Matthias Hoesch antwortet mit seinem Essay auf die 2015 von der "Gesellschaft für Analytische Philosophie (GAP)" gestellte Preisfrage: "Welche und wie viele Flüchtlinge sollen wir aufnehmen?" Er sieht drei Hauptkriterien für eine faire Verteilung der Flüchtlinge: eine allgemeine Hilfspflicht, eine Verpflichtung aus dem Prinzip territorialer Gerechtigkeit und Wiedergutmachungspflichten. Mit diesen Kriterien und Hoeschs Herleitungen setze ich mich in meinem Essay kritisch auseinander und zeige Grenzen und Hindernisse auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung des Essays von Matthias Hoesch
2.1. Drei Kriterien für eine faire Verteilung von Flüchtlingen
2.1.1. Allgemeine Hilfspflicht
2.1.2. Territoriale Gerechtigkeit
2.1.3. Wiedergutmachung
2.1.3.1. Armutsflüchtlinge
2.1.3.2. Bürgerkriegsflüchtlinge
2.1.3.3. Klimaflüchtlinge
2.2. Die ideale Theorie
2.3. Die nicht-ideale Theorie
3. Hoeschs Fazit und eigene Ergänzungen
3.1. Sorgen der Bevölkerung – Überfremdung?
3.2. Wiedergutmachung – Folgeverantwortung
4. Eigenes Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert und kritisiert den philosophischen Essay von Matthias Hoesch, welcher Kriterien für eine moralisch faire Verteilung von Flüchtlingen auf verschiedene Aufnahmeländer entwickelt. Ziel ist es, Hoeschs Argumentationslinien – basierend auf Hilfspflicht, territorialer Gerechtigkeit und Wiedergutmachung – darzulegen, durch weiterführende Literatur zu ergänzen und kritisch zu hinterfragen.
- Grundlagen der moralischen Hilfspflicht und territorialen Gerechtigkeit
- Differenzierung der Wiedergutmachungspflicht nach Flüchtlingsgruppen
- Kontrastierung von idealer und nicht-idealer Theorie bei der Verteilung
- Kritische Analyse zur Verantwortung von Industriestaaten
- Soziologische Perspektiven auf Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt
Auszug aus dem Buch
2.1.3.1. Armutsflüchtlinge
Drei Flüchtlingsgruppen können nach Meinung des Autors konkrete Wiedergutmachungsansprüche geltend machen. Das sind zum einen die sogenannten Armutsflüchtlinge, die aufgrund des globalen Wirtschaftssystems darunter leiden müssen, dass ihrem (armen) Land systematisch Schaden zugefügt wird und es deshalb die Armut nicht überwinden kann. Diesen (meist wirtschaftlichen) Schaden durch die Aufnahme von Armutsflüchtlingen wiedergutzumachen kann von Industriestaaten „dann moralisch [erwartet werden], wenn sie keine anderen Kompensationsmaßnahmen ergriffen haben“. Beim Lesen dieser Passage stellte sich mir sofort die Frage, an welche „Kompensationsmaßnahmen“ Hoesch wohl beim Schreiben gedacht hat. Naheliegend wären finanzielle Ausgleichszahlungen, die meines Erachtens jedoch nicht ethisch vertretbar sein können. Denn wenn es als verantwortungsbewusst gelten würde, (nicht-finanziellen) verursachten Schaden mit monetären Kompensationsmaßnahmen ausgleichen zu können, wären den Verursachern von Schäden keine Grenzen gesetzt, sofern sie finanziell gut aufgestellt wären. Meiner Meinung nach kann die Existenz einer Familie, die zum Beispiel vom Weltmarktpreis eines Gutes abhängt, nicht monetär aufgewogen werden, wenn diese zerstört wurde. Denn wer legt den Preis für eine nicht-abgeschlossene Schulausbildung fest oder für die versäumte Chance, selbstbestimmt handeln zu können? Wer definiert den monetären Schaden von persönlichen, kulturellen, gesellschaftlichen oder gar generationellen Verlusten? Und wie lassen sich Ausbeutung und Unterdrückung finanziell entschädigen? Eine finanzielle Kompensationsmaßnahme bringt meines Erachtens den Geschädigten nicht den nötigen Respekt entgegen sondern degradiert sie vielmehr zu Menschen, denen durch „bloße Allmosengabe“ Wiedergutmachung widerfahren ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle öffentliche Debatte um Flüchtlinge und Asyl in Deutschland und führt in die GAP-Preisfrage ein, welche den inhaltlichen Rahmen für Hoeschs Essay bildet.
