Die Hausarbeit beschäftigt sich mit Resilienz und Kinderarmut und geht dabei insbesondere auf die Resilienzstärkung und die Armutsprävention ein.
„Alle Kinder sind im Strandbad, nur nicht Lisa, die (fliegt nach Pisa.) ist arm.“ Dieser alte Kinderreim stand 2008 auf vielen bunten Aushängen in der Stadt Freiburg. Die Worte „fliegt nach Pisa“ waren auf diesen Plakaten durchgestrichen und stattdessen standen in krakeliger Kinderschrift die Worte „ist arm“ daneben. Mithilfe dieser Kampagne machte die AWO Freiburg auf ein äußerst brisantes Thema aufmerksam, dessen Bedrohung stetig wächst: Kinderarmut. Die Zahl der betroffenen Kinder steigt, 2012 wiederholte Freiburg die Plakatkampagne gegen Kinderarmut. War 2008 zwar schon jedes sechste Kind in Freiburg arm, war es vier Jahre später sogar bereits jedes fünfte Kind. Arme Kinder gehören auch in Deutschland zum Bild unserer Gesellschaft. Tippt man einmal die Wörter ‚Arme Kinder in Deutschland‘ in eine Suchmaschine ein, springen einem Sätze wie ‚Arme Kinder starten schwer in Leben‘, ‚Arme Kinder haben es schwerer in der Schule‘, ‚Auch in Deutschland müssen Kinder noch frieren‘ oder ‚Zu viele arme Kinder in Deutschland‘ ins Auge. Kinderarmut ist real und zeigt sich als mehrdimensionales Phänomen.
Vor allem pädagogische Fachkräfte sehen sich dieser Realität mittlerweile immer öfter gegenüber gestellt. Wie können diese innerhalb ihrer Möglichkeiten die sozialen Unterschiede am effektivsten abfedern und den betroffenen Kindern und ihren Familien zeitgleich eine verstärkte Förderung zukommen lassen? Welche Faktoren spielen bei der Arbeit mit armen Kindern eine besondere Rolle? Gibt es betroffene Kinder, die sich trotz der schwierigen Umstände gesund entwickeln können? Wie kann die wichtige Schlüsselkompetenz Resilienz hierbei weiterhelfen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Armut und Kindheit
2.1 Ursachen und Risikogruppen
2.2 Folgen chronischer Armut auf individueller und sozialer Ebene der betroffenen Kinder
3. Resilienz
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Risiko – und Schutzfaktoren
3.3 Personale Ressourcen
4. Resilienzstärkung und Armutsprävention
4.1 Zielsetzung
4.2 Resilienzstärkung in Kindertageseinrichtungen
4.2.1 Förderung der personalen Ressourcen des Kindes
4.2.2 Unterstützung der Eltern durch eine Erziehungspartnerschaft
4.3 Kommunale Armutsprävention am Beispiel des Nürnberger Ansatzes
5. Bewertung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie pädagogische Fachkräfte Kinder aus armen Verhältnissen gezielt durch die Stärkung ihrer Resilienz unterstützen können, um trotz belastender Lebensumstände eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Dabei wird analysiert, wie Resilienz gefördert und Armutsprävention auf kommunaler Ebene wirksam umgesetzt werden kann.
- Dimensionen und Ursachen von Kinderarmut
- Psychologische und pädagogische Grundlagen der Resilienz
- Rolle von Risiko- und Schutzfaktoren
- Resilienzstärkung im pädagogischen Kita-Alltag
- Erziehungspartnerschaft mit betroffenen Eltern
- Kommunale Handlungsstrategien am Beispiel der Stadt Nürnberg
Auszug aus dem Buch
3.2 Risiko – und Schutzfaktoren
Als großer Meilenstein in der Resilienzforschung gilt die Kauai-Längsschnittstudie von Werner und Smith, 1992. Innerhalb dieser Studie wurden alle 698 Kinder, die 1955 auf der hawaiianischen Insel geboren wurden über mehrere Jahrzehnte begleitet, um zu untersuchen, wie sich unterschiedliche Lebenslagen, Krisen, aber auch Schutzfaktoren auf diese auswirken. Ca. 30 % der getesteten Kinder wuchsen in prekären Verhältnissen auf. Jedoch zeigten nach der Auswertung der Studie, ein Drittel dieser Kinder keinerlei negative Beeinträchtigungen, wie Verhaltensprobleme oder Lernschwierigkeiten auf. Stattdessen hatte diese Probanden ihren Platz im Leben gefunden, wiesen Selbstbewusstsein, Kompetenz und Fürsorge sowie überdurchschnittliche schulische und berufliche Erfolge auf. Werner und Smith gingen deshalb davon aus, dass diese Kinder trotz ihrer zu Beginn widrigen Lebensumstände ein hohes Maß an Resilienz besitzen (Hildenbrand und Welter-Enderlin 2008: S.32 f.). In den weiteren Ergebnissen ihrer Studie lassen sich nun sowohl Risiko- und als auch Schutzfaktoren für diese Entwicklung erkennen.
