Das Thema dieser Arbeit lautet: Wie wird in der Literatur terminologisch und konzeptuell zwischen Code-Switching und Transfer unterschieden? Die Arbeit folgt aufgebaut: Zuallererst sollen sowohl das Code-Switching als auch der lexikalische Transfer vorgestellt werden. Hierbei wird auf Unterkategorien, Ursachen und andere relevante Aspekte eingegangen. Autoren sollen miteinander verglichen werden, um so zu mehr oder weniger synchronen Definitionen zu kommen. Daraufhin soll eine Gegenüberstellung durchgeführt werden, die gegebenenfalls Schnittpunkte und Unstimmigkeiten auflegt. Hierbei werden mögliche Lösungsvorschläge vorgestellt. Abgerundet wird schließlich mit einem Fazit, das einen Ausblick auf weitere Notwendigkeiten bieten soll.
Aufgrund der sich immer stärker entfaltenden Globalisierung und den daraus resultierenden Einflüssen auf das Sprachverhalten der einzelnen Sprechergruppen nimmt das Konzept der Mehrsprachigkeit mit all seinen Facetten eine immer größere Rolle in der heutigen Linguistik ein. Mehrsprachigkeit führt im Wesentlichen zu Sprachkontakt, denn ein Kontakt existiert immer da, wo verschiedene Sprachen oder Varietäten aufeinandertreffen. Dies geschieht entweder im Kopf eines mehrsprachigen Individuums oder in mehrsprachigen Gruppen. Es existieren wechselseitige Beeinflussungen, die temporäre oder auch bleibende Veränderungen in den beteiligten Sprachsystemen verursachen können.
Derartige Veränderungen können alle Bereiche der modernen Linguistik betreffen. Besonders der lexikalische Aspekt ist interessant, da es sich dabei um eine oftmals problematische Gruppe handelt, die immer wieder neue Diskussionen hervorruft.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Sprachkontaktphänomene
2.1.) Code-Switching
2.1.1.) Typen des Code-Switchings
2.1.2.) Gründe für einen Sprachwechsel
2.2.) Lexikalischer Transfer
2.2.1.) Integration
2.2.2.) Frequenz
2.2.3.) Arten der Entlehnungen
2.2.3.) Gründe für lexikalischen Transfer
3.) Gegenüberstellung: Code-Switching vs. Transfer
4.) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die terminologische und konzeptuelle Abgrenzung zwischen den linguistischen Phänomenen Code-Switching und lexikalischem Transfer (Borrowing) theoretisch aufzuarbeiten und kritisch gegenüberzustellen, um eine präzisere Klassifizierung in der Sprachkontaktforschung zu ermöglichen.
- Theoretische Grundlagen von Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt
- Differenzierung von Code-Switching-Typen und deren Motivationsfaktoren
- Analyse der Mechanismen und Integrationsgrade beim lexikalischen Transfer
- Kontrastiver Vergleich anhand linguistischer Modelle, insbesondere des Kontinuums nach Matras
- Diskussion von Grenzfällen wie "Ad-hoc-Entlehnungen" oder "Nonce-Borrowing"
Auszug aus dem Buch
2.1.) Code-Switching
Unter dem Begriff des Code-Switchings versteht man im Wesentlichen den abwechselnden Gebrauch von mehr als einer Sprache durch einen Sprecher im Laufe einer geschlossenen sprachlichen Interaktion. Hierbei werden die benutzen Sprachen oder Varietäten nicht verändert, da lediglich ein Wechsel des benutzen Sprachsystems an einer bestimmten Stelle der Interaktion stattfindet. Besonders Haugen (1956) hat das Prinzip des Code-Switchings geprägt und definiert dieses Phänomen folgendermaßen:
[Code-Switching] occurs when a bilingual introduces a completely unassimilated word from another language into speech.
