016, Hautleitfähigkeit. Physiologische Grundlagen und die Relevanz im Kontext der Diagnostik der posttraumatischen Belastungsstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/357250