2. Vorstellung des Essays von Matthias Hoesch: Dieses Kapitel identifiziert die drei zentralen Verpflichtungsgründe (Hilfspflicht, territoriale Gerechtigkeit, Wiedergutmachung) und analysiert Hoeschs theoretische Ansätze zur Verteilung von Flüchtlingen.
3. Hoeschs Fazit und eigene Ergänzungen: Hier wird Hoeschs Fazit kritisch reflektiert und um soziologische Aspekte zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Migration sowie um weitere philosophische Verantwortungstypen erweitert.
4. Eigenes Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die kritische Auseinandersetzung zusammen und betont die Notwendigkeit systemischer Veränderungen über die bloße Flüchtlingsaufnahme hinaus.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Flüchtlingspolitik, Allgemeine Hilfspflicht, Territoriale Gerechtigkeit, Wiedergutmachung, Ideale Theorie, Nicht-ideale Theorie, Armutsflüchtlinge, Bürgerkriegsflüchtlinge, Klimaflüchtlinge, Verursacherprinzip, Soziale Integration, Globale Verantwortung, Ethik, Asylrecht, Moral
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit bietet eine kritische Analyse des philosophischen Essays von Matthias Hoesch, der Kriterien für eine faire, ethisch begründete Verteilung von Flüchtlingen auf verschiedene Staaten untersucht.
Was sind die drei zentralen Kriterien für die Aufnahme?
Die drei Säulen sind die allgemeine Hilfspflicht bei Notlagen, die territoriale Gerechtigkeit aufgrund des Gemeinbesitzes der Erdoberfläche und die Wiedergutmachung für verursachte Schäden in den Herkunftsländern.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Es geht um die ethische Beantwortung der Frage, welche und wie viele Flüchtlinge aufzunehmen sind und nach welchen moralischen Prinzipien diese Verantwortung verteilt werden sollte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Analyse des Hoesch-Essays, die durch einen Vergleich mit anderen sozialethischen Theorien sowie einer kritischen Reflexion mittels Sekundärliteratur methodisch fundiert wird.
Welche Themen behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der drei Kriterien, eine Unterscheidung zwischen idealer und nicht-idealer Theorie bei der Verteilungspraxis sowie die Ergänzung durch soziologische und ethische Fachliteratur.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie ethische Verantwortung, Flüchtlingsverteilung, soziale Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und systemische Ursachen von Flucht charakterisiert.
Wie unterscheidet Hoesch zwischen idealer und nicht-idealer Theorie?
In der idealen Theorie wird davon ausgegangen, dass alle Staaten kooperieren und die Lasten gerecht verteilen; in der nicht-idealen Theorie wird der Umgang mit Staaten analysiert, die diese Pflichten nicht erfüllen.
Welche spezifische Kritik äußert die Autorin an Hoesch?
Die Autorin vermisst bei Hoesch eine stärkere Gewichtung der "Bringschuld" durch Wiedergutmachung und hinterfragt kritisch, ob rein monetäre Ausgleiche oder die Aufnahme in überfüllte Camps der ethischen Verpflichtung gerecht werden.
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- Carolin Buck (Author), 2016, Gedanken zum Essay von Matthias Hoesch "Drei Kriterien für eine faire Verteilung von Flüchtlingen - und wann sie irrelevant werden", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/353765