Besonders auffallend ist die Tatsache, dass Haugen sich allein auf die Übernahme eines einzigen Elements beschränkt. Dieses wird nicht-assimiliert in die Basissprache hinzugefügt. Grosjean (1982) et al erweitern Haugens Definition auf Phrasen, Sätze und längere Passagen. Goldbach (2005) führt in ihrer Arbeit zahlreiche Beispiele für Code-Switching auf. Beispiel 1 zeigt eine Äußerung, die so in jeder russisch-deutschen Sprechsituation vorkommen könnte:
(1) I: - Я щас нажимала. Вот теперь hat er gespeichert .. послушно . ganz normal. ((Lachen)) Спасибо.
Betrachtet man den obigen Satz, wird deutlich, dass sowohl das Russische, als auch das Deutsche gleich vertreten sind, was besonders durch den gleichwertigen Gebrauch erkennbar gemacht wird. Man kann sagen, dass es sich um ein typisches Beispiel des Code-Switchings handelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung führt in das Konzept der Mehrsprachigkeit ein und begründet die Relevanz der Abgrenzung von Code-Switching und lexikalischem Transfer für die aktuelle linguistische Forschung.
2.) Sprachkontaktphänomene: Dieses Kapitel definiert und kategorisiert die beiden zentralen Phänomene sowie deren Unterformen und beleuchtet die Rolle von Integration und Frequenz bei Entlehnungsprozessen.
3.) Gegenüberstellung: Code-Switching vs. Transfer: Hier werden die theoretischen Ansätze zur Unterscheidung beider Phänomene, insbesondere das Kontinuum nach Matras, kritisch diskutiert und anhand praktischer Beispiele analysiert.
4.) Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Unterscheidung der Phänomene eine komplexe Sphäre darstellt, die weiteren Forschungsbedarf offen lässt.
Schlüsselwörter
Sprachkontakt, Mehrsprachigkeit, Code-Switching, Lexikalischer Transfer, Borrowing, Integration, Assimilation, Bilinguale Sprecher, Matras, Ad-hoc-Entlehnung, Nonce-Borrowing, Sprachdynamik, Sprachwandel, Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die terminologischen und konzeptuellen Unterschiede zwischen den Sprachkontaktphänomenen Code-Switching und lexikalischem Transfer (Borrowing).
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Definitionen beider Phänomene, ihre Typologien, die Rolle der Integration und die Schwierigkeiten bei der Abgrenzung in fließenden Übergängen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Besonderheiten beider Konzepte zu identifizieren, um eine klarere Grenzziehung zu ermöglichen und den aktuellen theoretischen Forschungsstand zusammenzuführen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die linguistische Primärliteratur auswertet und als Verdeutlichung vorhandene Korpusdaten (insb. Goldbach, 2005) heranzieht.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Phänomene, deren jeweilige Unterkategorien sowie einen kontrastiven Vergleich anhand sieben verschiedener Dimensionen eines Kontinuums.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachkontakt, Integration, Code-Switching-Kontinuum und Ad-hoc-Entlehnung geprägt.
Was unterscheidet das Code-Switching vom lexikalischen Transfer laut der Arbeit?
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Integration: Während beim lexikalischen Transfer das Wort oft an das System der Zielsprache angepasst wird (Assimilation), zeichnet sich Code-Switching durch den Wechsel des Sprachsystems ohne Integration aus.
Welche Rolle spielt das "Kontinuum nach Matras" in der Argumentation?
Das Kontinuum dient dazu, Grenzfällen, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen, einen bestimmten Status zuzuweisen, indem es sieben verschiedene Ebenen (wie Bilinguality oder Structural Integration) zur Analyse heranzieht.
Was versteht die Autorin unter einer Ad-hoc-Entlehnung?
Dabei handelt es sich um eine einmalige Einfügung eines Wortes in eine andere Sprache, die sich in einem "Zwischenstadium" zwischen dem kompletten Code-Switching und einem etablierten Entlehnungsstatus befindet.
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- Margarita Sonnenberg (Author), 2016, Wie entsteht Mehrsprachigkeit? Terminologische und konzeptuelle Unterschiede zwischen Code-Switching und lexikalischem Transfer, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/353975