Diese Arbeit beschäftigt sich mit der lexikalischen Diversität in sprachlichen Äußerungen und wie diese mit der Wortschatzkenntnis einer Person in Zusammenhang steht. Dazu wird zuerst ein Überblick über das Forschungsgebiet der lexikalischen Diversität gegeben. Es wird auf Messmethoden (u.a auch den Guiraud-Index) sowie Wortschatztests eingegangen. Anschließend wird eine Studie dargestellt, die den Zusammenhang zwischen der Wortschatzkenntnis von Personen und ihrer lexikalischen Diversität in sprachlichen Äußerungen erfassen soll. Bei der Hälfte der Probanden handelt es sich um L2-Sprecher, sodass auch diese Variable als Vergleich hinzugezogen werden kann. Am Ende werden die Ergebnisse dargestellt, mit bereits vorhandenen Theorien verglichen und diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Theorie zur Lexikalischen Diversität
2.1.1. Lexikalische Kompetenz
2.1.2. Allgemeines zur Arbeit mit Korpora
2.1.3. Allgemeines zur Wortanalyse in Korpora
2.2. Überblick über die Messmethoden
2.3. Der Guiraud-Index
2.4. Allgemeines zu Wortschatz und Wortschatztests
2.5. Bisherige Forschungsergebnisse
3. Methoden
3.1. Datensammlung
3.2. Messmethode
4. Ergebnisse
5. Diskussion
6. Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen den Ergebnissen eines standardisierten Wortschatztests und der tatsächlich verwendeten lexikalischen Vielfalt in spontanen mündlichen Äußerungen bei L1- und L2-Sprechern besteht.
- Analyse des Zusammenhangs zwischen passivem Wortschatzwissen und aktiver Sprachproduktion.
- Unterschiede in der lexikalischen Diversität zwischen Muttersprachlern (L1) und Zweitsprachlern (L2).
- Evaluierung von Methoden zur Messung des Wortschatzreichtums (z.B. Guiraud-Index vs. TTR).
- Einfluss von soziolinguistischen Variablen wie dem universitären Bildungsniveau auf die Sprachleistung.
- Kritische Reflexion der Validität von Wortschatztests als Indikator für sprachliche Komplexität.
Auszug aus dem Buch
2. Theoretischer Hintergrund
Unter lexikalischer Diversität (oder auch lexikalischer Vielfalt) versteht man die Reichhaltigkeit des in einem Korpus verwendeten Wortschatzes. In angewandten Disziplinen wie der Spracherwerbsforschung, der Sprachpathologie und der Stilometrie ist das Messen dieser Reichhaltigkeit eine wichtige Methode. Man kann dadurch beispielsweise den wachsenden Wortschatz eines Kindes oder den verminderten Wortschatz von Personen mit Sprachstörungen messen (Vgl. Perkuhn et al 2012).
Read (2000: 200f) unterscheidet zwischen diesen vier Eigenschaften von lexikalischer Vielfalt, die ausschlaggebend für einen in lexikalischer Hinsicht gelungenen Text sind:
Lexical variation: Darunter versteht man die Verwendung von vielen verschiedenen Wörtern, anstatt einer begrenzte Anzahl von sich immer wieder wiederholenden Wörtern.
Lexical sophistication: Dies bezeichnet die Auswahl von weniger häufigen Wörtern, die mehr für das Thema und den Stil geeignet sind als der alltägliche Wortschatz. Den Wert der Lexical sophistication kann man berechnen, indem man die Zahl dieser „sophisticated words“ durch die absolute Anzahl der Wörter im Text dividiert.
Lexical density: Hier geht es darum, einen höheren Prozentsatz von lexikalischen oder Inhaltswörtern im Gegensatz zu grammatischen oder Funktionswörtern zu verwenden.
Number of errors: Bezeichnet die Anzahl der grammatikalisch oder sinngemäß falsch verwendeten Wörter.
