Um der Frage nachzugehen, ob ein Rückschluss von äußeren Merkmalen auf die Persönlichkeit und damit die Identität eines Menschen, wie es die dargestellte soziologische Habitusdefinition postuliert, tatsächlich möglich ist werde ich im Folgenden anhand der Konzeptualisierung dieser Habitustheorie nach BOURDIEU darlegen.
Aus dem Inhalt:
- Das Habituskonzept zwischen Subjektivismus und Objektivismus
- Provenienz des Habitusbegriffs nach Bourdieu
- Generative Grammatik
- Habitus und soziale Klasse
- Habitus und soziale Felder
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Habituskonzept zwischen Subjektivismus und Objektivismus
3. Provenienz des Habitusbegriffs nach Bourdieu
4. Generative Grammatik
5. Habitus und soziale Klasse
6. Habitus und soziale Felder
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das soziologische Konzept des Habitus von Pierre Bourdieu fundiert darzulegen und kritisch zu hinterfragen, um die Frage zu beantworten, ob ein Rückschluss von äußeren Merkmalen eines Menschen auf dessen Persönlichkeit und Identität theoretisch und praktisch möglich ist.
- Die theoretische Herleitung des Habitusbegriffs im Spannungsfeld von Subjektivismus und Objektivismus.
- Die Entstehungsgeschichte des Begriffs durch Bourdieus Feldforschungen bei den Kabylen.
- Die Analogie zwischen der generativen Grammatik von Noam Chomsky und dem Habituskonzept.
- Die Verknüpfung des Habitus mit den Strukturkategorien soziale Klasse und soziale Felder.
Auszug aus dem Buch
Die Konzeption des Habitus nach Pierre Félix Bourdieu
Der vom lateinischen Wort „habere“ abstammende und wörtlich übersetzt „haben“ bedeutende Begriff Habitus wird in unterschiedlichen Wissenschaften und Kontexten verwendet und definiert. Während er im allgemeinen Sprachgebrauch den Phänotypen, also das durch Erbanlagen und Umwelteinflüsse geprägte Gesamterscheinungsbild eines Menschen bezeichnet, dient er in der Medizin als Rückschluss eines Erscheinungsbildes auf die Krankheitslage. In der Biologie dagegen wird er zur Beschreibung der äußeren Beschaffenheit von Tieren, Pflanzen und Kristallen angewendet. Demgegenüber versteht man im soziologischen Sinne unter dem Begriff des Habitus allgemein „die Gesamtheit der in Aussehen, Kleidung, Gestik, Mimik, Sprache usw. zum Ausdruck kommenden Besonderheiten des persönlichen Verhaltensstils, von denen auf Einstellungen, soziale Prägungen und Bereitschaften, d.h. auf die Persönlichkeit eines Menschen geschlossen werden kann.“
Maßgeblich beeinflusst wurde diese Begriffsbestimmung durch den französischen Soziologen und Sozialphilosophen PIERRE FÉLIX BOURDIEU. Der 1930 in Denguin im Beárn (Frankreich) geborene und im Jahr 2002 in Paris verstorbene PIERRE FÉLIX BOURDIEU gehört heute zu den am häufigsten zitierten Sozialwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts. Das „im Rahmen seiner Sozial- und Gesellschaftstheorie“ entwickelte Konzept des Habitus steht hierbei im Mittelpunkt aller von ihm zum Zwecke der Ergründung der sozialen Wirklichkeit entwickelten soziologischen Theorien. Es stellt eines der zentralen Erkenntnisinstrumente dar, die BOURDIEU der Soziologie posthum hinterließ. Um der Frage nachzugehen, ob ein Rückschluss von äußeren Merkmalen auf die Persönlichkeit und damit die Identität eines Menschen, wie es die dargestellte soziologische Habitusdefinition postuliert, tatsächlich möglich ist werde ich im Folgenden anhand der Konzeptualisierung dieser Habitustheorie nach BOURDIEU darlegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Begriffsgeschichte des Habitus ein und verortet die soziologische Definition im Werk von Pierre Bourdieu.
2. Das Habituskonzept zwischen Subjektivismus und Objektivismus: Hier wird Bourdieus Praxeologie als theoretischer Ansatz erläutert, der zwischen den Extremen von reinem Strukturalismus und individuellem Rationalismus vermittelt.
3. Provenienz des Habitusbegriffs nach Bourdieu: Das Kapitel behandelt die Entstehung des Habituskonzepts während Bourdieus Feldforschungen in Algerien bei den Kabylen.
4. Generative Grammatik: Hier wird der Vergleich zwischen Bourdieus Habitus und Chomskys generativer Grammatik gezogen, um das generative Prinzip hinter sozialen Praktiken zu verdeutlichen.
5. Habitus und soziale Klasse: Dieses Kapitel erläutert, wie der Habitus klassenspezifische Dispositionen erzeugt und somit die soziale Identität in einer Klassengesellschaft mitbestimmt.
6. Habitus und soziale Felder: Die Fortentwicklung des Konzepts auf soziale Felder wird hier als Ergänzung zum Klassenkonzept dargestellt, um Handeln in verschiedenen sozialen Kontexten zu erklären.
7. Resümee: Das Schlusskapitel fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und übt eine kritische Reflexion hinsichtlich der potenziellen Determiniertheit und Unvollständigkeit der Theorie.
Schlüsselwörter
Habitus, Pierre Bourdieu, Praxeologie, Soziale Klasse, Soziale Felder, Generative Grammatik, Dispositionen, Sozialisation, Inkorporation, Symbolisches Kapital, Kulturelles Kapital, Identität, Soziale Praxis, Strukturierte Struktur, Strukturierende Struktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem soziologischen Habitusbegriff von Pierre Bourdieu und untersucht, wie dieses Konzept dazu dient, das Handeln von Menschen zu erklären und deren Identität zu bestimmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretische Grundlegung der Praxeologie, die Entstehungsgeschichte des Begriffs in Algerien, sowie die Verknüpfung des Habitus mit den Kategorien Klasse und soziales Feld.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, Bourdieus Habituskonzeption systematisch darzulegen und kritisch zu prüfen, ob von äußeren Verhaltensmerkmalen tatsächlich sicher auf die Persönlichkeit eines Menschen geschlossen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse der soziologischen Werke von Pierre Bourdieu sowie auf eine kritische Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur zu seiner Theorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodologische Einordnung des Habitus, seine historischen Ursprünge bei den Kabylen, den Vergleich mit der linguistischen generativen Grammatik sowie die Analyse im Kontext von Klassenstrukturen und sozialen Feldern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Habitus, Bourdieus Praxeologie, soziale Klassen, soziale Felder, Inkorporation, Sozialisation und Dispositionen.
Warum vergleicht Bourdieu seinen Habitusbegriff mit der generativen Grammatik von Chomsky?
Der Vergleich dient der Veranschaulichung, dass der Habitus wie ein generatives System fungiert, das Individuen befähigt, auf unzählige neue Situationen adäquat zu reagieren, ohne dass jede Handlung explizit vorgegeben ist.
Inwiefern bewertet der Autor Bourdieus Theorie am Ende der Arbeit?
Der Autor lobt die theoretische Leistungsfähigkeit des Modells, merkt jedoch kritisch an, dass Bourdieu den individuellen Lebenslauf zu wenig beachtet und das Konzept aufgrund fehlender empirischer Untersuchungen zur Inkorporation teilweise unvollständig bleibt.
- Arbeit zitieren
- Daniel Kühlwein (Autor:in), 2014, Die Konzeption des Habitus nach Pierre Felix Bourdieu, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/354135