Die folgende Hausarbeit setzt sich mit dem alttestamentlichen Sintflutbericht auseinander. Im Fokus steht eine literarkritische Betrachtung, in welcher die priesterschriftliche und die jahwistischen Textebene herausgefiltert werden. Im Klartext bedeutet das, dass der Bericht auf Sachspannungen, Widersprüche, inhaltliche Wiederholungen und Redundanzen untersucht wird. Neben der Literarkritik wird eine theologische Interpretation des Sintfluttextes herbeigeführt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN
2.1 INHALTLICHER KONTEXT
2.2 ENTSTEHUNG UND ZUSAMMENSETZUNG
2.2.1 Priesterschrift und Nicht-Priesterschrift
2.2.2 Zuordnung der Textschichten in der Sintfluterzählung
3 LITERARKRITIK
3.1 ZIEL DER LITERARKRITIK
3.2 DURCHFÜHRUNG
3.2.1 Sachspannungen
3.2.2 Terminologie
3.2.3 Wiederaufnahmen
3.3 ERGEBNIS
4 GESAMTAUSSAGE DER SINTFLUTPERIKOPE
5 FAZIT
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sintfluterzählung in Gen 6,5–9,17 mit dem Ziel, die im Text enthaltene sprachliche Heterogenität aufzuzeigen, um die Existenz zweier differenzierbarer Textebenen (Priesterschrift und Jahwist) zu belegen und eine theologische Interpretation der Gesamtaussage zu erarbeiten.
- Literarkritische Analyse der Sintfluterzählung zur Identifikation von Quellschichten.
- Untersuchung von Sachspannungen, terminologischen Unterschieden und inhaltlichen Wiederaufnahmen.
- Vergleich und Einordnung unterschiedlicher wissenschaftlicher Zuordnungsmodelle der Textschichten.
- Erarbeitung einer theologischen Gesamtaussage über die Bedeutung von Bund und Neuanfang.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Sachspannungen
Die literarische Vorlage enthält diverse Spannungen und Widersprüchen, z. B. bei der Zahl und Art der Tiere für die Arche. Nach P kommt Noach die Aufgabe zu, von den Landtieren und den Vögeln je ein Paar, männlich und weiblich, mitzunehmen auf seine Arche. Nach J wird zwischen reinen und unreinen Tieren unterschieden. Von den reinen Tieren soll Noach je sieben Stück mitnehmen, wohingegen die unreinen Tiere zu je einem Paar mitgenommen werden sollen.
P: „Von allem, was lebt, von allen Wesen aus Fleisch, führe je zwei in die Arche, damit sie mit dir am Leben bleiben; je ein Männchen und ein Weibchen sollen es sein. Von allen Arten der Vögel, von allen Arten des Viehs, von allen Arten der Kriechtiere auf dem Erdboden sollen je zwei zu dir kommen, damit sie am Leben bleiben“ (6,19–20).
J: „Von allen reinen Tieren nimm dir je sieben Paare mit und von allen unreinen Tieren je ein Paar, auch von den Vögeln des Himmels je sieben Männchen und Weibchen, um Nachwuchs auf der ganzen Erde am Leben zu erhalten“ (7,2–3).
Weitere Diskrepanzen werden bei Art und Dauer der Flut deutlich: Nach der Priesterschrift brechen die „Quellen der gewaltigen Urflut“ auf (7,11). Der Jahwist berichtet hingegen von einem „Regen“ (7,12). Bezüglich der Dauer der Flut unterscheiden sich die Textebenen nochmals stark. P spricht – unter Aufsummierung aller Informationen des Textes – von einem ganzen Jahr (7,11a, 8,3, 8,14), während gemäß J der Regen „vierzig Tage und vierzig Nächte lang“ auf die Erde strömt (7,12).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik der biblischen Textgenese ein und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Sintflutperikope als Ergebnis zweier unterschiedlicher Textebenen aufzuzeigen.
2 THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel erläutert den inhaltlichen Kontext der Urgeschichte in der Genesis und diskutiert die wissenschaftlichen Positionen zur Entstehung und Zusammensetzung des Textes aus Priesterschrift und Jahwist.
3 LITERARKRITIK: Die literarkritische Methode wird angewandt, um durch die Analyse von Sachspannungen, Terminologie und Wiederaufnahmen die zugrundeliegenden, heterogenen Textschichten voneinander zu trennen.
4 GESAMTAUSSAGE DER SINTFLUTPERIKOPE: Hier wird die theologische Botschaft der beiden Erzählschichten zusammengeführt, die den Neuanfang und die Gnade Gottes gegenüber dem menschlichen Geschöpf betont.
5 FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert die methodische Vorgehensweise sowie die Erkenntnis, dass trotz der literarkritischen Trennung eine einheitliche theologische Aussage vorliegt.
Schlüsselwörter
Sintflut, Gen 6,5-9,17, Priesterschrift, Jahwist, Literarkritik, Textschichten, Urgeschichte, Exegese, Sachspannungen, Theologie, Noah, Arche, Neuanfang, Schöpfung, Bibelwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Sintfluterzählung in der Genesis (Gen 6,5–9,17) unter literarkritischen Aspekten, um die Komposition des Berichts aus zwei unterschiedlichen Textschichten nachzuweisen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Quellenscheidung (Priesterschrift vs. Jahwist), die Identifikation von inhaltlichen Widersprüchen im Text sowie die theologische Interpretation der Gesamtaussage über den Neuanfang der Welt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, eine vermittelnde Position einzunehmen und durch die Aufdeckung sprachlicher Heterogenität die Existenz zweier differenzierbarer Textebenen zu belegen und diese theologisch zu deuten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der historisch-kritischen Literarkritik angewandt, um divergente Textschichten durch die Analyse von Doppelungen, Redundanzen und Sachspannungen voneinander zu trennen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung theoretischer Grundlagen, die Durchführung der literarkritischen Untersuchung anhand von Textbeispielen und die abschließende Interpretation der theologischen Gesamtaussage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sintflut, Priesterschrift, Jahwist, Literarkritik, Textgenese und das Konzept des Neuanfangs in der biblischen Urgeschichte.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Noahs Arche in den beiden Schichten?
Ein zentraler Unterschied liegt in der Anweisung zur Beladung der Arche: Während die Priesterschrift von je einem Paar aller Wesen spricht, unterscheidet der Jahwist zwischen reinen und unreinen Tieren und gibt für reine Tiere eine Anzahl von sieben Paaren an.
Warum wird im Text zwischen "Fenster" und "Verdeck" unterschieden?
Diese Diskrepanz in der Terminologie dient im Rahmen der Literarkritik als Beleg für die Uneinheitlichkeit des Textes, da ein Fenster für ein Boot untypisch ist und der Text an verschiedenen Stellen widersprüchliche Anweisungen gibt.
- Arbeit zitieren
- Alexander Lang (Autor:in), 2017, Untersuchung der Sintfluterzählung in Gen 6,5-9,17. Eine literarkritische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/355185