Nach Jarvis (1966: 22fff) basiert die lexikalische Diversität auf unserer Wahrnehmung und ist daher subjektiv. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nur durch subjektive Methoden gemessen werden kann. Jarvis unterscheidet zwischen diesen sechs Komponenten, die beeinflussen, wie wir lexikalische Diversität wahrnehmen: Variability (Varianz), Volume (Textlänge), Evenness, Rarity, Dispersion und Disparity.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des Zusammenhangs zwischen Wortschatztest-Leistung und lexikalischer Diversität in Äußerungen.
2. Theoretischer Hintergrund: Theoretische Fundierung der Begriffe lexikalische Diversität, lexikalische Kompetenz sowie Überblick über Messmethoden wie den Guiraud-Index.
3. Methoden: Beschreibung der Datensammlung mittels Sprachaufnahmen und Wortschatztests sowie Erläuterung der angewandten Messmethode.
4. Ergebnisse: Präsentation und tabellarische Aufbereitung der erhobenen Daten, unterteilt nach L1- und L2-Sprechern sowie deren G-Werten.
5. Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen, den Gründen für ausbleibende Signifikanz und den Herausforderungen der Messmethoden.
6. Schlusswort: Fazit zur Studie mit Ausblick auf mögliche Optimierungen bei zukünftigen Erhebungen.
Schlüsselwörter
Lexikalische Diversität, Wortschatztest, Sprachwissenschaft, L1-Sprecher, L2-Sprecher, Korpuslinguistik, Guiraud-Index, Sprachkompetenz, Wortschatzreichtum, Type-Token-Verhältnis, Sprachproduktion, Bildungsniveau, Lexikalische Vielfalt, Sprachforschung, Quantitative Wortanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Ergebnisse eines standardisierten Wortschatztests eine verlässliche Vorhersage über die lexikalische Vielfalt in spontanen mündlichen Äußerungen einer Person zulassen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Messung von Wortschatzreichtum, die Anwendung korpuslinguistischer Methoden sowie soziolinguistische Unterschiede zwischen Erst- und Zweitsprachlern.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Leistung in einem Wortschatztest und der lexikalischen Diversität in konkreten sprachlichen Äußerungen?
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden Sprachaufnahmen transkribiert, die Token und Types gezählt und der Guiraud-Index zur Berechnung der lexikalischen Diversität angewendet, um die Ergebnisse statistisch zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem theoretischen Fundament der Wortschatzmessung, der detaillierten Beschreibung der Methodik, der Darlegung der empirischen Ergebnisse und einer anschließenden Diskussion der Korrelationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Lexikalische Diversität, Wortschatztest, L1-/L2-Sprecher, Guiraud-Index und Sprachkompetenz.
Wie unterscheidet sich die Arbeit bei der Betrachtung von L1- und L2-Sprechern?
Die Untersuchung differenziert zwischen beiden Gruppen, da bei L2-Sprechern das Sprachniveau einen stärkeren Einfluss auf beide Leistungsbereiche hat als bei Muttersprachlern, bei denen die Korrelation geringer ausfällt.
Welche Rolle spielt das universitäre Umfeld für die Ergebnisse?
Die Studie prüft, ob das universitäre Umfeld als Indikator für Wortschatzleistung dient, stellt jedoch fest, dass dies bei den erhobenen Daten keinen eindeutigen oder signifikanten Einfluss auf die lexikalische Diversität hat.
Warum konnte kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden?
Die Autorin führt dies auf methodische Schwierigkeiten (z.B. einfache Beschreibungsaufgaben), Motivationsfaktoren der Probanden und die Variabilität der Sprachproduktion zurück, die schwerer zu messen ist als ein stabiler Wortschatztest.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Messmethoden?
Sie schließt daraus, dass Wortschatztests zwar Stabilität bieten, aber die lexikalische Diversität in freien Äußerungen ein eher instabiles Konstrukt ist, das durch die aktuelle Messmethode (Guiraud-Index) nur schwer vollständig abzubilden ist.
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- Sanja Leitner (Author), 2016, Das Verhältnis von Wortschatzkenntnis und lexikalischer Diversität in sprachlichen Äußerungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/352922