Der Essay beschreibt die Disziplinar- und Kontrollgesellschaften und deren Auswirkungen auf die Schule.
Das Lehren und Lernen an den Schulen steht - mal wieder - vor einem Wandel. Aber nicht nur die Schule und das Unterrichten verändern sich. Die Gesellschaft unterliegt einem permanenten Wandel. Die Disziplinargesellschaften, die Foucault in seinem Werk „Überwachen und Strafen“ 1975 beschreibt und analysiert, sind in der Krise und werden, nach und nach, von den Kontrollgesellschaften abgelöst. Dieser Wandel wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus und übt Macht auf uns auf, nicht nur in den öffentlichen Einrichtungen, sondern auch in unserem Privatleben, und vor allem in unserem Denken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Disziplinar- und Kontrollgesellschaften: Ein Vergleich
3. Auswirkungen auf Bildung und Schule
3.1 Schule als Unternehmen und Dienstleister
3.2 Eigenverantwortung und externe Kontrolle
3.3 Die Trainingsraum-Methode als Kontrollinstrument
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den gesellschaftlichen Wandel von der Disziplinargesellschaft hin zur Kontrollgesellschaft nach Foucault und Deleuze. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich diese Verschiebung der Machtstrukturen auf das Bildungswesen, insbesondere auf Schulen und das Konzept des lebenslangen Lernens, auswirkt und welche neuen Anforderungen an Individuen und Institutionen gestellt werden.
- Wandel von Disziplinierungs- zu Kontrollmechanismen
- Schule als "Unternehmen" im Kontext neoliberaler Gouvernementalität
- Die Rolle von Eigenverantwortung, Selbstoptimierung und Feedbackkultur
- Analyse der Trainingsraum-Methode als Instrument der Verhaltensregulierung
Auszug aus dem Buch
Die Fabrik als Modell der Disziplinargesellschaft
Die Fabrik eignet sich hierzu als nahezu perfektes Beispiel. Mit spezifischen Disziplinartechniken wurden die Massen gefügig gemacht. Durch die Parzellierung des Arbeitsplatzes wurde jedem Individuum ein fester Platz zugeordnet, Gruppen räumlich voneinander getrennt, jeder sichtbar, aber doch abgetrennt von den Anderen. Durch eine Verengung des Zeitgitters und genaue Zeitfenster für Arbeitsschritte, wurde die Leistung jedes Arbeiters einsehbar und somit auch bewertbar. War die Arbeit nicht zufriedenstellend, wurde man bestraft, beispielsweise durch das Versetzen in eine niedriger angesehene Position oder durch den Entzug von Privilegien und Freiheiten. Im Gegenzug konnte man sich jedoch auch hocharbeiten und verbessern.
Die Produktivität und damit die gesamte Ökonomie profitierte von diesem System. Durch eine genaue Rangordnung und permanente Überwachung und Sichtbarkeit, wurde dieser Zustand durch eine mikrophysische Macht von außen gesichert. Diese Macht ist nicht greifbar, hat keinen definierbaren Anfangspunkt, ist aber jederzeit spürbar. Sie durchdringt alle Bereiche des Lebens, achtet auf jedes Detail, durchdringt die Gesellschaft wie ein Netz.
Hierzu taucht auch immer wieder der Begriff des „Panoptikums“ auf. Jeremy Bentham entwarf Ende des 18. Jahrhunderts dieses Konzept, um die Gefangenen im Gefängnis leichter kontrollieren zu können. Durch einen Überwachungsturm in der Mitte und Gefängniszellen, die in diese Richtung einsehbar sind, ist ein einzelner Kontrolleur in der Lage, theoretisch jeden Insassen zu jederzeit zu beobachten. Diese wissen nie, ob und wann sie tatsächlich beobachtet werden. Dieses System der permanenten Sichtbarkeit verhilft auch den Fabriken der Disziplinargesellschaft zur perfekten Überwachung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den gesellschaftlichen Wandel von Disziplinargesellschaften zu Kontrollgesellschaften ein und erläutert die Auswirkungen auf den Bildungssektor.
2. Disziplinar- und Kontrollgesellschaften: Ein Vergleich: Das Kapitel analysiert die Konzepte von Foucault und Deleuze, wobei die Verschiebung von expliziter Disziplinierung zu subtileren Kontrollformen im Zentrum steht.
3. Auswirkungen auf Bildung und Schule: Hier wird untersucht, wie Schulen zunehmend unternehmensähnliche Strukturen annehmen und pädagogische Arbeit unter den Druck von Evaluation und ökonomischen Anforderungen gerät.
4. Fazit und Ausblick: Das Kapitel reflektiert die Ambivalenz zwischen gewonnener Freiheit und dem ständigen Druck zur Selbstoptimierung und betont die Notwendigkeit, neue Wege zum Umgang mit modernen Machtstrukturen zu finden.
Schlüsselwörter
Kontrollgesellschaft, Disziplinargesellschaft, Foucault, Deleuze, Neoliberalismus, Gouvernementalität, Schule, Eigenverantwortung, Selbstoptimierung, Feedbackkultur, Humankapital, Trainingsraum-Methode, Machtstrukturen, Überwachung, Bildungswesen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Übergang der Gesellschaft von disziplinarischen Strukturen hin zu Kontrollmechanismen und wie sich dieser Prozess auf das Bildungssystem auswirkt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Theorie von Macht und Kontrolle, die Transformation von Institutionen wie der Schule in Richtung Unternehmenslogik und die psychologischen Auswirkungen auf Individuen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Macht in der heutigen Gesellschaft funktioniert, indem sie den Einzelnen zur ständigen Selbstoptimierung und Eigenverantwortung drängt, statt ihn lediglich durch äußere Zwänge zu disziplinieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse auf Basis soziologischer und pädagogischer Zeitdiagnosen, insbesondere unter Rückgriff auf Michel Foucault und Gilles Deleuze.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet den Wandel der Schule zur Dienstleistungseinrichtung, die Bedeutung von Evaluationsverfahren und die Anwendung spezifischer Instrumente wie der "Trainingsraum-Methode".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Schlagworte sind Kontrollgesellschaft, Gouvernementalität, Selbstoptimierung, Feedbackkultur und die Transformation des Bildungsbegriffs.
Was genau ist laut der Arbeit das "neue Monster"?
Mit dem "neuen Monster" beschreibt Deleuze die modernen Kontrolltechniken, die weniger direkt oder gewaltsam auftreten, sondern sich als freiheitlich tarnen und so die Autonomie des Einzelnen subtil steuern.
Wie unterscheidet sich die Trainingsraum-Methode von traditionellen Strafen?
Die Methode zielt nicht auf Bestrafung im herkömmlichen Sinne ab, sondern darauf, dem Schüler die Verantwortung für sein Fehlverhalten zu übertragen, indem er sich vermeintlich "freiwillig" für den Ausschluss aus dem Unterricht entscheidet.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2015, Entwicklung und Auswirkung der Kontrolle. Schule und lebenslanges Lernen in den Kontrollgesellschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/356572