„A Banking System Built for Terrorism”, so titelte ein Artikel im Time Magazine, der im Oktober 2001 - und somit kurz nach den Anschlägen des 11. September 2001 - veröffentlicht wurde. Der Autor bezieht sich in seinem Beitrag auf das Hawala-System, ein traditionelles Alternative Remittance System, das weltweit von ca. 300
Mio. Menschen genutzt wird. Jährlich werden allein über Hawala mehr als 200 Mrd. US Dollar bewegt. Den Großteil seiner Kunden stellen Migranten dar, die Rücküberweisungen in ihre Heimat tätigen. Doch aufgrund seiner speziellen Eigenschaften in Bezug auf fehlende Regulierung und Intransparenz liegt der Verdacht nahe, dass es maßgeblich zur Terrorismusfinanzierung beigetragen hat bzw. beiträgt.
Im Rahmen meiner Hausarbeit möchte ich daher die Frage erörtern, inwiefern Alternative Remittance Systems zu illegalen Zwecken missbraucht werden können. Dazu werde ich zunächst den Themenbereich Remittances skizzieren, um anschließend die verschiedenen Überweisungskanäle darzustellen. Dabei werde ich die Gründe aufzeigen, warum Kunden von finanziellen Transaktionen zunehmend informelle Transfermethoden nutzen. Darauf aufbauend zeigt die Hausarbeit, inwiefern Alternative Remittance Systems das Potential für einen illegalen Missbrauch, insbesondere der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, bieten. Zur Illustrierung werde ich abschließend als Beispiel den Fall des Unternehmens „Al-Barakaat“ anführen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Remittances: Definition, Umfang, Effekte
3. Übermittlungskanäle von Remittances
3.1. Formale Überweisungskanäle
3.2. Informelle Überweisungskanäle
3.3. Das Hawala-Finanzsystem als Beispiel für ein Alternative Remittance System
4. Missbrauch der Alternative Remittance Systems für illegale Zwecke
4.1. Geldwäschehandlungen
4.2. Finanzierung von Terrorismus
5. Der Fall “Al-Barakaat”
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Alternative Remittance Systems für illegale Zwecke, wie Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, missbraucht werden können. Dabei wird insbesondere das Hawala-Finanzsystem analysiert, um aufzuzeigen, wie informelle Geldtransfermethoden funktionieren und welche Risiken sowie Vorteile sie im Vergleich zu formalen Bankensystemen bergen.
- Definition und wirtschaftliche Bedeutung von Remittances
- Vergleich zwischen formalen und informellen Überweisungskanälen
- Struktur und Funktionsweise des Hawala-Finanzsystems
- Analyse potenzieller Missbrauchsmöglichkeiten für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung
- Fallstudie des Unternehmens „Al-Barakaat“
Auszug aus dem Buch
3.3. Das Hawala-Finanzsystem als Beispiel für ein Alternative Remittance System
Das Hawala-Finanzsystem ist ein Netzwerk für den Transfer von Zahlungen auf nationaler und internationaler Ebene außerhalb des regulierten Bereichs. Somit ist es dem informellen Sektor zuzuordnen.
Bei Hawala handelt es sich um ein fast 1200 Jahre altes System, dessen Wurzeln in frühmittelalterlichen Handelsgesellschaften des Vorderen und Mittleren Orient liegen (Warius 2009: 25). Aus dem Arabischen übersetzt bedeutet das Wort soviel wie „Austausch“; im modernen Sprachgebrauch bezeichnet es die Übermittlung von Geld zwischen zwei Personen, die sich dafür einer dritten Instanz bedienen (Warius 2009: 25; Interpol General Secretariat).
Geldtransfers über das Hawala-System werden über die sogenannten „Hawaladare“ (Razavy 2005; Warius 2009) durchgeführt. Dies sind in der Regel Händler oder Besitzer kleinerer Geschäfte für Lebensmittel, Altwaren oder Juwelen. Jene Hawaladare wiederum stehen in Geschäftsbeziehung mit anderen Hawaladaren, sodass ein Kommunikationsnetzwerk entsteht (Bundesministerium der Finanzen 2004: 79).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Terrorismusfinanzierung über das Hawala-System ein und stellt die Forschungsfrage der Arbeit dar.
2. Remittances: Definition, Umfang, Effekte: In diesem Kapitel wird der Begriff der Remittances definiert, ihre Bedeutung als Kapitalquelle für Entwicklungsländer sowie deren ökonomische Auswirkungen erläutert.
3. Übermittlungskanäle von Remittances: Das Kapitel differenziert zwischen formalen Bankensystemen und informellen Methoden wie dem Hawala-System, wobei die Gründe für deren Nutzung durch Migranten dargelegt werden.
4. Missbrauch der Alternative Remittance Systems für illegale Zwecke: Hier wird untersucht, wie informelle Transferwege für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung genutzt werden können.
5. Der Fall “Al-Barakaat”: Dieses Kapitel analysiert anhand des Unternehmens Al-Barakaat beispielhaft, wie ein Finanztransferunternehmen unter Verdacht geraten kann und welche Folgen dies hat.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die allgemeine Stigmatisierung von Alternative Remittance Systems nicht gerechtfertigt ist.
Schlüsselwörter
Alternative Remittance Systems, Hawala-System, Remittances, Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung, informelle Überweisungskanäle, Finanztransfer, Al-Barakaat, Migranten, Untergrund-Banking, informeller Sektor, Transaktionskosten, Anonymität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Missbrauch von informellen Finanzsystemen, den sogenannten Alternative Remittance Systems, für illegale Zwecke.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Remittances, der Funktionsweise informeller Geldtransfers und deren Risikopotenzial hinsichtlich krimineller Aktivitäten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu erörtern, inwiefern Alternative Remittance Systems tatsächlich für illegale Zwecke wie Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung missbraucht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die auf einschlägigen Fachpublikationen, Berichten internationaler Organisationen und staatlichen Analysen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der verschiedenen Überweisungskanäle, die Analyse illegaler Nutzungsmöglichkeiten und die fallbezogene Untersuchung von Al-Barakaat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Hawala-System, Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Alternative Remittance Systems.
Wie unterscheidet sich Hawala von formalen Bankensystemen?
Hawala basiert auf Vertrauen, Anonymität und mündlichen Vereinbarungen ohne physischen Geldtransfer oder schriftliche Dokumentation, im Gegensatz zu regulierten, überwachten Banken.
Was passierte im Fall Al-Barakaat?
Das somalische Netzwerk Al-Barakaat wurde nach dem 11. September 2001 beschuldigt, in die Terrorismusfinanzierung verwickelt zu sein, was zu seiner Schließung und schwerwiegenden humanitären Folgen für Somalia führte.
Ist das Hawala-System per se illegal?
Nein, die Arbeit betont, dass es vorwiegend von Migranten für legale Rücküberweisungen genutzt wird, stellt aber fest, dass die unregulierte Natur das Missbrauchspotenzial erhöht.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass man Alternative Remittance Systems nicht stigmatisieren sollte, da der Großteil der Transaktionen legal ist und Terroristen auch formale Bankensysteme nutzen.
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- Ronja Maus (Author), 2010, „A Banking System Built for Terrorism”? Der Missbrauch von Alternative Remittance Systems für illegale Zwecke, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/354763