Risikofaktoren, die die kindliche Entwicklung gefährden können sind demnach: finanzielle Mangellagen der Familie, psychische Krankheiten und häufiger Alkoholkonsum der Eltern, Missbrauch und Vernachlässigung der Kinder und traumatische Erlebnisse bei der Geburt des Kindes. Diese Faktoren stellen ein dauerhaftes Risiko für die Kindesentwicklung dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Kinderarmut ein, formuliert die zentrale Fragestellung nach Unterstützungsmöglichkeiten durch Resilienzstärkung und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2. Armut und Kindheit: Hier werden Definitionen von Armut erläutert sowie die Ursachen, Risikogruppen und die gravierenden materiellen wie sozialen Folgen für betroffene Kinder aufgezeigt.
3. Resilienz: Das Kapitel definiert den Begriff der Resilienz und analysiert wissenschaftliche Erkenntnisse zu Risiko-, Schutzfaktoren sowie personalen Ressourcen, die für eine gesunde Entwicklung trotz Belastung entscheidend sind.
4. Resilienzstärkung und Armutsprävention: Dieses Kapitel verknüpft Resilienz mit Präventionsmaßnahmen, zeigt Wege für die Kita-Praxis sowie die Zusammenarbeit mit Eltern auf und illustriert kommunale Strategien am Beispiel Nürnbergs.
5. Bewertung und Ausblick: Eine kritische Reflexion des Themas sowie der bestehenden Programme, ergänzt durch eine Einschätzung zukünftiger Erfordernisse in der Politik und Pädagogik.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Resilienz, Armutsprävention, Schutzfaktoren, Risikofaktoren, Kindertageseinrichtung, Erziehungspartnerschaft, Personale Ressourcen, Soziale Exklusion, Nürnberger Ansatz, Frühpädagogik, Entwicklung, Familienpolitik, Bildungsarmut, Resilienzstärkung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert Kinderarmut in Deutschland und untersucht, wie pädagogische Fachkräfte durch gezielte Resilienzstärkung dazu beitragen können, die Entwicklungsbedingungen betroffener Kinder zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit umfasst die Analyse von Armutsfolgen, das Konzept der Resilienz mit seinen Schutz- und Risikofaktoren sowie konkrete Präventions- und Unterstützungsansätze in Kitas und Kommunen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie pädagogische Fachkräfte soziale Unterschiede abfedern und durch die Förderung der Resilienz zur gesunden Entwicklung armutsgefährdeter Kinder beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die den aktuellen Forschungsstand zu Kinderarmut, Resilienzforschung (u.a. Kauai-Studie) und pädagogischen Interventionsprogrammen synthetisiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Formen und Folgen von Armut definiert, danach die psychologischen Grundlagen der Resilienz erläutert und schließlich praktische Methoden der Resilienzförderung in Kitas sowie kommunale Programme dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Kinderarmut, Resilienzstärkung, Armutsprävention, Erziehungspartnerschaft und personale Ressourcen.
Was ist das Besondere am Nürnberger Ansatz der Armutsprävention?
Der Nürnberger Ansatz zeichnet sich durch ein umfassendes, stadtweites Arbeitsprogramm in zehn Handlungsfeldern aus, das durch die Vernetzung vieler Akteure wie AWO, Jobcenter und Bildungseinrichtungen alle Lebensbereiche der Kinder erreichen will.
Welche Rolle spielen Handpuppen in der Resilienzförderung?
Im Rahmen des Programms PRiK werden Handpuppen (Persona Dolls) eingesetzt, um Kindern eine altersgerechte und bewusste Auseinandersetzung mit ihren eigenen Gefühlen, Stärken und Schwächen zu ermöglichen.
- Quote paper
- Angelina Sieffarth (Author), 2015, Resilienz und Kinderarmut. Ansätze zur Resilienzstärkung und Armutsprävention, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/352804