Studienergebnisse zeigen deutlich, dass die pädagogische Arbeit mit Eltern in Kindertageseinrichtungen verbessert werden sollte. Der größte Teil dieser Verbesserungsarbeit liegt in der Hand von pädagogischen Kräften. In dieser Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen: Welche Anforderungen stellt die Elternarbeit im Hinblick auf die Vielfältigkeit der Klientel an die pädagogischen Fachkräfte?
Nach Angaben des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration geben Eltern mit Migrationshintergrund ihre Kinder seltener in Kitas als Einheimische. Woran das liegt und was sich die betroffenen Familien wünschen, wurde in einer Studie vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) untersucht und im Juni 2013 veröffentlicht. Ergebnisse zeigen, dass die Tatsache, dass Eltern mit Migrationshintergrund ihre Kinder in eine deutsche Kita geben, maßgeblich von ihrem Bildungsstatus abhängt. Als Hürden nennen die Eltern selbst unter anderem eine mangelnde interkulturelle Öffnung der Einrichtungen und die aus ihrer Sicht geringe Qualität der Betreuung. Außerdem äußerten die Familien den Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit der Kitas mit den Eltern.
Da der Umfang einer solchen Arbeit natürlich nicht nahezu ausreichend wäre, um alle einzelnen Aspekte der Elternarbeit zu beleuchten, möchte ich mich auf Grundsteine interkulturelle Zusammenarbeit und einige praktische Umsetzungsmöglichkeiten beschränken. Ich beginne mit Ist - Situation unsere Gesellschaft und werde die Notwendigkeit interkultureller Bildung und Erziehung belegen. Daraufhin werden Grundlagen und Anforderungen interkultureller Zusammenarbeit mit Eltern näher betrachtet und mit praktischen Umsetzungsmöglichkeiten verkoppelt. Anschließend befasse ich mich mit Perspektiven Interkultureller Praxis.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Notwendigkeit interkultureller Bildung und Erziehung
3. Grundlagen und Anforderungen interkultureller Zusammenarbeit
3.1 Interkulturelle Kompetenzen pädagogischer Fachkräfte
3.2 Unterschiedliche Gesprächskulturen
3.3 Unterschiedliche Erziehungsvorstellungen
3.4 Das Kind im Zentrum der gemeinsamen Bemühungen
4. Interkulturelle Elternarbeit in der Praxis
4.1 Erste Kontakte: Anmeldung und Aufnahme
4.2 Elterngespräche
4.3 Schriftliche Mitteilungen
4.4 Hospitationen und Hausbesuche
4.5 Veranstaltungen für Eltern
4.6 Einbeziehungen in der pädagogischen Arbeit
5. Perspektiven Interkultureller Praxis
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche spezifischen Anforderungen die interkulturelle Elternarbeit an pädagogische Fachkräfte stellt, um trotz der Vielfalt der Klientel eine konstruktive und gelingende Zusammenarbeit zum Wohle des Kindes zu gewährleisten.
- Notwendigkeit interkultureller Bildung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Migration
- Entwicklung interkultureller Kompetenzen bei pädagogischen Fachkräften durch Reflexion
- Umgang mit differierenden Gesprächskulturen und Erziehungsvorstellungen
- Praktische Methoden der Elternarbeit (Gesprächsführung, Hausbesuche, Beteiligungsformen)
Auszug aus dem Buch
3.2 Unterschiedliche Gesprächskulturen
Die pädagogischen Fachkräfte sollten sich immer bewusst darüber sein, dass es möglicherweise Unterschiede in den Gesprächskulturen sind, die einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Eltern im Wege stehen (vgl. Borke, Döge & Kärtner, 2011, S. 20). Schon der Begrüßung durch einen Handschlag, welcher in der deutschen Kultur als eine Norm der Höflichkeit betrachtet wird, kann eine Elternreaktion hervorrufen, welche bei der pädagogischen Fachkraft zur Irritation führen kann. Je nach kulturellen Begrüßungsformen kann es leicht angenommen werden, zögerlich erwidert, ungern entgegen genommen oder verweigert werden. Auch Blickkontakt, der für viele Offenheit und authentisches Interesse am Gegenüber spiegelt, kann in seiner Bedeutung sich kulturspezifisch unterscheiden.
