Der Vormärz – diese Epoche steht für politische, soziale, ökonomische und kulturelle Gegensätze. Annette von Droste-Hülshoff, geboren als Anna Elisabeth Freiin, bekam als Adelige natürlich ihr ganzes Leben hindurch Zugang zu Privilegien, die der normalen Bauerstochter oder Frauen aus dem Mittelstand nicht zuteil wurden, unterlag aber trotzdem den gesellschaftlichen Zwängen, Verpflichtungen und Verhaltensregeln der Frauen dieser Zeit. An dieser Stelle stellt man sich die Frage: Frauenemanzipation im deutschen Vormärz – gab es das? Und wenn ja – welchen Standpunkt vertrat die Droste? Natürlich gab es sicher noch andere wichtige Literaten dieser Zeit die kleinere und größere Schritte in Richtung Gleichstellung und Höherstellung der Frauen taten. In dieser Hausarbeit soll die Rolle der adeligen Frau im Vormärz untersucht werden, jedoch mit einem Augenmerk auf Annette von Droste-Hülshoffs Rezeption ihres Lebens als adelige Frau und die Möglichkeiten der individuellen Entfaltung der Frauen in dieser Epoche. Dies wird am Beispiel ihres bekannten Gedichtes „Am Turme“ geschehen, welches uns emanzipatorisch wichtige Aussagen bietet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die adelige Frau des Vormärz - Rollenverständnis
3. „Am Turme“ – Analyse
4. Emanzipation und die Droste
5. Schlussbetrachtung
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild in der Epoche des Vormärz am Beispiel von Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht „Am Turme“. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das Gedicht emanzipatorische Züge trägt und wie die Dichterin den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit sowie ihrer eigenen Rolle als adelige Frau in ihrem Werk begegnet.
- Rollenbilder der adeligen Frau im Vormärz
- Gesellschaftliche Zwänge und Bildungsausschluss
- Literarische Analyse des Gedichtes „Am Turme“
- Emanzipatorische Aspekte und Grenzüberschreitungen
- Der Konflikt zwischen individuellem Drang und gesellschaftlicher Konvention
Auszug aus dem Buch
3. „Am Turme“ – Analyse
Annette von Droste-Hülshoffs Gedicht „Am Turme“ entstand in Meersburg am Bodensee im Jahr 1842. Man sollte nicht versuchen das lyrische Ich eines Gedichtes dem oder der Verfasserin des Gedichtes gleichzusetzen, jedoch liegt hier die Verbindung zur Droste als adelige Dichterin in einer Zeit der Konformität und einem eingeschränkten Rollenbild sehr nahe. Denn: das lyrische Ich der Droste befasst sich in vielen ihrer Gedichte, wie auch in diesem, mit dem Problem der Grenze und Grenzüberschreitung. Jedoch bleibt es passiv in dieser, hier, gesellschaftlichen Grenze bestehen, auch wenn es den Wunsch verspürt diese zu überschreiten.
„Damit aber ein solcher Wunsch überhaupt entstehen kann, muss das Subjekt freie Sicht von oben genießen dürfen, muß ihm der fernste Horizont seines Lebens wenigstens sichtbar werden: Das Subjekt dieser Gedichte hat deshalb auf dem Turme seinen notwendigen Ort. […] Es handelt sich um die im eigentlichen Sinne visionären Gedichte, wobei zu beachten bleibt, daß auch die „Turm-Gedichte“ in den dem Wunsch gewidmeten Partien visionär zu nennen sind.“7
Genauer: Vom einem Turm aus sieht man mehr als im normalen Leben, auf ebener Erde. Andererseits ist der Turm auch ein Symbol der Gefangenschaft und drückt die große Distanz des lyrischen Ichs zur Außenwelt aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Epoche des Vormärz ein und stellt die zentrale Fragestellung nach der Emanzipation der Frau sowie dem Standpunkt der Droste anhand ihres Gedichtes „Am Turme“ dar.
2. Die adelige Frau des Vormärz - Rollenverständnis: Dieses Kapitel beleuchtet die gesellschaftlichen Anforderungen an die adelige Frau, wie Ästhetik und Gehorsam, sowie den allgemeinen Ausschluss von höherer Bildung.
3. „Am Turme“ – Analyse: Hier erfolgt eine detaillierte textimmanente Untersuchung des Gedichtes „Am Turme“ im Hinblick auf Symbole der Freiheit, des Ausbruchs und der resignativen Rückkehr in das Rollenbild.
4. Emanzipation und die Droste: Der Abschnitt diskutiert die Möglichkeiten schreibender Frauen jener Zeit und stellt dar, wie Droste durch ihre Wahl eines Lebens in Einsamkeit ihre schriftstellerische Freiheit behauptete.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass das Werk der Droste als stiller Protest gegen die patriarchalischen Rollenzuschreibungen zu verstehen ist.
6. Bibliographie: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Vormärz, Annette von Droste-Hülshoff, Frauenbild, Emanzipation, Am Turme, Rollenverständnis, Adel, Lyrik, Geschlechterrollen, Individuelle Entfaltung, Konformität, Grenzüberschreitung, Literaturgeschichte, Geschlechtergerechtigkeit, Patriarchat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Frauenbild während der Epoche des Vormärz und untersucht, wie Annette von Droste-Hülshoff in ihrem Gedicht „Am Turme“ mit gesellschaftlichen Geschlechterrollen umgeht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Rollenverständnis der adeligen Frau, die gesellschaftlichen Einschränkungen durch Bildungsmangel und Konventionen sowie der Wunsch nach Emanzipation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob und wie die Droste in ihrem Werk emanzipatorische Ansätze vertrat und den inneren Konflikt zwischen individuellem Drang und gesellschaftlichem Zwang verarbeitete.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes „Am Turme“ sowie eine historische Kontextualisierung anhand von zeitgenössischer Sekundärliteratur zur Frauenrolle im 19. Jahrhundert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Beschreibung des historischen Frauenbildes, eine detaillierte Analyse der Strophen von „Am Turme“ und eine Erörterung der literarischen Emanzipation am Beispiel der Autorin selbst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Vormärz, Emanzipation, Geschlechterrollen, Adel, individuelle Entfaltung und das lyrische Ich der Droste.
Wie deutet die Autorin das Symbol des "Kindes" in der Analyse?
Das Symbol des Kindes wird als Ausdruck für Unmündigkeit und Unterdrückung interpretiert, in krassem Gegensatz zum Wunsch nach Freiheit, der durch die „Mänade“ zu Beginn des Gedichtes verkörpert wird.
Welchen Stellenwert nimmt die Einsamkeit für die Droste ein?
Laut der in der Arbeit zitierten Forschung wählte die Droste die Einsamkeit als Lebensform bewusst, um sich ein Stück Unabhängigkeit zu bewahren und dem Zwang der „schönen Ehe“ zu entkommen.
- Arbeit zitieren
- Laura Hirschberg (Autor:in), 2015, Die Rolle der adeligen Frau im Vormärz. Annette Droste-Hülshoffs "Am Turme", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/356661