Die Bildkultur des Spätmittelalters kannte im Wesentlichen zwei Ausformungen: die der christlichen und die der höfischen, weltlichen Bildkultur. Die kirchliche und klösterliche Welt war für die Menschen des Mittelalters allgegenwärtig und dominant. Hier entwickelte sich die größte Vielfalt an Bildern. Die christliche Bildkultur versuchte mit ihren Bildern die Erinnerung an die Heilsgeschichte zu wahren und ihre Glaubensinhalte durch sie zu vermitteln.
Die Heraldik war ein wichtiger Bestandteil spätmittelalterlicher Bildkultur. Im Allgemeinen finden sich Wappen im Hoch- und Spätmittelalter wo man hinschaut: auf Kirchenfenstern, Siegeln, Kleidern und Pferdedecken, Wandteppichen, Möbeln und den Wappenrollen und -briefen. Sie repräsentieren, identifizieren, dekorieren und memorieren – letzteres wird anhand wappengeschmückter Grabmäler, Epitaphe, Grabkapellen, Grüfte und auch Begräbnisse des Mittelalters besonders deutlich.
Mit dieser sogenannten Funeralheraldik und ihrer Bedeutung für die Begräbniskultur des Spätmittelalters beschäftigt sich diese Arbeit im Besonderen. Anhand aussagekräftiger Beispiele wird die Systematik der Funeralheraldik erklärt und ihre Darstellungsvielfalt verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundregeln der Heraldik und die Darstellung von Wappen auf Grabmälern
2.1 Die Grundregeln der Heraldik
2.2 Die Aufschwörtafeln und die Darstellung von Wappen auf Grabmälern
3. Die Grabmäler der Echter von Mespelbrunn
3.1 Das Adelsgeschlecht der Echter von Mespelbrunn
3.2 Das Grabmal des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn im Würzburger Dom
3.3 Das Epitaph des Valentin Echter von Mespelbrunn
3.4 Der Grabstein des letzten Echter von Espelbrunn im Würzburger Dom
4. Abschließende Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Funeralheraldik in der spätmittelalterlichen Begräbniskultur. Anhand der Grabmäler der Familie Echter von Mespelbrunn wird analysiert, wie Wappen zur Repräsentation von Herrschaftsbereichen, zur Ahnenfolge und zur Etablierung eines lebendigen Totengedenkens dienten.
- Grundlagen der heraldischen Zeichensprache
- Funktion von Wappen als historische und genealogische Quellen
- Die Verbindung von Bildkultur und Memoria im Spätmittelalter
- Fallstudien zu den Grabmälern der Echter von Mespelbrunn
- Reaktion des Adels auf die Reformationszeit durch heraldische Repräsentation
Auszug aus dem Buch
Die heraldische Kunstsprache „Der Blason“
Die Heraldik verfügt über eine eigene Kunstsprache, den sogenannten Blason. Ihr Hauptgrundsatz besteht darin, ein Wappen in kürzester Form möglichst erschöpfend so zu beschreiben, dass ein heraldischer Zeichner das Wappen exakt aufreißen kann. Selbstverständliches und häufig vorkommendes wird weggelassen. Form von Schild oder Helm werden so beispielsweise nicht angegeben. Wichtig ist auch, dass Wappen immer aus der Sicht des Schildhalters beschrieben werden- d.h. heraldisch links und heraldisch rechts sind genau das Gegenteil von dem, was gewöhnlich als links und rechts beschrieben wird. Gemeldet wird nur, was von der üblichen Darstellung abweicht, wie z. B. eine Abweichung der Stellung (z.B. nach links anstatt nach rechts gewendet) oder besondere Hervorhebungen einzelner Teile (z.B. rot bezungt).
Auch die Reihenfolge der Beschreibung folgt einer Regel. Die obere und rechte Seite gilt als die vornehmere. Mit dieser beginnt man die Blasonierung und endet in der unteren linken Ecke. Vor den Figuren werden die Farben blasoniert, dann die begleitenden Figuren. Auf das Schild folgt die Beschreibung der Helmzier und der Helmdecken. Bei zwei Helmen beginnt man rechts, sind es mehr, beginnt man bei der mittleren, bzw. rechten mittleren und wechselt dann zwischen rechts und links ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die spätmittelalterliche Bildkultur und die spezifische Bedeutung der Funeralheraldik für die Begräbniskultur.
2. Grundregeln der Heraldik und die Darstellung von Wappen auf Grabmälern: Erläuterung der heraldischen Fachsprache, der Regeln für die Wappendarstellung und der Funktion von Aufschwörtafeln als genealogische Nachweise.
3. Die Grabmäler der Echter von Mespelbrunn: Detaillierte Analyse spezifischer Grabmäler und Epitaphe der Familie Echter, einschließlich der genealogischen Rekonstruktion mittels Wappen.
4. Abschließende Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Rolle der Heraldik als Mittel der Memoria und der adligen Repräsentation in einer von Reformation geprägten Zeit.
Schlüsselwörter
Funeralheraldik, Spätmittelalter, Grabmäler, Echter von Mespelbrunn, Wappen, Blason, Begräbniskultur, Memoria, Ahnenprobe, Epitaph, Heraldik, Bildkultur, Genealogie, Würzburg, Reformationszeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Wappen innerhalb der spätmittelalterlichen Begräbniskultur und ihrer Bedeutung für die Repräsentation adliger Familien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die heraldische Theorie, die sepulkrale Kunst sowie die genealogische Dokumentation auf Grabmälern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Systematik der Funeralheraldik und deren Nutzung als historische Quelle anhand der beispielhaften Grabmäler der Echter von Mespelbrunn aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Grabdenkmälern und Epitaphen als Bildquelle sowie die Auswertung von heraldischen Fachregeln zur Entschlüsselung von Ahnenreihen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Heraldik und die praktische Analyse der Denkmäler der Echter von Mespelbrunn im Würzburger Dom und in der Kirche von Gaibach.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Funeralheraldik, Memoria, Genealogie, Wappenwesen und mittelalterliche Bildkultur sind die prägenden Begriffe.
Wie unterscheidet sich die heraldische „Schwertseite“ von der „Spindelseite“?
Die Schwertseite (heraldisch rechts) repräsentiert die Ahnen des Vaters, während die Spindelseite (heraldisch links) die Ahnen der Mutter darstellt.
Was bedeutet ein „gestürztes Wappen“ auf einem Grabstein?
Ein gestürztes, also auf dem Kopf stehendes Wappen, signalisiert im Spätmittelalter das Aussterben der jeweiligen adligen Linie.
- Arbeit zitieren
- Pia Bosch (Autor:in), 2015, Funeralheraldik. Wappen in der Begräbniskultur des Spätmittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/352022