In einigen Kulturen orientiert sich der Gesprächsverlauf an sozialen Hierarchien, in denen die Erzieherin als eine Autoritätsperson angesehen wird und ihr nicht widersprochen wird. Eltern mit einem derartigen kulturellen Hintergrund wird es schwer fallen in einem gleichberechtigten Dialog mit der Fachkraft einzutreten, da das ihrem Empfinden nach nicht einem angemessenen Umgang entspricht. Die Familien, die einen indirekten Kommunikationsstill pflegen, sprechen über Probleme oder Schwierigkeiten nicht direkt, sondern in Form von Andeutungen oder über die Kommunikation mit Dritten. Diese Kommunikationsmuster sind für viele ErzieherInnen ungewöhnlich und es kann schnell zu Missverständnissen und Frustrationen auf beiden Seiten kommen. Deswegen sollten sich die pädagogischen Fachkräfte immer bewusst darüber sein, dass diese Unterschiede in den Gesprächskulturen im Wege einer wirksamen Zusammenarbeit mit Eltern stehen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert die Hürden beim Zugang von Familien mit Migrationshintergrund zu Kitas und definiert die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der Anforderungen an Fachkräfte.
2. Notwendigkeit interkultureller Bildung und Erziehung: Das Kapitel begründet die Notwendigkeit durch globale Entwicklungen wie Migration und definiert Interkulturelle Pädagogik als einen Ansatz, der alle Gesellschaftsmitglieder einbezieht.
3. Grundlagen und Anforderungen interkultureller Zusammenarbeit: Hier werden die Voraussetzungen für Fachkräfte beleuchtet, insbesondere Selbstreflexion, der Umgang mit verschiedenen Kommunikationsstilen und unterschiedlichen Erziehungsidealen.
4. Interkulturelle Elternarbeit in der Praxis: Dieses Kapitel erläutert konkrete Handlungsfelder wie Anmeldung, Elterngespräche, Hausbesuche und die Einbindung von Eltern in den Kita-Alltag.
5. Perspektiven Interkultureller Praxis: Dieser Abschnitt beschreibt, wie Interkulturalität als fundamentales Erziehungsprinzip in Bildungsplänen verankert werden kann und sollte.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung betont, dass Kommunikation das zentrale Element der Elternarbeit ist und Lösungen nur durch einen respektvollen, beziehungsorientierten Dialog gefunden werden können.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Pädagogik, Elternarbeit, Migrationshintergrund, Kindertageseinrichtung, Kommunikation, Erziehungsvorstellungen, Fachkräfte, Kultursensibilität, Selbstreflexion, Integration, Bildungsauftrag, Familien, Kooperation, Sprachförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Herausforderungen und Chancen der Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und Eltern mit Migrationshintergrund.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung interkultureller Bildung, die interkulturelle Kompetenz der Fachkräfte sowie praktische Methoden der Elternarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Anforderungen an pädagogische Fachkräfte im Hinblick auf eine vielfältige Klientel zu identifizieren und Möglichkeiten für eine gelingende Elternarbeit aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch aktuelle Studien und Fachliteratur zur Interkulturellen Pädagogik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen wie Gesprächskulturen und Erziehungsideale sowie deren praktische Umsetzung in Aufnahme- und Elterngesprächen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind interkulturelle Bildung, Elternarbeit, Kommunikation, Kultursensibilität und professionelle Haltung.
Warum ist der Erstkontakt bei der Anmeldung für Migrantenfamilien so bedeutsam?
Da der Übergang in eine fremde Institution mit Ängsten verbunden sein kann, entscheidet ein offener und freundlicher Erstkontakt maßgeblich über den weiteren Aufbau einer Vertrauensbasis.
Wie sollten Fachkräfte mit unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen umgehen?
Fachkräfte sollten den unterschiedlichen Hintergründen mit Offenheit und Respekt begegnen, Verhaltensweisen hinterfragen und versuchen, in einem dialogischen Prozess gemeinsame Perspektiven zu entwickeln.
Welche Rolle spielt die Kommunikation in der interkulturellen Elternarbeit?
Kommunikation wird als das größte Problemfeld identifiziert, wobei Missverständnisse oft auf unterschiedliche kulturelle Muster und Denkweisen zurückzuführen sind, nicht nur auf Sprachbarrieren.
- Arbeit zitieren
- I. Seel (Autor:in), 2015, Grundlagen und Anforderungen interkultureller Zusammenarbeit in Kitas. Interkulturelle Bildung und Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/352250